Boca befindet sich im Umbruch. Zu Saisonbeginn hatte Roman Riquelme den Klub geräuschvoll verlassen. Offiziell begründete der Superstar die Bitte um Auflösung seines Vertrages damit, dass er sich ausgebrannt fühle, und eine neue Herausforderung brauche. Doch war es ein offenes Geheimnis, dass der ebenso geniale wie launische Spielmacher den Spaß am etwas phantasielosen Konzept des kauzigen Defensivstrategens Falcioni verloren hatte.
Nach Martin Palermo war Boca damit innerhalb von einem Jahr die zweite Klublegende und Korsettstange von Bord gegangen. Der Verlust von Torjäger Palermo, mit dem sich Riquelme nie grün gewesen war, konnte noch kompensiert werden. Befreit von seinem Intimfeind brillierte Riquelme und führte Boca zu zwei Titeln und in ein Finale der Copa Libertadores. Doch ohne die Ideen des Mittelfeldregisseurs lahmt nun das Spiel der Blau-Gelben.
Bei River ist nach dem kurzzeitigen Stimmungshoch dank zwei aufeinanderfolgender Kantersiege nach der jüngsten 0:1-Pleite in Quilmes auch wieder Ernüchterung eingekehrt. Die Zwischenbilanz nach dem Wiederaufstieg ist mittelmäßig. Erst vier Siege stehen aus elf Partien zu Buche. Mit 15 Punkten belegt die Elf von Trainer Matías Almeyda momentan Rang neun. Zu wenig für die hohen Ansprüche der »Millionarios«, die angesichts der glorreichen Klubhistorie kein gewöhnlicher Aufsteiger sind.
Rauschende Fußballshows hat das Monumental schon lange nicht mehr erlebt. Einst die Bühne von Ballvirtuosen wie Alfredo di Stefano, Mario Kempes oder Enzo Francescoli, sorgen die dort gezeigten Darbietungen der jüngsten Vergangenheit eher für Pfiffe beim verwöhnten Publikum.
Trezeguet traf bislang nur einmal
Am meisten Glanz in Rivers fragilem Ensemble versprüht David Trezeguet. Derzeit jedoch auch eher ob seines großen Namens. Zuletzt plagte den Ex-Weltmeister eine Blessur am Knie. Die Zwangspause nutzte dieser für einen Abstecher nach Frankreich, um private Dinge zu erledigen. Gleichzeitig ließ er sich bei seinem ehemaligen Klub Monaco behandeln und wird nun pünktlich zum »Superclásico« einsatzbereit in Buenos Aires zurückerwartet.
Mit seinen 13 Treffern hatte der gebürtige Argentinier, der international allerdings für Frankreich aktiv war, maßgeblichen Anteil an Rivers postwendender Rückkehr ins Oberhaus. Dort war er bislang jedoch erst einmal erfolgreich.
Mit seinen 35 Jahren hat Trezeguet noch hohe Ziele. »Ich würde gern mein 300. Tor als Profi erzielen, möglichst im Trikot von River.« Momentan ist Trezeguet bei 293 Treffern angelangt. Für sein Karriereende hat er noch einen Wunsch: »Wenn ich noch einen Meistertitel holen könnte, dieses Mal als Kapitän, dann wäre das ein idealer Abschluss.« Ob Trezeguet jedoch auch über Saisonende hinaus das Trikot von River Plate tragen wird, scheint fraglich. Zuletzt hatten dessen Äußerungen für Spekulationen um einen möglichen Abschied gesorgt. Zwar fühle er sich in der Stadt seiner Jugend sehr wohl, betonte der Sohn eines Argentiniers. Seine Familie sei jedoch weit weg im fernen Frankreich. »Im Dezember werde ich in Ruhe sehen, was das Beste für den Verein und für mich persönlich ist«, sagte Trezeguet.
Eine acht Kilometer lange Fahne
Die Begeisterung der River-Fans für ihren Klub hat derweil auch während der einjährigen Zweitklassigkeit nicht gelitten. Am 8. Oktober strömten knapp 100.000 Menschen auf die Straßen von Buenos Aires und feierten das weltweit längste Banner eines Fußballvereins.
Rund 24.000 Hände waren nötig, um die etwa acht Kilometer lange Fahne in den Straßen der argentinischen Hauptstadt auszurollen. Die Sehnsucht, die Demütigung des Abstiegs mit einem symbolträchtigen Sieg im ersten »Superclásico« nach der Rückkehr in die Primera Division Argentiniens zu tilgen, ist riesig.
Auch für River-Trainer Almeyda hätten drei Punkte einen besonders süßen Beigeschmack. Im letzten Kräftemessen mit Boca stand er noch als Spieler auf dem Feld. Beim 0:2 in der Bombonera wurde Almeyda vom Platz gestellt und geriet auf dem Gang in die Kabine mit einem Polizisten aneinander.