Robert Huth, Held des Leicester-Wunders

Großer Bruder für alle

Acht Jahre lang hat Robert Huth geschwiegen. Aber keine Sorge: In England ist es ihm richtig gut ergangen. Ganz besonders bei Spitzenreiter Leicester City.

Luca Sage
Heft: #
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Und dann ist er einfach da: »Hallo, ich bin Robert.« Ein wenig abgehetzt, weil er wegen des Weihnachtsmarktes im Stadtzentrum von Manchester lange keinen Parkplatz gefunden hat. Ins Royal Exchange Theatre, die ehemalige Börse der Stadt, in die ein Theater gebaut wurde, kommt Robert Huth so eine halbe Stunde zu spät. Doch nach all den Jahren macht das nichts. Nach mehr als acht Jahren, um genau zu sein.

»Ich hatte keine Lust mehr, die immer selben Fragen zu beantworten«

Im August 2007 hatte er aufgehört, mit Journalisten zu sprechen. Der Grund dafür war kein traumatisches Erlebnis, keine Kampagne gegen ihn und keine erfundene Story. Er gab auch kein feierliches Schweigegelübde ab, es reichte ihm einfach. Übermäßig gerne geredet hatte Huth sowieso noch nie: »Und ich hatte keine Lust mehr, die immer selben Fragen zu beantworten.« Also hat er einfach alle Anfragen abgesagt, ob von Tageszeitungen, Magazinen, dem Fernsehen oder Radio – nö, lass mal.

In seinen frühen Jahren auf der Insel hatte er noch erzählt, wie es einem jungen Spieler beim FC Chelsea so ergeht. Er gab gemeinsame Interviews mit Thomas Hitzlsperger und Moritz Volz, die damals ebenfalls in England spielten. Und natürlich sprach er mit Journalisten, wenn er bei der deutschen Nationalmannschaft war, wo er an seinem 20. Geburtstag debütiert hatte, im ersten Spiel von Jürgen Klinsmann als Nationaltrainer. Doch schon bald nach der WM 2006, bei der Huth weitgehend auf der Bank saß, wurden die Berichte über ihn seltener.

Huth, der Riese, verschwand aus der Öffentlichkeit

Sein Wechsel von Chelsea zu Middlesbrough war noch ein Thema. Aber dann ging 2009 seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft leise zu Ende. Sein 19. und letzter Einsatz war ein unbedeutendes Freundschaftsspiel, der 7:2-Sieg bei den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anschließend erschien Huth nur noch in Kurzmeldungen. Der Wechsel nach Stoke und in diesem Jahr zu Leicester City. Oder dass er eine schwere Verletzung auskurieren musste, ein englisches Pokalfinale knapp verlor und wegen eines anstößigen Tweets eine Geldstrafe zahlen musste.

In England hielten ihm die Reporter der Fernsehsender weiterhin nach Spielen ihre Mikrofone unter die Nase, wenn auch nicht oft. Und selbstverständlich antwortete er. Ab und zu baten ihn die Pressesprecher seiner Klubs, sich beim wöchentlichen Termin mit den lokalen Journalisten zum Trainer aufs Podium zu setzen. Manchmal machte er das. Doch eigentlich verschwand Robert Huth in aller Öffentlichkeit. Was einer gewissen Komik nicht entbehrt, denn selbstverständlich ist Huth nicht zu übersehen. Weder auf dem Platz, noch wenn er auf einen zukommt und man erwartet, dass er einen Händedruck wie einen Schraubstock hat. Aber das ist nicht so und nur die erste Täuschung bei diesem Mann, der immer etwas anders ist als erwartet.

Eine Mischung aus Popeye und Meister Propper

1,91 Meter ist er groß, aber nicht diese Körpergröße allein lässt den 31-Jährigen so gewaltig wirken. Seinen Kopf kann man sich problemlos als in Stein gehauen vorstellen. Der Hals ist massig, mit einem riesigen Adamsapfel. Huths Schultern sind schrankbreit, sein Oberkörper könnte einen Banksafe verdecken und seine Beine ihn tragen. Er würde gut eine Comicfigur abgeben wie Popeye, den spinatgestärkten Seemann mit den gewaltigen Unterarmen, oder wie Meister Propper, den freundlichen Riesen aus der Werbung.

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