Raacks Resterampe (5) - die Paul-Gascoigne-LP

Drum, lieber Gazza, sing ein Lied

Der 11FREUNDE-Flohmarkt schwingt in dieser Woche die eingerosteten Hüften, schnallt sich dabei Plastikbrüste um und trinkt schales Bier. Die Musik? Kommt vom größten Partybiest der Fußball-Geschichte.

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Ich bin ein Ignorant. Seit Jahren, Monaten, Wochen treibe ich mich auf ebay.de rum, um nach heißer Ramschware in Sachen Fußball zu fahnden, statt meinen Horizont zu erweitern und dort Nachforschungen zu betreiben, wo es sich wirklich lohnt. Ein wenig komme ich mir vor wie ein Goldgräber, der sich jahrelang an einem abgeschürften Claim abmühte, während ein paar Kilometer weiter die dicken Adern auf mich warteten. Um es abzukürzen: Ich habe ebay.co.uk für mich entdeckt.

»Diese Engländer«, hat Uli Borowka mal auf einer seiner Lesungen gesagt, »können eigentlich nichts. Nicht kochen, nicht Elfmeter schießen. Aber das können sie.« Borowka meinte zwar den Umgang mit trockenen Alkoholikern, aber sein Zitat ließe sich auch problemlos auf die Produktion und den Handel mit Fußball-Devotionalien ummünzen. Nichts, was es nicht gibt. Ich fand u.a.: eine Taschenuhr mit dem Portrait von Bobby Moore auf der Prägung, einen alten Klubanzug vom FC Liverpool, einen Radiowecker von 1966 in Form des WM-Maskottchens »World Cup Willi«. Und das alles in nur 15 Minuten! Mein Rat für die kommenden grauen Monate: ebay.co.uk - Football-Memorabilia - viel Spaß.

Ich habe mich dann doch für einen anderes Fundstück entschieden. Es ist diese LP, eingesungen, oder besser: eingegrölt, von der größten Rampensau im Weltfußball: Paul »Gazza« Gascoigne. Der Mann, der sich einst Plastikbrüste umschnallte, um damit die Journalisten zu beeindrucken. Der Mann, der während der WM 1990 – tragischerweise seinem einzigen Auftritt bei einer Weltmeisterschaft – statt sich auszuruhen vor einem wichtigen Spiel stundenlang oben ohne Tennis gegen englische Touristen spielte und sich anschließend mit seinen Gegnern am Strand betrank. Der Mann, der...ach, lassen wir das, ich komme sonst nicht zum Ende. Traurigerweise fristet »Gazza« heute ein Leben als Alkoholiker, der es einfach nicht schafft, trocken zu werden und trocken zu bleiben. Sein Körper, so heißt es, sei von den Langzeitschäden der Sauferei schon ziemlich zerstört.



Als er diese Platte mit dem Titel »Fog on the Tyne (reviseted)«, eine überarbeitete Version des »Lindisfarne«-Klassikers, aufnahm, stand das englische Mittelfeldgenie noch in der Blüte seiner Schaffenskraft. Ein unglaublicher Fußballer, ein sympathischer Exzentriker – und ein Feierbiest sondergleichen. So einen Wahnsinnigen kann wahrscheinlich nur der englische Fußball produzieren.

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