02.03.2013

Rassismus-Problem bei israelischem Klub

Wo der Hass mitspielt

Seite 2/3: »Ultras missbrauchen Beitar für ihre Ideologie«
Text:
Theresa Breuer
Bild:
Imago

Wenige Tage vor dem Spiel sitzt der Vereinsvorsitzende Itzik Kornfein in den Räumen von Beitar Jerusalem und grübelt darüber nach, wie er mit den Fans umgehen soll. Es ist ein schmuckloses Gebäude neben dem Trainingsplatz. In Kornfeins Büro steht ein großer dunkler Schreibtisch, an der Wand hängt ein Bild der aktuellen Mannschaft. Kornfeins breite Schultern deuten auf seine eigene Fußballkarriere hin, er hat lange als Torwart für Beitar gespielt.

Auch Vorstandsmitglied Israel Goldschmidt, gleichzeitig Sprecher des Klubchefs Arkady Gaydamak, ist gekommen. Goldschmidt sagt, es habe viele Missverständnisse gegeben. Kornfein versucht, das Phänomen der antiarabischen Ultras so zu erklären: „Es gibt viele frustrierte junge Männer in Israel, sie missbrauchen Beitar für ihre Ideologie.“

20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft, insgesamt 1,5 Millionen Menschen. Die Spannungen zwischen Arabern und Juden sind allgegenwärtig – aber nirgendwo so spürbar wie in Jerusalem, wo die beiden Völker auf engstem Raum nebeneinanderleben. Bei den Beitar-Fans kommt hinzu, dass die meisten von ihnen Juden orientalischer Herkunft sind, oft ungebildet und Teil der Unterschicht Israels.

Beim ersten Training mit den tschetschenischen Spielern Zaur Sadayev, 23, und Gabriel Kadiev, 19, haben rund 150 von ihnen vor dem Übungsplatz protestiert und die Neuzugänge beschimpft. „Natürlich waren die neuen Spieler schockiert, wie viel Hass ihnen entgegen- schlägt. Aber wir versuchen, sie so gut es geht, zu unterstützen“, sagt Kornfein. „Wir wollen ihnen zeigen, dass diese Fans in der Minderheit sind und dass es noch ein anderes Israel gibt.“
Sie mögen eine Minderheit sein, doch die Facebook-Seite von La Familia hat immerhin über 4500 Fans. Auf Youtube finden sich Videos, in denen schon kleine Kinder im schwarz-gelben Trikot von Beitar Arabern den Tod wünschen. Nach einem Spiel im März 2012 hatte ein Mob von Beitar-Fans arabisch-stämmige Anhänger eines gegnerischen Teams in einem Einkaufszentrum neben dem Teddy-Stadion angegriffen – es kam zu einer Massenschlägerei.

In der Nacht nach dem Gespräch mit Itzik Kornfein verüben Unbekannte einen Brandanschlag auf die Vereinsräume von Beitar. Verletzt wird niemand, doch einige Büros und Trophäen werden zerstört. Sogar die Politik schaltete sich daraufhin ein: Ministerpräsident Netanjahu verurteilt den Anschlag als unwürdig und rassistisch. Zwar distanziert sich La Familia auf Facebook umgehend von der Tat, inzwischen wurden jedoch einige Männer aus dem La-Familia-Umkreis festgenommen.

 
 
 
 
 
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