21.10.2013

Rechte attackieren Duisburger Ultras

Drohungen und Schläge

Am Samstag attackierten rechte Schläger Duisburger Ultras. Der Konflikt schwelte schon lange und eskalierte wegen eines Transparents. Auch in anderen deutschen Stadien nimmt die Gefahr von rechts zu.

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Knapp ein Dutzend durchtrainierte, vermummte Männer rannten am vergangenen Samstag vor dem Duisburger Stadion auf eine Gruppe los und schlugen wild auf sie ein. Die Angreifer, so berichten es mehrere unbeteiligte Augenzeugen gegenüber 11FREUNDE, gehören der Gruppierung »Division« an, in deren Reihen sich Neonazis tummeln. Bei den Angegriffenen handelte es sich um die Ultra-Gruppe »Kohorte«, die sich gegen Homophobie, Rassismus und Diskriminierung positioniert. Der Gruppe gehören zu einem großen Teil auch Teenager im Alter zwischen 14 und 16 Jahren an.

Der Angriff dauerte etwa eine Minute, die Polizei ging mit Pfefferspray dazwischen. Einige der Ultras lagen danach auf dem Boden, hielten sich die geschwollenen Augen zu, einer musste gestützt werden. So berichten es Augenzeugen.

Michael Meier, der Sicherheitsbeauftragte des MSV, sagte wenig später der »Rheinischen Post«, dass er nicht glaube, dass die Auseinandersetzung »einfach etwas mit Rechts gegen Links zu tun« gehabt hätte. Seinen Informationen zufolge habe es »ein paar Backpfeifen« gegeben.  Der Sprecher der Polizei, Ramon van der Maat, erklärte gegenüber 11FREUNDE, dass an jenem Spieltag zwar neun Strafverfahren eingeleitet wurden, diese aber nicht mit der Hooligan-Attacke in Zusammenhang stünden: »Nach der Prügelei hat sich keiner als Verletzter zu erkennen gegeben.«

»Burgfrieden« oder »Maulkorb«

Fest steht aber: Es hat Verletzte gegeben. Und: Bei dem Vorfall vor dem Duisburger Stadion handelte es sich mitnichten um eine bloße Prügelei unter Fußballfans. Der Angriff hatte einen Hintergrund, es ist davon auszugehen, dass es dabei vor allem um Politik ging, aber auch um Einfluss in der Kurve.

Der Konflikt zwischen den beiden Lagern - die Ultras von »Kohorte« auf der einen, die »Division« auf der anderen Seite - schwelte schon länger. Am 13. September trafen sich verschiedene Fangruppierungen, darunter auch »Kohorte« und »Division«, in einem Lokal unweit des Stadions. Der Konflikt sollte beigelegt werden. Beteiligte hatten danach von einem »Burgfrieden« gesprochen. Von einer Vereinbarung ist die Rede, dass in nächster Zeit keine politischen Statements in der Kurve gezeigt werden und sämtliche Aktionen die Gruppierungen, dazu zählten auch »Forever« oder »Proud Generation«, untereinander absprechen sollten.

Mitglieder der Ultras hatten hingegen von einem »Maulkorb« gesprochen. Ein Beobachter nennt es »ein Zugeständnis in einer Bedrohungssituation«. In der Stellungnahme der »Kohorte« vom Sonntag ist die Rede von einem »Gespräch, in dem uns klar gemacht wurde, dass zur Verhinderung einer weiteren Eskalation jegliches Engagement gegen Rassismus unsererseits in Zukunft zu unterlassen ist«.

Die Gruppe habe sich »angesichts des deutlich einseitigen Kräfteverhältnisses« gefügt. Die »Division« soll im Kampfsport erprobte Mitglieder in ihren Reihen haben, die Ultras sind körperlich deutlich unterlegen. Bereits im Februar 2012 hatten Mitglieder der »Division« eine Kneipe gestürmt, in der MSV- und St.Pauli-Fans gemeinsam feierten.

 
 
 
 
 
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