PSG investiert 100 Millionen: Ein offener Brief an Mäzen Nasser Al-Khelaifi

Zur Not halt Pornos

Nasser Al Khelaifi aus Katar ist der Besitzer von Paris St. Germain. Er möchte gerne mit seinem Geld die Welt erobern. Unser Autor Alex Raack findet das nur allzu verständlich – und hat seinem neuen reichen Freund einen offenen Brief geschrieben. PSG investiert 100 Millionen: Ein offener Brief an Mäzen Nasser Al-Khelaifi

Lieber Nasser Al-Khelaifi,

herzlichen Glückwunsch zur Übernahme von Paris St. Germain. Einen netten Klub hast Du Dir da ausgesucht, Ronaldinho hat da mal gespielt, glaube ich. Cool. Jetzt lese ich seit Wochen immer wieder neue Meldungen über Dich, Deine »Investorengruppe aus Katar«, Dein vieles Geld und Deine Pläne mit PSG. Du wirst lachen: Ich freue mich für Dich!

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Laut transfermarkt.de hast Du in dieser Saison schon mehr als 100 Millionen Euro ausgegeben und möchtest nun, ich las es gerade, noch einmal 100 Millionen Euro ausgeben, um Luis Suarez und Gonzalo Higuain einzukaufen. Respekt. Und das soll noch längst nicht alles sein. In den nächsten fünf oder sechs Jahren, hast Du gesagt, »wollen wir diesen Betrag jährlich investieren.« Respekt II. Schon bald soll Dein Verein die Champions League gewinnen und nebenbei einen »neuen Lionel Messi« hervorbringen. Respekt III.

Was macht man, wenn man reich ist? Die Welt zuscheißen! Yeah!

Ich trete Dir wohl nicht zu nahe, wenn ich behaupte, dass Dir in den vergangenen Jahren ganz offensichtlich langweilig gewesen ist. Und was macht man als schwerreicher und gelangweilter Mann? Man scheißt die Welt mit seinem Geld zu. Einfach, weil man es kann. Yeah!

Meine Kollegen und Kumpels sagen: So ein reicher Protz wie Du hat im Fußball nichts verloren. Sie sprechen von Tradition und langjähriger Jugendarbeit und Festgeldkonten und so Zeugs, das Du wahrscheinlich noch nie gehört hast. Ich sage: Who cares? Tradition hat PSG nicht, gute Jugendarbeit wird traditionell eh in anderen französischen Städten geleistet und Festgeldkonten? Wozu, frage ich, braucht man etwas so Spießiges wie ein »Festgeldkonto«, wenn man so viel Kohle hat, wie Du? Eben. Deshalb mein Rat: Mach doch einfach weiter so wie bisher.


Irgendwie finde ich ja auch, dass man nicht einfach mit Geld die Welt regieren darf, schon gar nicht unsere kleine feine Fußballerdbeerwelt. Andererseits habe ich früher auch sämtliche Cheats eingesetzt, um mir bei Managerspielen die tollsten, besten, prominentesten, fantasievollsten Mannschaften der Welt zusammen zu kaufen. Mann, hat das Spaß gemacht! Scheiß auf die Jugendspieler, habe ich mir gesagt, und einfach gleich Ronaldo gekauft. Der war ja damals quasi so etwas wie der Lionel Messi von heute. Die Champions League habe ich mit meiner Truppe übrigens auch gewonnen. Fünfmal in Folge. Dann war mir langweilig, ich musste mir andere Beschäftigungen suchen. Internetpornos zum Beispiel. Hey, das wäre doch auch was für Dich, wenn es in zehn Jahren nur noch semispannend ist, Fußballspieler zu kaufen!

Blöd: Deine Super-Truppe könnte theoretisch gegen Basel verlieren

Leider, und das ist der Haken an der Sache, unterscheidet sich der echte Fußball dann doch an einigen Stellen vom Fantasiefußball, den wir beide so gerne mögen. Manche Spieler, so teuer sie auch sein mögen, passen einfach nicht zusammen. Keine Ahnung, warum das so ist. Und einen anständigen Trainer brauchst Du auch, der den teuren Fußballer auch mal anständig in den Hintern treten kann. Keine Ahnung, warum das so ist. Manche Spieler verlieren sogar ihre Form, verletzen sich, haben private Probleme oder einfach keine Lust mehr. Die interessiert es plötzlich nicht mehr, dass sie Luis Suarez, Gonzalo Higuain oder Lionel Messi heißen und verdammt viel Kohle gekostet haben. Und wenn es ganz blöd läuft, dann verliert Deine Mannschaft einfach so in der Champions League gegen Basel, Trondheim oder Nikosia und fliegt raus. Frag mich nicht, wie das möglich ist, wo doch Deine Mannschaft 300 Millionen Euro mehr gekostet hat. Scheiß Mannschaftsspiel, was soll man machen.

Trotzdem, mein lieber Nasser Al-Khelaifi, lass Dich nicht entmutigen! Ich freue mich über jeden prominenten Neuzugang in Deiner Mannschaft und wenn Du tatsächlich bald einen neuen Lionel Messi aus dem Hut zauberst, dann kaufe ich mir im nächsten Urlaub vielleicht sein Trikot auf dem Schwarzmarkt. Versprochen. Denke in den kommenden fünf oder sechs Jahren immer daran: Du könntest Deine Kohle auch wesentlich sinnloser verballern. Für Nutten und Koks, für teure Yachten, die einsam über die Weltmeere schippern, für teure Partys mit falschen Freunden, für verwöhnte Bälger, Atombomben oder Tennis. Beim Fußball bekommst Du wenigstens noch was raus für Dein Geld. Und wenn es nur ein wenig Zeitvertreib ist.

Herzlichst,

Dein Alex Raack

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