Der römische Kaiser Nero, der sich wie Platini als Künstler verstand, erging sich in der Idee, abstruse Theatervorstellungen und sportliche Wettkämpfe beliebig aneinander zu reihen. Müssen wir uns demnächst auch Platini anschauen, wie er zwischen den Arenen und Gladiatoren umher wuselt und sich in vollkommener Entrücktheit auf der Harfe etwas vorträllert, während Europas Teams dreimal täglich gegeneinander antreten. Wenn sie im Mau-Mau noch einen zusätzlichen Startplatz bekommen, per Wildcard ihre zweite Mannschaft auf Nebenplätzen zu Zwischenrunden schicken und sich selbst der Tabellenachte aus Italien nicht gegen eine Teilnahme wehren kann?
Gibt es da draußen überhaupt noch jemanden, der Michel Platini zur Vernunft bringen kann? Es geht Platini ja nicht um eine Beteiligung der kleinen Vereine, sondern darum, dass die großen durch mehr Spiele mehr Gelder einstreichen. »Am Tag, an dem das Geschäft wichtiger ist als der Fußball, bin ich raus«, sagte er kürzlich dem »4-4-2-Magazin«. Der Tag ist gekommen und man vermisst die Wortmeldungen von Rudi Assauer. Und dessen lapidare Kommentare wie jenen: »Sollen sie doch weiter den fetten Gänsen den A...schmieren.« Frohe Weihnachten, Michel Platini.