Real Madrid zu Gast in Dortmund

Aliens in der Provinz

Während englische Top-Klubs sparen, wagt Real Madrid einen Kaufrausch, der schon einmal desaströs endete. Der Klub der »Galaktischen« gastiert nun mit all seinen Superstars zum Jubiläums-Spiel bei Borussia Dortmund. Real Madrid zu Gast in DortmundImago Sie sind da. Real Madrid ist nach Dortmund gekommen. Die Königlichen gratulieren dem BVB zum 100. Geburtstag. Und 75.000 Zuschauer wollen dabei sein, wenn die spanischen Superstars mit dem Ball tanzen. Für die Borussia ist es ein Festtag, für die zweite Generation der Galaktischen ist es eher ein willkommener Härtestest (20.15 Uhr/Sat.1) vor dem Saisonstart am 30. August gegen Deportivo La Coruna.

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Triumph oder Tragödie?

»Galatico reloaded«, würde der Filmtitel vermutlich lauten, wenn man die aktuelle Klubgeschichte der Madrilenen im Kino erzählen wollte. Es geht mal wieder um die Frage, wohin Größenwahn führen kann. Zu Triumph oder Tragödie? Dazwischen gibt es nichts für den Real-Präsidenten Florentino Perez, der um die 217 Millionen Euro für die neuen Fußball-Stars hingeblättert haben soll.

Und dieser Kaufrausch ist tatsächlich nichts anderes als die Neuauflage eines Projekts, das bereits im ersten Anlauf kläglich scheiterte. Ab 2000 hatte der milliardenschwere Unternehmer einen Figo, einen Zidane, einen Beckham einen Ronaldo oder einen Owen gekauft. Bis 2006 wurde überirdisch viel Geld investiert, doch die Ausbeute blieb desaströs: zwei Meisterschaften, ein Champions-League-Sieg und eine halbe Milliarde Euro Schulden.

Filetstück verkauft

Um diese Summe zu tilgen, musste Real sein Trainingsgelände verkaufen, ein Filetstück der Stadt, auf dem heute vier hohe Türme stehen, die Madrids Sykline dominieren. Florentino Perez, so ätzte unlängst ein Journalist einer in Barcelona erscheinenden Zeitung, sei das einzige Lebewesen, das zweimal über denselben Stein stolpert. Eine Behauptung, in der viel Wunschdenken steckt.

Aber nicht nur in Barcelona, nein, wohl in ganz Europa hoffen Klubverantwortliche auf ein böses Erwachen für Real. Denn wer 94 Millionen für einen Cristiano Ronaldo, 65 Millionen für einen Kaka und 35 Millionen für einen Karim Benzema zusammen kratzt, sprengt den Markt und schafft sich Feinde. Gerade in einer Zeit, die deutliche Anzeichen für eine Trendwende liefert. So ist in England nichts mehr so wie es einmal war. Dort, auf der Insel, wo das Pfund wucherte, ist die große Sparsamkeit ausgebrochen. »Ohne das Neureichen-Gehabe von Manchester City«, lästerte jetzt die Zeitung »Guardian«, »hätte der englische Fußball nur eine Statistenrolle auf dem Transfermarkt.«

Mehr noch: Die vier großen Klubs, Manchester United, FC Liverpool, FC Chelsea und Arsenal London, die seit Jahren in der Champions League auftrumpfen und alle nationalen Titel abräumen, haben in diesem Sommer bislang mehr erlöst als ausgegeben: Angeblich über 60 Millionen Euro, die beispielsweise dazu dienen könnten, eine horrende Schuldenlast abzutragen. Insgesamt 2,5 Milliarden Euro sollen die vier Topklubs an Verbindlichkeiten angehäuft haben, auf 3,5 Milliarden soll sich die entsprechende Summe für alle Premier-League-Klubs türmen.

Dass da der finanzielle Spielraum immer enger wird, erst recht, angesichts des Pfundverfalls und der geplanten Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 40 auf 50 Prozent, könnte zu einer lange vermissten Spannung führen. Zerbröselt die Dominanz der großen Vier? Jubelt am Ende der Scheich? Jawohl, auch England hat seinen Florentino Perez. Er heißt Mansour bin Zayed Al Nahyan, ist Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, und er hat sich fest vorgenommen, die Premier League tüchtig aufzumischen. Auf den Dollar muss er nicht gucken. Das familiäre Privatvermögen wird auf eine Billion Dollar taxiert.

Da fallen die gut 110 Millioen Euro, die bislang für Roque Santa Cruz, Carlos Tevez, Emmanuel Adebayor, Kolo Touré und Gareth Barry locker gemacht wurden, kaum auf im eigenen Kassenschrank. Das englische Real. Weitere Transfers sind bis Ende August, dem Ende der Transferperiode, alles andere als ausgeschlossen. Eine erste Rendite warf der Kaufrausch immerhin schon ab. Mit 2:0 siegten die Citizens im ersten Saisonspiel bei den Blackburn Rovers.

In Spanien fiebert man derweil noch dem Start in die neue Spielzeit entgegen. Bislang konnte Real gegen den FC Barcelona, den Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner, nur einen kleinen Erfolg feiern: Die Medienpräsenz ist galaktisch.

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