Pro Bolzplatz-Regeln im Profifußball!

Letzter Mann hält

Schluss mit den Forderungen nach Videotechnik im Fußball – entscheidend ist auf dem Bolzplatz, findet unser Autor Ron Ulrich. Und fordert den Einsatz der Regeln »Piss-Pott«, »fliegender Torwart« und »Erster alles« im bezahlten Fußball. Pro Bolzplatz-Regeln im Profifußball!

Vor kurzem saß ich mit einem Bekannnten zusammen, und wir redeten über den Videobeweis im Fußball. Interessant fand ich seinen Satz: »Dann wird irgendwann bei Kindern auf dem Bolzplatz auch nach dem Videobeweis geschrien. Und Mama zückt das Smartphone.« Das brachte mich auf eine Idee: Die Gesetzmäßigkeiten im Profifußball wird man nicht auf den Bolzplatz übertragen können, aber wäre es nicht faszinierend, es mal anders herum zu versuchen? Wenn der Bolzplatz nicht das Abbild des Großen, sondern das Vorbild wäre!

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Der Fußballweltverband FIFA und sein Vorsteher Sepp Blatter haben schon viele absurde Vorschläge für eine Erneuerung des Spiels gemacht. Vergrößerung der Tore, längere Spielzeit, die Einteilung in Dritteln. Viel zu kurz gedacht. Auf den Bolzplätzen dieser Welt gibt es eiserne Gesetze. Vom »Piss-Pott« bis zum »fliegenden Torwart« – das ist der Masterplan für die Profis. Ein Gedankenspiel.

Fußball-EM nächstes Jahr, Deutschland gegen Spanien. Warum sollte ein so profaner Gegenstand wie eine Münze entscheiden, wer anstößt? Wissenschaftler haben nun sogar herausgefunden, dass der Münzwurf das Elfmeterschießen entscheiden kann. Der Ausweg: »Piss-Pott«, eine Art »High Noon« der Mannschaftskapitäne. Zwei Spieler stehen sich in unbestimmtem Abstand gegenüber und bewegen sich aufeinander zu, indem sie immer wieder den einen Fuß unmittelbar vor die Fußspitze des anderen setzen. Sobald sie sich gegenüberstehen, muss einer von beiden dem anderen auf den Fuß treten und hat verloren. Denn jeder kennt die Bauernregel zum »Piss-Pott«: »Schatz liegt unten«. Man stelle sich vor, wie Philipp Lahm und Iker Casillas das durchziehen, bis die Zuschauer jubeln und triumphierend singen: »Schatz liegt unten – schalalalala!«

Löw lässt mit Fliegendem spielen

Der psychologische Nachteil für die im »Piss-Pott« unterlegene Mannschaft ist enorm, auch wenn wissenschaftliche Erhebungen dazu noch ausstehen. Noch schlimmer wird es für die Unterlegenen, wenn man leistungsschwache Spieler im Team hat.. Die so genannten »Luschen«, »Fußball-Legastheniker« oder ganz einfach »Fehlwürfe«, bei denen der Ball beim Stoppen weiter weg springt als beim Torschuss und die nur mitspielen, weil sie den Ball mitgebracht haben.

In dem Fall muss man spielerische Mängel mit ausgebuffter Taktik ausbügeln. Zum Beispiel mit »dem fliegenden Torwart«, heißt: Der letzte Mann fängt den Ball, man spielt ohne echten Keeper. Herr Löw, mit welchem System wollen Sie die Spanier knacken? »Wir spielen mit Fliegendem.« Genial.

»Wer holt, der hat«

Weitere Regeln: »Wer holt, der hat.«, »Drei Ecken, ein Elfer« und »Fallrückzieher-Tore zählen doppelt«. Und weg mit dem Elfmeterpunkt – durch diverse Bolzplatz-Spiele weiß man, dass die richtige Entfernung einzig und allein durch Abschreiten und der Formel »Ein Schritt gleich ein Meter« erfolgen kann. Das führt dazu, dass ein Spieler fast spagatartige Schritte vollzieht und der Elfmeter schlussendlich knapp hinter der Mittellinie ausgeführt wird. England wäre begeistert.

Und die aktuelle Debatte um Führungsspieler wäre nicht mehr virulent. Denn wenn dann endlich auf Jacken statt auf Tore gespielt wird, kommt es auf die an, die den Mund aufmachen. Diejenigen, die etwas rufen, wenn der Ball nur mit einem Achtzehntel des Umfangs den äußeren Rand der Jacke gestreift hat. Und zwar: »Innenpfosten drin.« Das bedeutet: Wenn die Jacke ein Pfosten wäre, dann wäre der Ball vom Innenpfosten ins Tor geprallt. Widerspruch zwecklos, es kommt auf schnelle Rufe an. Genauso wie: »Erster alles.« Das bedeutet: Ich schieße alle Ecken, Elfmeter und Freistöße. Widerspruch zwecklos. Der Spieler hat es halt als Erster gesagt – so und nicht anders werden Führungsspieler gemacht.

Beispiel Sarkozy

Es scheint sogar möglich, dass selbst Politiker, beispielsweise Nicolas Sarkozy, auf diese Art Karriere gemacht haben. Und man sollte bei den nächsten Treffen von Sarkozy und Angela Merkel mal genau darauf achten, ob man die beiden bei Sitzungen im Kanzleramt nicht beim »Piss-Pott« erwischt. Die Bolzplatz-Regeln werden sich durchsetzen – schon bald auch im Profifußball.

Hört sich alles ziemlich krude an, oder? Aber betrachten wir zum Abschluss mal die irrsinnige Idee der Fifa, ein »Golden Goal« einzuführen. Im Prinzip nichts anderes als eine Reaktion auf die Spiele auf dem Bolzplatz, wenn die Laternen angehen und die Kinder nach Hause müssen. Das »Golden Goal« ist im Grunde nichts anderes als die gute, alte Bolzplatz-Regel: »Letztes Tor entscheidet.«

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