Queer Football Fans – zu Besuch beim Jahrestreffen in Duisburg

Rosa Kurve

Fast jeder deutsche Bundesligist hat inzwischen schwul-lesbische Fanklubs. Unter der Dachvereinigung »Queer Football Fanclubs« finden zweimal jährlich Treffen statt. Ein Ortsbesuch in Duisburg.

Im September vergangenen Jahres bekannte sich ein anonymer Bundesligaspieler im Magazin »Fluter« zu seiner Homosexualität. Bis heute ist die Echtheit des Interviews umstritten, doch das Thema schlug so hohe Wellen, dass sich selbst die Bundeskanzlerin dazu äußern musste. Rolf Töpperwien prahlte noch vor wenigen Wochen bei Markus Lanz, er kenne gleich mehrere schwule Nationalspieler. Ein neuer Nährstoff für zahlreiche Spekulationen beim Theken-Stammtisch.

Für den Fall des ersten Coming-outs in Deutschland will man vor allem bei Queer Football Fans (QFF), der Dachvereinigung schwul-lesbischer Fanklubs, bestens vorbereitet sein. Es ist eines der zentralen Themen auf der Konferenz in Duisburg, die zweimal jährlich stattfindet. Allein die Regenbogenfahne vor der Geschäftsstelle eines Reisebüros deutet auf die heutige Veranstaltung hin. Ungefähr 80 Vertreter schwul-lesbischer Fanklubs sind gekommen. Mainz-Fans sitzen neben Kaiserslautern-Fans, Werderaner scherzen mit Anhängern des Hamburger SV, die Kölner begrüßen es sogar, dass eine der kommenden Konferenzen in Düsseldorf stattfinden wird. Es herrscht gute Stimmung. Allein der Vertreter von Arminia Bielefeld ist nervös. Sein Lieblingsklub muss am länderspielfreien Wochenende bei den Stuttgarter Kickers antreten.

»Was die sexuellen Neigungen betrifft, kippen wir gerade«

Insgesamt sind es 18 offizielle Fanklubs aus der ersten bis dritten Liga und drei Vertreter aus der Schweiz. Jedes Jahr kommen neue Gruppen dazu. Sie heißen »Andersrum auf Schalke«, »Queerpass Bayern« oder »Rainbow Borussen«.»Von den Traditionsvereinen der Bundesliga haben außer Eintracht Frankfurt und Hannover 96 alle mindestens einen schwul-lesbischen Fanklub«, sagt Dirk Brüllau, Pressesprecher von QFF und Mitglied bei »Queerpass Sankt Pauli«. Seinem Fanklub schließen sich inzwischen auch immer mehr Heterosexuelle an. Was die sexuellen Neigungen betrifft, kippen wir gerade«, scherzt Brüllau.

Die Wurzeln von QFF liegen im Schwulen-Netzwerk »GayRomeo«. Dort erkannten einige User ihre gemeinsame Vorliebe für den Fußball. Es gründeten sich schlagartig schwul-lesbische Fanklubs diverser Bundesligavereine. 2007 in Dortmund wurde QFF dann schließlich aus der Taufe gehoben.

Die Mitglieder sind größtenteils aktive Fußballfans aus der Kurve. Sie wollen sich auch zu Themen wie Pyrotechnik und dem DFL-Sicherheitspapier positionieren. Eine einheitliche Meinung lässt sich bei so komplexen Themen aber schwer nach außen tragen, schließlich gibt es auch innerhalb der Gruppe verschieden Meinungen zu Bengalos und Stadionverboten. Die Kernkompetenz liegt deshalb bei Diskriminierung im Allgemeinen und bei Homophobie im Speziellen.

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