Raúls Berater kritisiert Schalke

Seltsame Verwirrung

Raúl war Schalkes Liebling der vergangenen Saison, doch nun steht die sicher geglaubte Vertragsverlängerung auf der Kippe. Von der falschen Position, einem Zerwürfnis mit dem Trainer und zickigem Schweigen war die Rede. Sein Berater übte indes Kritik am FC Schalke. Raúls Berater kritisiert Schalke

Der Mann ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was er sagt, wie und vor allem wann. Ginés Carvajal galt jahrelang als einflussreichster Berater im spanischen Fußball, nachdem er in den neunziger Jahren eine Reihe der Topstars unter Vertrag genommen hatte wie Iker Casillas, Fernando Morientes oder eben Raúl. 

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Um die Zukunft Raúls ist in den letzten Wochen eine Debatte losgetreten worden. Von einem Zerwürfnis mit Trainer Ralf Rangnick war die Rede, der Stürmer solle nicht mehr in das Konzept passen, mit Ciprian Marica wurde ein neuer Angreifer verpflichtet. Raúls Vertrag läuft bis 2012, nach der überzeugenden letzten Saison schien eine Vertragsverlängerung nur noch Formsache. Doch die steht jetzt auf der Kippe. Spätestens nachdem Schalkes Manager Horst Heldt  in der letzten Woche in der »Sport-Bild« gesagt hatte: »In Sachen Raúl müssen wir uns entscheiden, was sportlich und finanziell das Bestmögliche für den Verein ist.« Das klang, als wäre es der Verein, der erst einmal die weitere Entwicklung abwarten wollte.  

»Der Klub verwirrt seine Fans«


Daraufhin äußerte sich Carvajal, der Mann mit dem kahlen Schädel, den sie in seiner Heimat in Anlehnung an den von Tom Cruise gespielten Sportmanager »den spanischen Jerry Maguire« nannten. Er sprach für seinen schweigenden Schützling Raúl. »Da werden sehr seltsame Informationen herausgegeben über seine Vertragsverlängerung“, sagte Carvajal der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Und die Kritik am Vorgehen der Schalker wurde noch etwas schärfer: »Der Klub verwirrt seine Fans und die ganze Welt mit diesen Informationen.«

Schließlich habe er sich schon zwei Mal, und zwar schon Anfang April, mit dem Verein zusammengesetzt und über eine Vertragsverlängerung gesprochen. »Es war Raúl, der klar gesagt hat, dass man mit der Verlängerung warten sollte.« Aus »Höflichkeit und Ritterlichkeit«, wie Carvajal es blumig ausdrückte. In Spanien, wo viele auf eine Rückkehr Raúls hoffen, wurden die Aussagen in den großen Sportzeitungen wie der »Marca« übernommen.  

Jede Geste wird interpretiert


In einem Gespräch mit der »Süddeutschen Zeitung« nur kurze Zeit später hörte sich Carvajal schon anders an. Es gebe »überhaupt kein Problem« und: »Horst sagt im Kern das Gleiche wie wir.« Doch die Diskussion um den spanischen Starstürmer ist in vollem Gange. Jede Geste Raúls, sei es beim Posieren für Fanfotos, wird interpretiert und gedeutet. Seine ohne Frage schlechte Leistung in Stuttgart wurde ihm von einigen Medien als »Zickigkeit« ausgelegt.

Raúl kennt diese Vorgänge, er schützt sich, indem er seinen Kontakt mit den Medien auf das Minimalste reduziert. »Das ist nicht ungewöhnlich“, sagt Miguel Senovilla von der Zeitung »Marca«. »Schon in Spanien hat er sich nur auf Pressekonferenzen geäußert, er war sehr medienscheu.« Senovilla glaubt gar, dass dies Raúl die Auszeichnung zum »Weltfußballer«gekostet habe.  

Auf Schalke würden sie sich hingegen gerne ein klärendes Wort wünschen. Aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten soll er seine Wahl in den Mannschaftsrat abgelehnt haben, ein Treffen mit den Verantwortlichen vom FC Malaga dementierte sein Berater – Raúl selbst äußerte sich ebenso wenig dazu wie zur Diskussion um seine Position.

Die Konzept-Frage

Es war von einer Strafversetzung ins Mittelfeld die Rede, dabei zog sich Raúl bereits unter Felix Magath als hängende Spitze mitunter weit in die eigene Hälfte zurück. Das Forechecking, das Trainer Ralf Rangnick nun vorschwebt, kommt dem lauffreudigen Raúl eigentlich entgegen, wurde er beim frühen Attackieren im letzten Jahr doch von seinen Mitspielern ziemlich allein gelassen. Die meisten seiner Treffer erzielte er mit einem einzelnen Kontakt, er gilt als Stürmer, der Situationen antizipiert und bei scharfen Hereingaben in den Torraum den entscheidenden Schritt voraus ist. 

Was ihm fehlt, sind die passenden Zuspiele aus dem Mittelfeld – Schalkes eigentlicher Problemzone. Solange das Schalker Spiel in die Spitze hakt, wird Raúl weiter einen hohen läuferischen Aufwand betreiben müssen. Er wird sich im Laufe der Saison fragen, ob er sich das noch weiter antut und Schalke sich fragen, ob sie sich Raúls fürstliches Jahressalär noch weiter leisten können. Bis dahin wird die Verantwortlichen ein »Raúl-Problem« begleiten, das eigentlich keines ist.

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