Rivalität zwischen Preußen Münster und Arminia Bielefeld

Reflexartiger Hass

Vergesst Schalke gegen Dortmund, Nürnberg gegen Fürth, HSV gegen Werder. Die Partie, bei der wirklich regelmäßig die Fetzen fliegen, heißt Arminia Bielefeld gegen Preußen Münster. Heute treffen die beiden Mannschaften wieder aufeinander. Jens Kirschneck erklärt den Hass. Rivalität zwischen Preußen Münster und Arminia Bielefeldimago

Wie stark die Antipathie zwischen den beiden westfälischen Traditionsklubs ist, illustriert eine Anekdote aus dem Juni 1996. Am Vorabend der Europameisterschaft in England garnierte ich einen Abend als Kneipen-DJ in Bielefeld mit einigen Fußballsongs und legte unter anderem das harmlose Machwerk »Preußen Münster (immer wieder)« von Götz Alsmann auf. Umgehend kam da ein aufgebrachtes Individuum und forderte den Plattenaufleger mit vor Wut hüpfendem Adamsapfel auf, »sofort diesen Scheiß« auszumachen. Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt war Arminia Bielefeld gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen und Preußen Münster im Mittelfeld der Regionalliga eingelaufen. Und dennoch keine Souveränität im Umgang mit dem roten Tuch, stattdessen: relexartiger Hass.

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Dabei sind Preußen und Arminen nicht einmal Lokalrivalen im engeren Sinne – beide Städte trennen gut 70 Kilometer, außerdem dauert die Fahrt mangels einer Autobahnverbindung annähernd anderthalb Stunden. Fakt ist, dass sich der Bielefelder und der Münsteraner an sich nicht besonders gut riechen können. Das wissen zum Beispiel Stammseher der in Münster spielenden ZDF-Krimiserie »Wilsberg«, bei der in jeder Folge ein Gag zuungunsten Bielefelds eingebaut wird.

Leidenschaftliche Kämpfe um die Vorherrschaft in Westfalen

Das heißt aber nicht, dass bei Fußballduellen zwischen Münster und Bielefeld von Anfang an die Fetzen flogen. Klar berichten die Altvorderen von leidenschaftlichen Kämpfen um die Vorherrschaft in Westfalen, doch dass sich Preußen und Arminen so richtig übel verachtet hätten, kann man auch nicht sagen.

Diese negativen Gefühle sind vielmehr das Resultat einiger weniger Spielzeiten in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern. Zuvor war es immer mal wieder passiert, dass sich beide Seiten für längere Zeit aus den Augen verloren hatten. Während die Preußen Gründungsmitglied der Bundesliga waren und dann ziemlich rasch in der Versenkung verschwanden, wurden die Arminen erst 1970 das erste Mal erstklassig und hüpften fortan als Jojo durch die beiden oberen Ligen.

1989, als alles begann

In der Saison 1988/89 aber trafen sich Preußen Münster und Arminia Bielefeld nach fast zehn Jahren wieder, in der damals drittklassigen Amateuroberliga Westfalen. Die Bielefelder waren nach vierzehn Jahren Profifußball am Stück gerade abgestiegen und wollten unbedingt wieder hoch. Dann aber rissen ihnen die Münsteraner am letzten Spieltag die schon sicher geglaubte Oberligameisterschaft aus den Händen – und das war im Grunde der Anfang von allem.

1991 war auch Preußen Münster wieder zurück in der Oberliga, die Jahre danach markieren die Blütezeit der Rivalität beider Klubs – in der Regel mit dem besseren Ende für Münster. In der gefühlten Bielefelder Erinnerung gab es in jedem Frühjahr ein entscheidendes Spiel um die Meisterschaft, das immer 0:3 ausging. Fast hatte man den Eindruck, dass die Preußen auf das mögliche 0:4 verzichteten, um die Demütigung zu optimieren. Nichts aber ist schlimmer als sich auf solche Weise wiederholende Geschichte.

Denn da war es wieder, das alte Bielefeld-Gefühl: Wir können nichts, wir haben nichts, wir haben das schlechteste Wetter der Republik und versagen immer im entscheidenden Moment. Wir bauen Pseudo-Untergrundbahnen, um es zu vertuschen, doch nach wie vor dokumentiert die höhere Instanz ihren Abscheu durch die Entsendung überproportionaler Niederschlagsmengen, und einmal im Jahr zeigt uns Preußen Münster, wie man clever ist. Schlimmer noch: Das jeweils darauf folgende Scheitern der Preußen in der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga besagte, dass andere noch viel cleverer waren.

...Preußen Münster blieb traurig zurück

Hinzu kommt, dass diese Jahre auch eine Hochzeit des Hooliganismus waren, Althauer schwärmen noch heute von den damaligen Duellen zwischen Arminen und Preußen. Doch bereits 1995 war der Spuk wieder vorbei. Arminia Bielefeld – mit frischem Geld und den Stars Thomas von Heesen und Fritz Walter – stieg auf in die Zweite Liga, Preußen Münster blieb traurig zurück. Danach beschränkte sich das Ausleben der Dauerrivalität auf die wenigen Duelle zwischen Arminias Zwoter und Preußens erster Mannschaft, was irgendwie auch nur der halbe Spaß war.

Wie man überhaupt sagen muss, dass eine solch tiefe gegenseitige Abneigung zweier Klubs, die als potentielle Modernisierungsverlierer eigentlich im gleichen Boot sitzen, nur bedingt Sinn macht. Andererseits: Wen sollen sie sonst hassen? Dortmund und Schalke würden bestenfalls schmunzeln. Ernstzunehmende echte Lokalrivalen gibt es nicht. Und der VfL Osnabrück? Kommt aus Niedersachsen.

Erstes Meisterschaftsspiel seit 17 Jahren

An diesem Samstag also treffen Preußen Münster und Arminia Bielefeld zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder in einem Meisterschaftsspiel aufeinander. Vordergründig handelt es sich dabei um die Partie des 12. gegen den 17. der Dritten Liga. Doch die Fans beider Vereine sind seit Wochen elektrisiert und die Polizei hat die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen. WDR 3 überträgt das Spiel ab 14.55 Uhr live.

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