Relegation abschaffen?

Bis einer weint

Packende Relegationsspiele wiegen eine müde Saison auf. Doch das Spektakel ist erzwungen. Mehr solcher Ideen schaden dem Fußball.

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Waren die Vereine etwa auf Sport1 hereingefallen? Der Fernsehsender proklamiert seit Jahren den Slogan der »besten zweiten Liga aller Zeiten«, er verkauft das Unterhaus als Hort der Spannung und Erfüllung, die »Champions League des kleinen Mannes« sozusagen. In dieser Saison schien es, als würden die Zweitligisten im Aufstiegskampf alles Menschenmögliche dafür tun, an diesem Sehnsuchtsort zu verweilen. Die Bundesligisten im Abstiegskampf überboten sich derweil in Fehlschüssen und Niederlagenserien, als wären sie der Verlockung der besten zweiten Liga aller Zeiten vollends erlegen.

Dem Saisonendspurt auf Valium folgten ekstatische Relegationsspiele. In Fürth, in Bielefeld. Großartige Stimmung, Dramatik in den Schlussminuten, Tränenmeer auf der einen Seite, Jubeltrauben auf der anderen Seite. Großes Kino. Fernsehmacher und Zuschauer lieben das, so ist Fußball, heißt es. Die Spiele entschädigten viele neutrale Fans für eine müde Saison.

Der amerikanische Geist: »Do or die«

Bei der Wiedereinführung der Relegation 2009 jubelte Dortmunds Hans-Joachim Watzke: »Das ist ein großes Spektakel zum Saisonende und sicher auch ein zusätzlicher Anreiz für TV-Sender.« Das trifft den Kern, die zusätzlichen Spiele sind vor allem: erzwungenes Spektakel.

Dabei schwingt der amerikanische Geist des »Do or die« mit, zwei Mannschaften werden so oft aufeinander losgelassen, bis einer weint. Es bleibt zu hoffen, dass in der Euphorie um die emotionalen Relegationsspiele dieser Tage mit ihren hohen TV-Quoten und dicken Einnahmen bei den Verantwortlichen nicht weitere Ideen blühen.

Im Eishockey gibt es nach einer langen Saison nicht nur die Play-off-Spiele, sondern gar die Pre-Play-offs. In diesem Jahr wurde eine Mannschaft Eishockeymeister, die die reguläre Saison auf dem neunten Platz beendet hatte. Der englische Fußball veranstaltet nicht nur ein pompöses Finale in Wembley um den Aufstieg in die Premier League, sondern sogar Halbfinalspiele.

Genug Drama auch an 34 Spieltagen

Vor dem Spiel am Sonntag forderten Fürther Fans: »Relegation abschaffen«. Bis 2009 berechtigte der dritte Platz in Liga zwei zum Aufstieg. Nicht nur in Fürth fragen sich Fans, warum einer Mannschaft nach einer langen Saison der Zutritt zur Bundesliga noch einmal erschwert wird.

Der Fußball tut gut daran, den sportlichen Stellenwert einer ganzen Spielrunde nicht durch weitere Ausscheidungspartien zu unterminieren. Drama gibt es an 34 Spieltagen in erster und zweiter Liga genug – auch wenn es nicht immer die beste Liga aller Zeiten ist.

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