07.12.2012

Ramon Diaz' dritte Amtszeit bei River Plate

Pizza mit Champagner

Sein Name verzückt alle Fans von River Plate: Ramon Diaz. Kein anderer Trainer hat mit den »Millionarios« mehr Titel gewonnen als er. Nun nimmt Diaz bereits zum dritten Mal auf der Bank des argentinischen Rekordmeisters Platz. Geholt hat ihn ausgerechnet ein Mann, dem er über Jahrzehnte in inniger Abneigung verbunden gewesen war. 

Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Zehn Jahre hatte er auf diesen Moment gewartet. Die eigentlichen Protagonisten dieses Nachmittags weilten noch in den Kabinen, da schritt Ramon Diaz über den Rasen der Spielstätte von River Plate. Der Stadionsprecher brüllte passend dazu aus voller Kehle: »Meine Damen und Herren, begrüßen Sie den erfolgreichsten Trainer in der Geschichte unseres Klubs!« Die Zuschauer auf den Rängen des Estadio Monumental in Buenos Aires gerieten aus dem Häuschen und skandierten lautstark: »Ramon, Ramon!«
 
Es war ein Auftritt, wie ihn Ramon Diaz liebt. Bescheidenheit ist nicht seine Sache. Obwohl er beim Heimspiel seiner zukünftigen Mannschaft gegen Lanús noch von Interimscoach Gustavo »Chapa« Zapata an der Seitenlinie vertreten wurde, genoss Diaz seine medienwirksame Rückkehr auf die Bühne, auf der er zur Legende geworden war.

»An deiner Stelle hätte ich mich schon viel früher angerufen«
 
Bereits einige Tage zuvor bei seiner Vorstellung als Nachfolger von Matías Almeyda hatte Ramon Diaz augenzwinkernd in Richtung River-Präsident Daniel Passarella gesagt: »An deiner Stelle hätte ich mich schon viel früher angerufen.« Alle lachten. Ein kleiner Scherz, der jedoch viel über den Mann verrät, der nun bereits zum dritten Mal in seiner Karriere auf der Trainerbank des argentinischen Fußball-Rekordmeisters River Plate Platz nehmen wird.
 
Unter Diaz eilte der Traditionsklub in den 1990er Jahren von Erfolg zu Erfolg. In seiner ersten Amtszeit zwischen 1995 und 1999 führte er River zu vier nationalen Titeln und holte zudem die Copa Libertadores (1996), die südamerikanische Ausgabe der Champions League, sowie die Supercopa Sudamericana (1997). Damals trugen so klanghafte Namen wie Ariel Ortega, Hernán Crespo, Juan Pablo Sorín oder der Chilene Marcelo Salas das weiße Trikot mit dem roten Streifen über der Brust. Bei seinem ersten Comeback reichte es 2002 immerhin noch zum Gewinn der Clausura.

Die Erwartungen an den Heimkehrer könnten größer kaum sein. Die Triumphe der Vergangenheit sind der Maßstab, an dem Diaz sich künftig messen lassen muss. Er soll den Verein, der im vergangenen Jahr erstmals aus Argentiniens Eliteliga abgestiegen war, wieder dorthin führen, wo er dem Selbstverständnis der Anhänger nach hingehört: an die Spitze. Diaz weiß das. »Wir wollen um die Meisterschaft mitspielen«, kündigte er denn auch forsch an.
 
Doch nicht nur den Erfolg, sondern auch das schöne Spiel will Diaz zurückbringen. »River hat noch nie einen Titel gewonnen, ohne dabei guten Fußball gezeigt zu haben«, sagte Diaz auch in versteckter Anspielung auf seine eigene glorreiche Vergangenheit. Der geschasste Almeyda war an dieser Aufgabe gescheitert.
 
Zwar gelang dem ehemaligen River-Profi bei seiner ersten Trainerstation der direkte Wiederaufstieg. Sein Team war allerdings alles andere als souverän durch die Niederungen der zweiten Liga zurück ins Oberhaus marschiert. Dort angekommen, konnte die Mannschaft ebenfalls selten überzeugen. Der bei den Fans dennoch ob seiner bodenständigen Art äußerst beliebte Almeyda versuchte alles. Doch sowohl bei der Aufstellung als auch bei der Taktik hatte er schließlich alle Optionen ausgereizt.

Tief sitzt immer noch der Schock des Abstiegs
 
Die Bilanz von 23 Zählern aus 17 Partien war den Kluboberen um Präsident Passarella zu dürftig. Zu tief sitzt immer noch der Schock des Abstiegs, der im Juni 2011 den sportlichen Tiefpunkt in der stolzen 111-jähirgen Klubgeschichte markiert hatte. Um nicht erneut in Gefahr zu geratenen, hatte man zum Jahresende mit einer üppigeren Punktausbeute gerechnet, um der zweiten Saisonhälfte sorgenfreier entgegenblicken zu können.

Aufgrund des komplizierten Durchschnittsystems, den so genannten »Promedios«, nach dem in Argentinien die Absteiger ermittelt werden, stehen besonders die Aufsteiger unter Druck, im ersten Jahr kräftig punkten zu müssen. Ein längerer Durchhänger lässt sich bei diesem Modell, dem die Ergebnisse aus zwei Jahren geteilt durch die Anzahl der Partien zu Grunde gelegt werden, nur schwer wieder korrigieren. 

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