Rebell wider die Gesundheit

Froschi, bester Mann

Einige knallbunte Charaktere hat sie geboren, diese Bundesliga; Kauze und Klopper waren dabei, Säufer und Raucher. Und Walter Frosch, kauzigster aller Klopper, der zu viel soff und noch mehr rauchte. Heute ist er schwerkrank.

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Spezial-Nr. 3

Ab sofort ist das neuen 11FREUNDE-Spezial »Rebellen – Die wütenden Männer des Fußballs« im Handel erhältlich. In den nächsten Wochen werden wir also immer wieder auf Fußball-Rebellen und solche, die zumindest als solche galten zurückblicken. Den Anfang macht Walter Frosch: Klopper und Rebell wider die Gesundheit.

Walter Frosch, schon der Name natürlich eine sensationelle Zumutung. Nichts weniger dieser hagere Mann mit dem riesigen Bürstenbart, der Schornsteinfeger im Abwehrzentrum, der Gegners Angreifer wie den eigenen Trainer gleichermaßen das Fürchten lehrt.

In Kaiserslautern geht es los, 1974, und Erich Ribbeck hat die Zeichen der Zeit schnell erkannt. »Der Frosch«, sagt der feine Sir, »der versaut mir die jungen Spieler«.

So und nicht anders. Mit Toppi, Melzer, Hellström und Co. zieht Froschi um die Lauterer Häuser, Ehrensache auch mal in der Nacht vor dem nächsten Spiel. Sprintet in den frühen Morgenstunden noch um ein Fass Bier um die Wette, gewinnt, und steht ein paar Stündchen später, als wär nichts gewesen, auf dem Platz. »Was ist mit den roten Augen?«, fragt der Coach. »Bindehautentzündung!«, entgegnet listig der Frosch. Dann dem Gegenspieler gleich zu Beginn ein paar auf die Socken, da brennt nix mehr an, und am Ende heißt es wieder einmal: Froschi bester Mann!

Nicht zu glauben, aber auch nicht erfunden

Froschi, der König der 70er, er säuft wie ein Loch, qualmt wie ein Schlot und liebt das Leben, den Fußball und seine Vereine. In Lautern hält es ihn dennoch nur zwei Jahre, dann muss er gehen, angeblich weil er angekündigt hat, Ribbecks Frau dann auch mal bald flachlegen zu wollen - wieder so eine Froschi-Story, nicht zu glauben, aber deswegen noch lange nicht erfunden. Also ab zu St. Pauli, wohin auch sonst, Frosch weiter eisenhart, 19 Gelbe Karten gleich in der ersten Saison - beeindruckt von dieser Höchstleistung führt der DFB die automatische Sperre ein. Frosch macht Geschichte.

Sein Leben, eine Schussfahrt an zwinkernder Selbstüberschätzung. So lässt den Helden der Grätsche auch eine Einladung in die deutsche B-Elf kalt. Typischer Spruch: »Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Nationalmannschaft oder in der Weltauswahl.« Stattdessen schafft er es in St. Paulis Jahrhundertelf. Das ist unvergänglicher Ruhm, Froschis Ding. In Hamburg wird der Ludwigshafener sesshaft, leitet beim SC Victoria die Vereinskneipe, was auch sonst. Dann kommt der Krebs, doch auch den haut Froschi, dieser zähe Knochen, erst mal über die Bande.

Noch Jahrzehnte nach Karriereende kickt er mit anderen Legenden, für den guten Zweck, die Zichtenschachtel im Stutzen, immer einen Spruch auf den Lippen.



Frosch ist Kult, auch weil er bis zur Selbstzerstörung loyal gewesen ist, zu sich und den seinen. Einmal während seiner Lauterer Zeit, berichten Mitspieler, regt er sich in der Kneipe, wo sonst, über einen Pöbler auf und droht dem Zwei-Meter-Riesen Schläge an, wenn der auch nur »noch ein dummes Wort über den FCK« sagt. Am nächsten Tag: grün und blau gehauener Frosch beim Training. Die Mannschaft feixt, der Trainer seufzt. Froschi mal wieder bester Mann.

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