Raus aus dem Irrenhaus

Die Bundesliga in den Blogs (26)

Armin Veh hat das geschafft, was Louis van Gaal und Felix Magath (noch) nicht vergönnt ist: Er kann jetzt die Beine hochlegen und den ganzen Irrsinn im TV anschauen. Was die Blogger darüber geschrieben haben – hier steht's. Raus aus dem Irrenhaus

Hamburger Chaostage

Mit einem Tag Abstand arbeitet Matz ab! noch einmal die deutliche Kritik von Frank Rost an der Vereinsführung auf. »Ich bewundere Frank Rost für seine Offenheit, da kann man mich ruhig von verschiedener Seite zum Teufel wünschen. Endlich spricht einer einmal Klartext, spricht das aus, was es schon seit Wochen, ja seit Monaten hinter vorgehaltener Hand zu hören gab.« Aber die Reaktion von Sportchef Bastian Reinhardt, der Rost vorwarf, den HSV »immer wieder zu beschädigen«, dürften die Tage des Torwarts in Hamburg wohl gezählt sein: »Nimmt man die Fans, die heute im Volkspark anwesend waren, als Maßstab, so wird allseits mit einer Entlassung von Frank Rost gerechnet.« Nachzulesen gibt es in dem Beitrag auch noch einmal Rosts Aussagen im Wortlaut.

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Ned Fuller sieht vor allem den Zeitpunkt von Rosts öffentlicher Positionierung deutlich kritischer: »Ja, er sagt, was im Verein nicht stimmt. Aber ich muß mich doch Fragen, warum er es erst jetzt sagt. Hätte er am Anfang der Saison auf den wankenden Riesen hingewiesen, auf die Situation um Jaroslav Drobny aufmerksam gemacht. Aber das wollte er wohl nicht. Er wollte spielen. Er sagt viele richtige Dinge, der Zeitpunkt ist aber meiner Meinung nach sehr berechnend ausgewählt. Er weiß, daß er wohl in der neuen Saison keine Rolle mehr spielen willt, also kann er es sich jetzt ja leisten.«

Im Pleitegeiger-Blog wird dann auch noch einmal auf die andere Personalie des Wochenendes hingewiesen: »Bei dem ganzen Chaos ist es kaum mehr als eine Randnotiz, dass Veh entlassen wurde - es war ja zu erwarten. Und vermutlich ist er nicht ganz undankbar, dem Irrenhaus zu entkommen. Jetzt übernimmt Oenning bis zum Saisonende. Der Arme – die Umstände könnten einfacher sein.«

Bayern siegt und streitet

Während es am 6:0-Sieg gegen den HSV aus Sicht der Münchner wenig zu mäkeln gab, erregten andere Geschehnisse während des Spiels die Gemüter der Blogger. Was passierte: Die »Schickeria«-Ultras ohne Karten für den Stehplatzbereich wurden aus ihrem Block ausgesperrt, woraufhin sie in Richtung Ehrentribüne zogen und ein bisschen Radau machten. Der Baziblogger hat die detaillierte Überlieferung der Ereignisse und kommentiert diese auch: »Die dort vorgeführten und größtenteils hochgradig peinlichen Parolen gegen Vorstand und natürlich Manuel Neuer waren deutlich zu hören. Auch «wir sind die Fans, die ihr nicht wollt” wurde gesungen. Auf solche Fans wird ganz bestimmt nicht jeder gesteigerten Wert legen. Mein Bild von dieser Gemeinschaft bestätigte sich. Anstatt die Mannschaft zu unterstützen, waren sie eher auf sich selbst und ihre zweifelhafte Meinungsmache konzentriert.« Auch Fernglas FCB übt Kritik: »Es ging vorher ohne Ultras - es wird auch wieder ohne Ultras gehen. Jahrzehnte lang hat die Stimmung in den Stadien dieses Landes auch ohne monotone Dauergesänge von Ultra-Gruppierungen ganz gut hingehauen. Und wer zum Teufel hat diesen Herren denn eigentlich den Floh ins Ohr gesetzt, sie hätten das Recht sich über den normalen Fan zu erheben?«

Adler Sturzflug

»Was war das Tor auf Schalke wert?«, fragt der Frankfurter Adlerblog. »In Anbetracht der Niederlage erstmal nichts. Hinsichtlich der erschreckenden Spielweise wohl auch wirklich nicht viel. Spielerische Impulse, Licht am Ende des Tunnels – Fehlanzeige.« Rotundschwarz berichtet über seine seltsam gleichmütige Gemütslage vor dem Spiel – und über die zwei Meinungen direkt nach dem Abpfiff: »›Also, so wie das gelaufen ist, hätten wir den einen Punkt eigentlich auch mitnehmen müssen...‹ Sage ich. ›Eigentlich hätten wir vor dem Ausgleich schon drei null hinten liegen müssen...‹ Sagt mein Mit-Adler. Und wir haben beide recht und sind froh, dass wir dieses Spiel hinter uns haben und dass es jetzt, endlich, ernst wird mit dem Kampf gegen den Abstieg. Verdammte Axt, nur noch zwei Punkte bis zum Relegationsplatz. Aber jetzt. Rumms. Ruck. Wir werden das schaffen. Wir alle. Gegen Pauli. Eintracht. Eintracht.« Doch zwei Stunden später: »Vorbei ist es mit der Fassung. Vorbei mit dem kämpferischen Ausblick. Habe Interviews und Statements gehört. Im Netz nachgelesen. Schwarz auf Weiß. Weiß jetzt, was sich bei der Eintracht ändern wird: Nichts. Bin konsterniert. Müd. Weh.« an | di | ary schließlich »fehlen die Worte. Und wenn die gestern alles versucht haben, dann Gute Nacht Eintracht. Und der Amanatidis … Wichtig is aufm Platz - und nicht vorm Mikrofon.«

Und sonst so?

