10.05.2013

Rabatt und Exzess: Wie lange ist der Fußball noch bezahlbar?

Tunnel am Ende des Lichts

Seite 2/3: Fußball als Volks- und Kulturgut
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Längst rumort es im Revier. Bei Facebook prangern Gruppen wie »Chic auf Schalke? Gegen die ›moderate‹ Anpassung der Eintrittspreise« die Entscheider als Abzocker an. Das Vorgehen mache deutlich, wie man »die Imagepflege als Kumpel- und Malocherclub dazu benutzt, um möglichst viel aus den Fans herauszuholen. Hier wird die Treue zum Verein nicht belohnt, sondern schamlos ausgenutzt, um eine Gewinnmaximierung voranzutreiben«, heißt es in einem Brief. Der Preisanstieg fällt auf Schalke auch deshalb so drastisch aus, weil die Arena 2005 noch zu den preisfreundlichsten Erstligastadien gehörte. Während der Ära Magath explodierte der günstigste Dauerkartensitzplatz dann aber, zwischenzeitlich sogar auf 434 Euro, als der gestrenge, mit enormen Machtkompetenzen ausgestattete Trainermanager manche Preiskategorien einfach eindampfen ließ. Im September 2010 wurde der Auftritt der Dortmunder bei Königsblau zur Geburtsstunde von »Kein Zwanni«.

Wegen des Topspielzuschlags sollten die Gästefans beinahe 50 Prozent mehr als im Vorjahr zahlen, für einen Stehplatz waren 20 statt 13 Euro fällig, Preise für einen Sitzplatz stiegen im Schnitt auf 50 Euro. Zu viel für die Schwarz-Gelben! Die Dortmunder Fans riefen zum Derbyboykott auf, etliche Fanclubs folgten und gaben bereits gekaufte Tickets zurück. Die Massenretour markierte eine Zäsur und eine neue Dimension der Empörung, die schließlich im öffentlichkeitwirksamen Namen »Kein Zwanni für 'nen Steher« mündete. Mittlerweile hat man den einschränkende Zusatz offiziell gestrichen, um nicht mehr nur als Stehplatzinitiative wahrgenommen zu werden. Neben den Anhängern des BVB kämpfen Fanclubs von 24 weiteren Vereinen für, Auszug aus der Zieleklausel, »ein Preisniveau, das die soziale Bedeutung des Fußballs aufrechterhält und Fans möglichst vieler Gesellschaftsschichten und Altersklassen einen Stadionbesuch ermöglicht.«

Die Watzke-Entscheidung: Ausnahme oder bald schon Regel?

Es ist eine Debatte, die natürlich auch ideologisch aufgeladen ist: Wir hier unten gegen die da oben. Die laute, bunte, treue Kurve gegen das Ratio der Bundesliga. Leidenschaft auf der einen, die auf die internationale Konkurrenzfähigkeit schielenden, der Notwendigkeit des Wirtschaftens verpflichteten Funktionäre auf der anderen Seite. Kann das gutgehen? Kann in diesem Spannungsfeld überhaupt ein Dialog keimen? Die Antwort: Ja! In Dortmund wurde am 25. April 2013 deutlich, dass ein Klub die Anliegen seiner Fans durchaus ernst nimmt, wenn sie sachlich und nicht sofort als Attacke formuliert sind. Auf einem Fantreffen kündigte Hans-Joachim Watzke an, man werde zukünftig nur noch zwei statt wie bisher sechs Spiele als Topspiele labeln – einzig gegen München und Schalke müsse ein Zuschlag gezahlt werden. Die Topspielzuschläge für Gästefans schafft der Champions-League-Finalist komplett ab. »Vielleicht hat das eine Signalwirkung für die übrigen Vereine«, hofft Watzke.

Die Entscheidung des BVB-Geschäftsführers rührt nicht von ungefähr. Besser Teil der Lösung als Teil des Problems sein, muss sich Watzke gedacht haben, sind es doch vor allem die eigenen Fans, die auswärts über Gebühr belangt werden. Für den Meister von 2011 und 2012 greift in der Fremde die besonders teure Kategorie A+, auch Mitreisende des FC Bayern ledern den Sonderpreis. Schalke 04, der HSV, Borussia Mönchengladbach – sie alle zahlen auswärts drauf, weil der Name Spektakel verspricht, mindestens aber Publikumsandrang. »Eine Begegnung in Fürth wird für uns Dortmunder aber nicht spannender, nur weil wir Deutscher Meister sind«, sagt Vielfahrer Quambusch. Und ergänzt: »In gewisser Weise werden wir Fans für den sportlichen Erfolg bestraft.« 31 Euro zahlten Quambusch und Co. am 29. Spieltag für einen Sitzplatz im Gästebereich bei Greuther Fürth, neun Euro mehr als Mainzer und Freiburger. Ein Bayern-Fan, der alle Gastspiele mitmacht, zahlt stehend 60, sitzend etwa 160 Euro mehr als ein Augsburger auf gleicher Route. Die eigentlich als amüsanter Trip geplante Auswärtsfahrt wird da schnell zur Missvergnügungsreise.

 
 
 
 
 
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