11.06.2013

Rock ’n’ Roll, mein Bruder und ich

»Bin i Radi, bin i König«

Seite 2/3: Die Geschichte von Radis Bruder Milan
Text:
Ulrich von Berg
Bild:
Imago

Ein Blick in den Bildteil von Radis gleichfalls 1965 publizierter Autobiografie genügt, um das Rätsel zu lösen. Der hübsche Bengel, den es wesentlich früher von Jugoslawien in die USA verschlagen hatte als Radi nach Deutschland und den die ID Card einer High School in Miami Beach als Richard Rondell ausweist, war kein anderer als der 1941 geborene, jüngere Bruder des Torwarts. In besagtem Buch wird Milan von Radi zwar so gut wie nicht erwähnt, aber es gibt ein Foto, das Milan als American-Football-Spieler zeigt und den vagen Hinweis, er würde in den USA »moderne Schlager komponieren und Schallplatten besingen«.

Milans bevorzugte Sportart war allerdings Baseball. Martin Winfree, der Informationen zu seiner Biografie zusammentrug, fand heraus, dass Milan, bevor er den Verlockungen des Rock ’n’ Roll erlag, in einem Farmteam der Chicago White Sox gespielt und durchaus Aussicht auf einen Profivertrag gehabt hatte. Sportliches Talent, die Liebe zur Musik und der Hang zu extrovertiertem Verhalten: Die Brüder waren bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Lebenswege wohl doch von recht ähnlichem Naturell.

Rick Rondell in Miami Beach

Musik spielte im Leben von Petar und Milan auch deshalb eine dominierende Rolle, weil ihr Vater Radaslav (genannt Rasha) vor dem Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien ein bekannter Folkloremusiker gewesen war, der seine Songs angeblich in elf Sprachen zum Besten gab. Im Sommer 1939 brach er zusammen mit Gattin Mila zu einer Tournee in die USA auf, wo er vom Kriegsausbruch überrascht wurde. Der Rückweg nach Europa war vorerst abgeschnitten, weshalb Rasha versuchte, in Amerika sesshaft zu werden. Das war, wie Radi schreibt, auch der Grund dafür, dass er praktisch ohne Vater und Mutter bei den Großeltern aufwuchs. Wenn es aber stimmt, dass sein Bruder Milan, wie Winfree behauptet, 1941 in Belgrad das Licht der Welt erblickte, müssen die Eltern doch noch einmal nach Jugoslawien zurückgekommen sein. Sicher scheint jedenfalls zu sein, dass Milan schon als Kind in die USA kam. Radi hingegen machte sich erst mit 25 Jahren – und nach einer erfolgreichen Karriere in der Heimat, zu der zwei Pokalsiegen mit dem OFK Belgrad und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen gehörten – 1956 nach Deutschland auf.

In Miami Beach, wo sich Radis Eltern niederließen, nahm Rasha bald auch offiziell seinen amerikanischen Bühnennamen Rick Rondell an. Landesweiter Erfolg war ihm nie vergönnt, aber auf kleiner Flamme lief die Karriere ganz ordentlich. In Miami Beach wird er oft in den Klatschkolumnen der Lokalpresse erwähnt, mit einer Sechs-Mann-Combo spielte er gelegentlich im berühmten Hotel Fontainebleau. Dort fand auch der erste öffentliche Auftritt von Milan statt, den der Vater, parallel zur Schulausbildung und den sportlichen Aktivitäten, an ein Leben als Profimusiker heranführte. Nachdem der Sohn sich abgenabelt und 1962 seine erste Platte eingespielt hatte, verlegte sich Rasha nicht ohne Erfolg auf die Malerei. Seinen Lebensabend verbrachte er in Kalifornien als Gastronom, ein Metier, in dem sich bekanntlich später auch Radi versuchte.


>>>> Die Karriere von Petar Radenkovic in der Bildergalerie!

 
 
 
 
 
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