Polen-Deutschland: Die Wasserschlacht von 1974

»Mein Gott, mach doch was!«

Wenn Deutschland auf Polen trifft, ist die Erinnerung an die legendäre »Wasserschlacht« von Frankfurt nicht weit. Während der WM 1974 trafen beide Teams unter eigentlich irregulären Bedingungen aufeinander. Der Feuerwehrmann Walter Meinel erinnert sich ein einen denkwürdigen Einsatz.

Als ich mittags mit meiner 20-köpfigen Mannschaft am Frankfurter Stadion eintraf, waren wir bester Laune. Wir bauten unseren Unfallrettungszug auf, einen Löschwagen und mehrere Fahrzeuge aus dem Sanitätsbereich. An solchen Tagen hielt man sich für gewöhnlich nur diskret im Hintergrund.

Dann begann es plötzlich zu regnen. Die Himmelsschleuse öffnete sich, und ein heftiges Gewitter zog auf. Schon bald stand der Platz unter Wasser. Es war ein Kreuz. Das Waldstadion wurde einst auf sandigem Waldboden errichtet. Erst zwei Jahre zuvor hatte man eine Lehmwanne als stabilisierende Schicht zwischen Rasentragfläche und Untergrund gezogen, damit das Spielfeld nicht umsonst gewässert und gedüngt wurde. Und genau diese Maßnahme ließ den Platz nun untergehen. Es regnete wie aus Kübeln. Und regnete. Und regnete. Das Gemurre der Fans wurde lauter, man befürchtete eine Spielabsage.

»Mein Gott, mach doch was!«

Karl-Heinz Erdmann, damaliger Geschäftsführer der Stadion GmbH, schrie mich an: »Mein Gott, mach doch was! Lass dir was einfallen! Die machen mir sonst das Stadion kaputt.« Das Wasser stand ihm bis zum Hals. Doch was tun? Eine Vertiefung im Mittelkreis ausheben, damit das Regenwasser abläuft? Unmöglich. Ich sagte zu ihm: »Das bringt doch alles nichts. Im Nu sind all unsere Pumpen verstopft.« Mit Schlamm, Erdreich und Grasbüscheln.



Schiedsrichter Erich Linemayr bog um die Ecke und knurrte: »Diese Partie werde ich unter keinen Umständen anpfeifen.« Es waren chaotische Zustände. Die Pfützen waren mittlerweile gute zehn Zentimeter tief. Es blieb keine Stunde bis zum Anpfiff. Ich rief meine Männer zusammen, und wir entwickelten einen Schlachtplan. Wir bauten mit Wasserstrahlpumpen einen eigenen Kreislauf und verwendeten unser Wasser als Treibmittel.

Dieser Hergang war natürlich höchst unprofessionell, denn mit der Zeit gingen uns die funktionstüchtigen Pumpen aus – doch zumindest sank der Pegel auf dem Feld minütlich. Ich ließ das Großbrandgerätelager leer räumen, zusätzlich schoben freiwillige Helfer Tenniswalzen über das Feld. Bald setzte der Regen aus. Linemayr watete ein letztes Mal über den Platz - und pfiff die Partie mit 30-minütiger Verspätung tatsächlich an. Wir hatten es doch noch geschafft.

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