26.10.2012

River vs. Boca: Endlich wieder Superclasico

Showdown in Nuñez

Früher entschieden die Duelle die Meisterschaft in Argentinien. Diesmal geht es zwischen River Plate und Boca Juniors dagegen mehr denn je ums Prestige. Im ersten Superclásico nach Rivers Wiederaufstieg wollen beide Seiten dem Erzrivalen eines auswischen und für Ruhe im eigenen Klub sorgen.

Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Gut ein Jahr ist es her, da lag die Welt von River Plate buchstäblich in Trümmern. Voller Hoffnung waren damals knapp 50.000 Anhänger ins Stadion »El Monumental« in Buenos Aires gepilgert. Es galt, ein 0:2 aus dem Hinspiel in der Relegation gegen Zweitligist CA Belgrano aus Cordoba wettzumachen. Das Vorhaben misslang. Am Ende hieß es 1:1. Der erste Abstieg des stolzen Rekordmeisters aus Argentiniens Eliteklasse war besiegelt. 

Nicht nur sportlich ging jener 26. Juni 2011 als schwärzester Tag in die Klubgeschichte ein. Auch ob der Krawalle nach dem Schlusspfiff. Als das Unvorstellbare zur Gewissheit geworden war, eskalierte die Gewalt. Die ruhmreiche Spielstätte im noblen Wohnviertel Nuñez verwandelte sich in ein Tollhaus. Auf den Rängen randalierten River-Fanatiker hemmungslos, selbst in den Katakomben gingen reihenweise Glasscheiben zu Bruch.

Auch vor den Stadiontoren ließ der entfesselte Mob eine Spur der Verwüstung hinter sich: Mülleimer brannten, Autos wurden demoliert und Geschäften zertrümmert. Die Nachbarschaft glich einem Schlachtfeld. Die Bilanz der Ausschreitungen: Dutzende Verletzte und rund 50 Festnahmen. Zeitgleich gingen am anderen Ende der Stadt die Sympathisanten der Boca Juniors auf die Straße und feierten die sportliche Schmach des Erzrivalen.

Ein Jahr mussten die Fans in Argentinien auf jene Duelle verzichten, die ein ganzes Land für 90 Minuten paralysieren. Am kommenden Sonntag gibt es ihn nun endlich wieder: den legendären »Superclásico« zwischen River und Boca.

Die Botschaft der Fans: »Koste es, was es wolle!«

Obgleich der Partie von jeher aus Prestigegründen jede Menge Brisanz innewohnt, ist der Druck auf beide Teams diesmal noch um einiges größer. Beide Seiten, allen voran die Trainer, benötigen einen Sieg dringender denn je. Weniger um Titelambitionen zu untermauen, denn um für Ruhe im eigenen, immer unruhiger werdenden Umfeld zu sorgen.

Den Spielern von Boca dürften die Gesänge vom vergangenen Spieltag noch immer warnend in den Ohren klingen. Nach dem tristen torlosen Remis daheim gegen Estudiantes hatten die Fans in der »Bombonera« ihren Lieblinge lautstark folgende Botschaft mit in Kabine geschickt: »Am Sonntag: Koste es, was es wolle!« Gegen River zählt nur ein Sieg.

Die Erfolge der abgelaufenen Saison, als die Elf von Trainer Julio Falcioni die wiedereingeführte »Copa Argentina« gewann und in der »Copa Libertadores«, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League, bis ins Finale marschiert war, sind verblasst. In der heimischen Liga läuft es seit dem Gewinn der Apertura 2011 nicht mehr. Als Titelverteidiger belegte Boca zuletzt nur Rang vier.

»Boca ist wunderschön, schlaucht aber unheimlich.«

Die aktuelle Meisterschaft Falcionis wartet seit nunmehr vier Spielen auf einen Triumph. Der Rückstand auf Spitzenreiter Newell’s Old Boy beträgt derzeit fünf Punkte. Bei noch acht ausstehenden Begegnungen ist rechnerisch zwar noch alles offen. Doch die zuletzt gezeigten Leistungen geben wenig Anlass zum Träumen. Falcioni hat die wachsende Unzufriedenheit registriert: »Boca ist wunderschön, schlaucht aber unheimlich.« Eine Niederlage in Nuñez und er dürfte seinen Platz wohl zeitnah räumen müssen, auch wenn Boca-Präsident Daniel Angelici betont: »Falcionis Zukunft steht am Sonntag nicht auf dem Spiel.«

 
 
 
 
 
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