Rapid-Wien-Fans vs. Helmut Schulte: Was ist bloß passiert?

Ohne Welpenschutz

Auf St. Pauli und Schalke beliebt, in Wien beschimpft: Nach nur viereinhalb Monaten im Amt fordern Fans von Rapid den Rausschmiss von Sportdirektor Helmut Schulte. Was ist da bloß passiert? Der Versuch einer Erklärung.

Marco Tripmaker

Helmut Schulte kommt im leichten, anthrazitfarbenen Sakko aus dem Ernst-Happel-Stadion. Grüßt auf dem Weg den Greenkeeper – »solche Rasenmäher hatten wir auf Schalke auch« – und steuert auf die Bierzeltgarnitur zu. Es ist einer der ersten warmen Frühlingstage in Wien nach einem langen und ungewöhnlich harten Winter. »Das ging hier locker bis minus 15 Grad runter«, sagt Helmut Schulte und macht es sich mit seinen zwei Metern so gut es geht auf der Holzbank bequem.

Seine Situation beim österreichischen Traditionsklub Rapid Wien ist derzeit alles andere als komfortabel. Beim letzten Heimspiel am vergangen Sonnabend gegen Wiener Neustadt forderten Fans in einer Demonstration den Rauswurf von Vorstand, Trainer und Sportdirektor Schulte. »So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das war eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Aber man lernt ja jeden Tag hinzu«, sagt der 55-Jährige, der im Mai 2012 nach einer Posse rund um Trainer André Schubert beim FC St. Pauli ziemlich unhanseatisch vom Hof gejagt wurde.

Am 19. Dezember 2012 gab Rapid Wien, Rekordmeister und populärster Klub Österreichs, die Verpflichtung von Helmut Schulte bekannt. Man habe sich bewusst für einen Sportdirektor entschieden, »der weit über die Grenzen hinaus populär ist«, sagte damals Präsident Rudolf Edlinger bei der Vorstellung im legendären Hanappi-Stadion im Wiener Stadtteil Hütteldorf. Und nun die massiven Proteste beim Spiel gegen Wiener Neustadt. Rund 3000 Fans, vornehmlich zur Ultra-Gruppierung zählend, zogen in einer Demonstration vom Bahnhof zum Stadion. »Es war die erste Aktion dieser Art in der Geschichte unseres Vereins«, sagt Rapids Pressesprecher Peter Klinglmüller. Man müsse die ganze Sache sehr ernst nehmen.

Die Fans skandieren: »Schulte zurück an die Waterkant!«

Die Fans kritisieren jahrelange Misswirtschaft im Klub, die ungeklärte Zukunft des maroden Hanappi, unsolides Wirtschaften der Vereinsführung und Perspektivlosigkeit. Eine ganze Halbzeit verbrachten die Ultras laut aber friedlich vor dem Stadion, erst wenige Minuten nach Anpfiff der zweiten Hälfte verlegten sie ihre Aktion in die Arena. Dort rollten sie ein Plakat aus, das Helmut Schulte nicht gern gesehen haben dürfte: »Wir tragen Rapid im Herzen, das ist bekannt. Schulte zurück an die Waterkant.« Dazu immer wieder »Schulte raus!«-Rufe, trotz eines 2:0-Pflichtsieges gegen den Abstiegskandidaten.

Auch wenn Helmut Schulte im Nachhinein sagt, er habe die Rufe im Stadion gar nicht wahrgenommen: Die Aktion hat ihn getroffen, zumal er bei seinen vorherigen Stationen als Trainer und Manager beim FC St. Pauli sowie als Nachwuchskoordinator von Schalke 04 als Mann des Volkes galt und bei den Fans äußerst beliebt war. Doch was muss dieser Mann in viereinhalb Monaten verbrochen haben, um so eine Aktion auszulösen? Zwar hatte Rapid vor dem Sieg gegen Wiener Neustadt neun Spiele nicht gewinnen können, ist aber immerhin noch Dritter und kann sich für Europa qualifizieren. »Es war wirklich nur diese eine Sache«, sagt Schulte, während im Imbiss nebenan die österreichische Bratwurstspezialität Käsenkrainer angeliefert wird. Die Sache?

Als die Vereinsführung Wind von den Fanprostesten nach neun Spielen ohne Sieg bekam, sagte Schulte einer örtlichen Zeitung: »Die Fans, die Rapid, im Herzen tragen, werden die Mannschaft auch im Stadion anfeuern.« Man kann ihm ankreiden, dass diese Äußerung etwas ungeschickt war, doch bösartig und anmaßend war sie nicht gemeint, bekräftigt Schulte: »Ich wollte nur ausdrücken, dass das Team in dieser Situation jede Unterstützung braucht.«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!