»Ausgerechnet Charisteas«, titelt der Schalkefan nach dem Siegtreffer des vielfach verlachten Winter-Transfers. »Andersherum gesehen war das, was da auf dem Rasen passierte, vielleicht auch nur das perfekte Abbild von dem, was rund um das Berger Feld gerade geschieht. Direkt gefragt: Warum sollte ausgerechnet das Fußballspiel auf Schalke derzeit normalen Gesetzen gehorchen?«

»Borussia Dortmund erleidet in Sinsheim die dritte Saisonniederlage und zeigt dabei, dass nichts Überirdisches an unserer Mannschaft ist«, schreibt Any Given Weekend. Kein Grund, die gewohnte Gelassenheit aufzugeben. »Ich bin ein Fan des ›bigger pictures‹ und sehe bekanntlich das verbreitete Kurzzeitgedächtnis der Fußball-Szene kritisch. So wenig wir schon Meister sind, so wenig bedeutet der auf eine einstellige Punktezahl geschrumpfte Vorsprung etwas Signifikantes. Der BVB hat nun zwei Heimspiele hintereinander.« BVBoisseree bemüht den »Satz mit X«, um die Niederlage zu erklären: »Nie wirklich ins Spiel gekommen, in den falschen Situationen zu verspielt, verschwenderisch mit den Torchancen und nach dem Ausfall von Manni leider auch seit langer Zeit wieder Hinten unsicherer, das Gegentor stand dann systematisch für das gesamte Spiel: Ein Zufallsprodukt das von dummen, ungewohnten Fehlern in der Defensive profitierte.«

Santa Pauli setzt die bittere Niederlage gegen Stuttgart ins Verhältnis: »Wissen Sie, die Welt geht nicht unter, wenn wir absteigen. Die Welt geht unter, wenn ein Tsunami über Ihren Kopf rollt oder ein AKW in die Luft fliegt. Oder wenn Ihnen ein Auto auf den Kopf fällt, während Sie vor einer Bäckerei auf dem Bürgersteig stehen. Oder mit einem Sportkollegen zusammenstoßen und ohnmächtig auf dem Spielfeld liegen und man befürchtet, Sie haben sich die Wirbelsäule gebrochen. Aber nicht, wenn ein Traditionszweitligaverein, der sich durch eine tolle Aufstiegssaison in die erste Liga gespielt hat, wieder absteigt.«

»Der 40. Punkt im Stile einer Spitzenmannschaft«, freut sich der Glubb-Blog über den Nürnberger Sieg in Wolfsburg. Um gleich zu relativieren: »Natürlich ist das scherzhaft gemeint! Denn der Glubb kann heute wirklich von Glück reden!« Wie das alles kam? »Die Nachspielzeit: Dieter Hecking wechselt Per Nilsson ein um das Ergebnis zu halten, doch der köpft eine Ekici-Ecke (toller Begriff) ins lange Eck! Tor! 2:1! Sieg! Wenn Du oben stehst, dann läuft es – stehst Du unten, so wie die Wölfe, dann geht vieles schief! Wir in Nürnberg wissen wovon wir reden!«

Trotz der »kalten Dusche« in der letzten Minute durch Dante, »überwiegt die positive Entwicklung«, wie Meine Saison mit dem SVW meint. »Die neue Stabilität im Mittelfeld macht Hoffnung, dass auch in Nürnberg etwas drin ist. Einen Grund etwas an der Startaufstellung zu verändern gibt es nach dem Spiel gestern nicht. Werder und Schaaf scheinen endlich eine Grundformation für das letzte Saisondrittel gefunden zu haben. Allein das ist schon viel wert.«

Köln besiegt den Bayern-Besieger Hannover mit 4:0. Die örtliche Samba-Combo vergleicht den schweigsamen Coach Frank Schaefer mit dem guten alten Männlein im Walde. »Frank Schaefer sagt nur das, was gesagt werden muss. Und damit erreicht er seine Spieler, wie man gestern wieder eindrucksvoll bewundern durfte. 4-0 gegen Hannover, dem Tabellendritten nach dem 25.Spieltag! Wie sollten wirklich aufpassen, dass die Bayern uns diesen TOPTRAINER nicht weg schnappen…!«

Das 11FREUNDE-Fazit:

Was haben wir ihn verspottet, den Engel Griechenlands. Seine einst mächtigen Schwingen seien verkümmert, der Schrecken, den er bei Franzosen und Portugiesen damals auslöste, fahre heute nun wirklich keinem Abwehrspieler mehr in die Glieder. Und dann kommt »Charry« ins Spiel, läuft sich frei, schiebt zum Siegtreffer ein – und wir müssen uns mal wieder verbeugen vor diesem undurchdringlichen Geheimrat auf der Schalker Bank. Wird ihm wohl nichts nützen, aber er kann wohl nun noch leichter behaupten, dass er es doch immer alles irgendwie besser gewusst hat als der gemeine Außenstehende. Und dabei gar nicht mal so erfolglos war. Für die Zukunft viel Glück, Felix.

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