Portugals 2. »Goldene Generation«

Nicht alles glänzt, was Gold ist

Portugals 2. »Goldene Generation« In Portugal kennt sie jedes Kind: die »Goldene Generation« der portugiesischen Nationalmannschaft, zur Jahrtausendwende eine aufregendsten Mannschaften der Welt.

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Zumindest auf dem Papier. Luis Figo, Rui Costa, Paulo Sosa, Joao Pinto – Namen, die für höchste fußballerischen Qualität bürgten, für offensiven Fußball in Reinkultur. Fußballer von so außergewöhnlichem Talent, wie sie Portugal seit den Zeiten den großen Eusebio nicht mehr hatte. Die gut genug dafür erschienen, die Gipfel Europas und der Welt zu besteigen.

Nur: die »Goldene Generation« hielt nicht, was sie versprach. Platz zwei bei der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land war noch der größte Erfolg. Und gleichzeitig die größte Niederlage. Die portugiesischen Sahnefußballer hatten im Finale gegen die prüden Balltreter aus Griechenland verloren, geschlagen von der hässlichen Wirklichkeit des Ergebnisfußballs. Nicht ist alles glänzt, was Gold ist.

»Portugal ist so groß, aber das Tor so klein«

September 2009. »Der Traum ist gestorben. Portugal wird die WM wohl verpassen«, titelt die Zeitung »Record«. »Portugal ist so groß, aber das Tor so klein«, jammert »A Bola«. Portugal ist so groß – die Namen der Gegenwart können dem Vergleich mit Figo und Co. standhalten: Pepe, Carvalho, Deco, Simao und natürlich er, der so viel Wert ist wie sein 67-faches Körpergewicht, aufgewogen in Gold. Cristiano Ronaldo, Weltfußballer, Megastar und Ikone in einem Land, dass sich einen Titel wünscht, seit Eusebio und seine Mitspieler 1966 fast  die ganze Welt überraschten.

Nach einem kümmerlichen 1:1 gegen Dänemark in der Qualifikationsgruppe 1 hilft den Portugiesen nur noch ein kleines Wunder, um 2010 in Südafrika dabei zu sein. Mit zehn Punkten rangiert Portugal auf dem vierten Platz, Dänemark führt die Gruppe mit 17 Punkten an und dürfte sich das direkte Ticket zur Weltmeisterschaft nicht nehmen lassen. Ungarn (13 Punkte) und Schweden (12) haben die besten Karten im Rennen um Platz zwei, der zumindest das Play-off-Spiel ermöglichen würde. Drei Spiele bleiben Ronaldo und Co. noch, um sich zumindest die WM-Chancen zu wahren. Doch die Aussichten sind trüb.

Zumal der Superstar aus Madrid Führungsqualitäten vermissen lässt. In Kopenhagen ließ Ronaldo seine Energie in wüsten Wortgefechten mit dem dänischen Publikum verpuffen, er wurde ausgebuht und spielte schwach. Später zerpflückten ihn die heimischen Medien. »Ronaldo war abwesend«, urteilte »Publico«, und die »Correio da Manha« brachte die allgemeine Kritik auf den Punkt: »Man erwartet viel mehr von ihm.« Weil Ronaldo ein bekennender Narziss und Schönspieler ist, haben seine Kritiker momentan besonders leichtes Spiel. »O Jogo« spöttelte schon vor dem Spiel, ob die Frisur des Mittefeldspielers dem dänischen Dauerregen standhalten würde und attestierte Ronaldo ein »Riesen-Ego«.

Ein Brasilianer trifft für Portugal

Freilich ist es nicht allein Ronaldo, der für die aktuelle Situation verantwortlich ist. Viermal spielte die Auswahl von Carlos Queiroz schon Unentschieden, neun Tore in sieben Spielen sprechen auch nicht gerade für offensive Effizienz. Seit Jahren fehlt Portugal ein Stürmer mit Weltklasseformat, abgesehen vom ultra-offensiven Mittelfeldspieler Ronaldo. Nuno Gomes ist Jahre von seiner Bestform entfernt, Almeida hat bislang noch nicht den Beweis erbracht, ein Stürmer von internationaler Klasse zu sein. Also bürgerte man den Brasilianer Liedson ein, der seit Jahren in der portugiesischen Liga Tore am Fließband produziert.

Bezeichnend, dass es auch der 31-Jährige war, der gegen Dänemark als Einziger das gegnerische Tor traf. Die neue »Goldene Generation«, sie droht in die Fußstapfen der Kollegen Costa, Figo und Couto zu treten. 1998 verpasste die hoch gelobte Auswahl die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Frankreich – als Dritter in der Quali-Gruppe hinter Deutschland und der Ukraine. Eine Schmach für das kleine Land mit den großen Fußballern. Jetzt droht ein neuerliches Fiasko. Nicht alles glänzt, was Gold ist.

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