Ricardo Caruso Lombardi – der verrückteste Trainer Südamerikas

»Was der macht, ekelt mich an!«

Er bezeichnet Journalisten auch schon mal als »Schwuchteln«, er hat Diego Maradona zum Feind und gilt als der begabteste Feuerwehrmann im argentinischen Fußball – Ricardo Caruso Lombardi ist der verrückteste Trainer Südamerikas.

Eigentlich kann Ricardo Caruso Lombardi an keiner Kamera vorbeigehen. Nur allzu gern sonnt sich der Trainer von San Lorenzo im Scheinwerferlicht. Die Medien bieten dem geschwätzigen Mann für gewöhnlich bereitwillig seine Bühne. Wirklich Gehaltvolles zum Thema Fußball gibt Lombardi zwar meist nicht von sich. Eine Schlagzeile lässt sich aus dem Geplauder des stets polemisch daherkommenden Fußballlehrers aber stets basteln. Doch nun herrscht zwischen beiden Parteien erst einmal Eiszeit.

In seiner offenen Art hatte Lombardi jüngst verraten, er würde einen bestimmten Journalisten gerne mit dem Auto überfahren, so dass ihm alle Knochen wehtun. Ein Eklat. Die Klubführung reagierte und verpasste seinem leitenden Angestellten vorerst Redeverbot.  Für Interviews muss dieser nun vorher die Erlaubnis von oben einholen.

Eigentlich müsse er sich entschuldigen, aber: »dafür ist es zu spät«

Immerhin, seine Äußerung bezeichnete Lombardi inzwischen als spontanen »Wutanfall« für den er die Verantwortung übernehme. Explizit entschuldigen wollte er sich aber nicht, »dafür ist es zu spät«. Er habe nicht damit gerechnet, dass seine Worte so hohe Wellen schlagen würden.

Es ist die vorerst letzte Episode in einer langen Liste an Skandalen und Kuriositäten, die sich um Argentiniens wohl derzeit schillerndsten Trainer ranken.

Einen großen Titel hat Lombardi in seiner Karriere bislang nicht gewonnen. Weder als Spieler bei meist unterklassigen Vereinen, noch als Coach. Als Retter in letzter Not hat er sich jedoch einen ausgezeichneten Namen gemacht. Wenn nichts mehr geht, dann kommt Lombardi. Seine Qualitäten als Motivator sind unbestritten.

Mannschaften wie Racing Club de Avellaneda, Club Atlético Tigre oder aktuell San Lorenzo hat er in schier aussichtlosen Situationen übernommen und am Ende noch zum Klassenerhalt geführt – mit häufig unkonventionellen Methoden. So organisierte er mannschaftsintere Tombolas, bei denen er seinen Schützlingen teure Plasma-Fernseher versprach. Ein anderes Mal verteilte Lombardi selbstgeschnittene Videos, in denen er seine Spieler mit Gladiatoren vergleicht.  

Maradona sagt: »Was er gemacht hat, ekelt mich an!«

Allzu lange hält sein Zauber meist allerdings nicht. Seit 1994 war Lombardi bei insgesamt 17 Klubs tätig. Bei sieben der derzeit 20 Erstligisten hat er bereits auf der Bank gesessen. Lautlos verlief der Abschied selten. Zuletzt verließ Lombardi im April Quilmes mitten in der Saison, um bei San Lorenzo anzuheuern.

Statt die »Cerveceros« (»Bierbrauer«), mit denen er damals auf Platz vier lag, zurück in die Eliteliga zu führen, erlag der 50-Jährige der Versuchung, einen der populärsten Klubs Argentiniens vor dem Absturz zu bewahren. Soviel Wankelmut rief sogar Diego Maradona auf den Plan. »Was Caruso mit Quilmes gemacht hat, ekelt mich an«, ätzte der Ex-Weltmeister.

Doch Selbstzweifel sind nicht Lombardis Sache. Schuld sind meist die anderen. Auf Kritik reagiert er dünnhäutig, und schießt mit schöner Regelmäßigkeit verbal weit unter die Gürtellinie. Einen Journalisten, der ihn als »Schaumschläger« bezeichnet hatte, verhöhnte er als »Schwuchtel« und legte nach: »Der hat als kleiner Junge mit Puppen gespielt und redet heute über Fußball.«

Und auch Kollegen bekommen ihr Fett weg. Als Lombardi mit Tigre in Mendoza bei Godoy Cruz eine bittere 2:6-Klatsche einstecken musste, brannten dem Heißsporn an der Seitenlinie die Sicherungen durch. Wutentbrannt feuerte er einen Ball in Richtung Mendoza-Coach Omar Asad. Beim anschließenden Scharmützel bezichtigte der Attackierte sein Gegenüber der Bestechlichkeit. Lombardi konterte und betitelte Asad als »Junkie«.

Der Verdacht, Lombardi bessere sein Gehalt mit unlauteren Mitteln auf, war durch eine Aussage von Ex-Tigre Spieler Juan Camilo Angulo Villegas entstanden, der unter Lombardi ein Reservistendasein fristete. Der Kolumbianer hatte im Dezember 2010 verraten: »Mein Berater hat mir erzählt, dass Lombardi von ihm Geld verlangt hat, damit er mich bei der Aufstellung berücksichtigt.« Lombardi wies die Vorwürfe zurück.

Mitte Mai lieferte sich Lombardi auf offener Straße ein Duell mit dem Co-Trainer seines Vorgängers bei San Lorenzo. Fabián Gárcia habe ihm beim Verlassen eines TV-Studios aufgelauert und mit einem Schlag ins Gesicht zu Boden gestreckt, schilderte Lombardi damals den Auslöser des Streits.

Als er sich wieder aufgerappelt hatte, verfolgte Lombardi den Aggressor – von nun an mit einem Kamerateam im Schlepptau. Als er Gárcia schließlich an der nächsten Straßenecke gestellt hatte, tänzelte er laut pöbelnd mit drohend erhobenen Fäusten im Stile eines Boxer vor diesem auf und ab. Seine Linke verfehlte ihr Ziel allerdings deutlich.

Vielleicht muss er sich jetzt mal auf die Aufgaben als Trainer konzentrieren

Wie kaum ein anderer schafft es Lombardi, ständig mit Nebenschauplätzen in den Klatschspalten aufzutauchen. Dabei wäre es dieser Tage wichtiger denn je, sich auf seine Aufgaben als Trainer zu konzentrieren. Der Jubel über den Klassenerhalt ist längst verstummt. Die laufende Saison hat für San Lorenzo schlecht begonnen. Die Bilanz: Nach neun Spieltagen rangiert der Klub mit neun Punkten erneut weit unten im Tableau.

Eine erneute Niederlage am Wochenende daheim gegen den amtierenden Meister Arsenal und Lombardi müsste sich wohl abermals einen neuen Arbeitgeber suchen. Doch Skandale hin oder her, irgendwo wird man sich immer nach Retter Lombardi sehnen.

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