Poldi-Heimholer Schnitter im Interview

»Immer daran geglaubt«

Bernd Schnitter ist Präsident des gemeinnützigen Vereins compoldi.com, der sich am 11.11.2008 mit dem Ziel gründete, Lukas Podolski zurück zum 1. FC Köln zu holen. Das ist nun geglückt. Hier zieht Schnitter Bilanz – und schaut nach vorn. Poldi-Heimholer Schnitter im InterviewImago Herzlichen Glückwunsch, Herr Schnitter. Der verlorene Sohn kehrt zurück. Was hat compoldi.com dazu beigetragen?

Wir haben uns gegründet, um den FC dabei zu unterstützen, Lukas Podolski nach Hause zu holen. Als wir angefangen haben, hieß es von allen Seiten: Das ist nicht machbar. Aber wir – vier Vorstands- und elf Gründungsmitglieder – haben immer daran geglaubt. Das Ergebnis: Mittlerweile haben wir über 10.000 Mitglieder.

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Was war ausschlaggebend für die Gründung ihres Vereins?

Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt. Als Lukas Podolski vor dem Gastspiel des FC Bayern in Köln mit Matthias Scherz den Ball beim Aufwärmen über die Mittellinie spielte, habe ich gesagt: Jetzt ist es soweit, am 11.11. starten wir. Die Verbindung zum Karneval hat sich dann automatisch ergeben.

Der Grat zwischen den karnevalistisch und folkloristisch angehauchten Aktionen, die es in Köln zuletzt im Minutentakt gab, und ihrem Satzungsziel ist schmal. Wie schaffen Sie den Balanceakt?

Eben dadurch, dass wir nicht zu jeder Zeit auf jeden Zug aufspringen. Ich habe einige Interviewtermine und Kooperationsangebote ausgeschlagen. Zudem: Karneval in Köln ist zwar eine spaßige Angelegenheit, aber auch eine durchaus seriöse, die noch immer etwas bewirkt hat. Wir geben nichts auf kurzfristige Publicity, sondern bemühen uns um einen dauerhaften Kult.

Es geht bei compoldi.com also nicht nur darum, Geld zu sammeln?

Unsere Aktion sollte zunächst ein Zeichen an den Spieler Lukas Podolski sein. Eine Bestätigung für ihn, der damals noch nicht deutlich sagte, dass er zum 1. FC Köln zurück möchte. Wir haben mit unserer Homepage symbolisch die Arme ausgebreitet und ihm gesagt: »Komm her, Junge, du bist hier willkommen!« Dieses Zeichen hat vielleicht den Ausschlag dafür gegeben, dass Podolski sich später zum FC bekannt hat.

Mit seinem Bekenntnis zum 1. FC Köln hat Lukas Podolski auch den FC-Verantwortlichen einen gewissen Spielraum gegeben.

Es war absolut herausragend, dass er gesagt hat: »Ich will zu diesem Verein, in diese Stadt zurück, und da kann kommen, was will!« Es gibt in den letzten zehn Jahren in Europa keine vergleichbare Aussage. Darüber wird viel zu wenig berichtet. Die Leute, die früher immer behauptet haben, Lukas Podolski hätte nichts in der Birne, sollten jetzt mal genau hinsehen.

Wird die Summe, die ein Transfer Podolskis sicherlich verschlingen würde, nicht bei wichtigen Dingen, wie z.B. der Jugendarbeit, fehlen?

Es sieht danach aus, dass der 1. FC Köln den Transfer alleine stemmen kann. Also werden wir den FC in anderer Richtung unterstützen. Wir wollen mit Hilfe Lukas Podolskis, einigen weiteren Stars und großen Unternehmen aus Köln Jugendförderung nach internationalem Maßstab betreiben.

Würde das nicht über das ursprüngliche Ziel der Satzung ihres Vereins hinausgehen?


Nach Gesprächen mit dem Vereinsregister und dem Finanzamt war schnell klar, dass der Zweck der gemeinnützigen Förderung des Jugendfußballs nicht mehr nur Begleitzweck sein soll, sondern – neben der Rückholaktion Lukas Podolskis – eine zweite zentrale Rolle spielen wird. Dahingehend haben wir die Satzung verändert. Der Punkt ist, dass wir auf lange Sicht planen.

Und Sie erhoffen sich von Lukas Podolski direkte Unterstützung für ihr Projekt?

Patenschaft. Schirmherrschaft. Präsenz. Wir hoffen, dass Podolski sich voll reinhängen wird. Das ist unsere Idee und ich denke, dass wird klappen. Das ist ja auch zu seinem eigenen Nutzen. Compoldi.com hat bisher ausnahmslos positive Presse bekommen. Das ist bezeichnend für unsere Arbeit und wird die Arbeit mit Lukas Podolski und seinem Management erleichtern. Wir wollen ihn so auch wegbringen vom Image des zweitbesten Losers der Hinrunde. Er wird bei uns eine Mittelpunktrolle bekommen, nicht nur auf dem Spielfeld.

Wird der Transfer nicht einen unglaublichen Erwartungsdruck zur Folge haben, an dem ein Spieler wie Podolski kaputtgehen kann?

Wenn ich in einer Firma jemandem Kompetenz gebe, die er vorher nicht hatte, ist die Konsequenz, dass er zusammenbricht, weil er es nicht packt. Oder eben, dass er enorm an seinen Aufgaben wächst. Letztes wird meines Erachtens der Fall sein. Auch Jogi Löw hat sich in dieser Richtung geäußert. Dazu braucht Poldi natürlich geeignete Mitspieler. Christoph Daum sagt, dass da elf Spieler auf dem Platz stehen, die zusammen passen und kämpfen müssen. Einer alleine kann da nichts erreichen.

Droht dem FC durch die finanzielle Last des Transfers der Weggang anderer Größen wie Geromel?

Sportlich wäre das fatal. Aber das wird nicht passieren. Im Gegenteil: Als Finanzexperte und Manager prophezeie ich, dass Lukas Podolski dem Verein 1. FC Köln auf die nächsten zehn Jahre 50 Millionen bringen wird. Selbst auf die nächsten fünf Jahre hin gesehen, steht der Verein mit Lukas Podolski in den Punkten Finanzen, Image, Marketing, sportliches Gesicht der Mannschaft sowie Fan-Begeisterung absolut im positiven Bereich.

Blicken Sie mal konkret in die Zukunft: Wo kann der FC in fünf Jahren mit Podolski stehen?

Wenn man Fehler der Vergangenheit vermeidet, wird der FC wieder ein Traditionsverein mit absolut hohem Niveau und Anspruch sein.

Der Anspruch war ja nie weg…

(lacht) Um diesem Anspruch gerecht zu werden, soll es ein Fußballinternat geben, welches sich an internationalen Maßstäben messen lassen kann. So wollen wir in fünf Jahren soweit sein, dass wir dem FC einen Jugendspieler präsentieren können, der Champions-League-Niveau hat. Ich glaube, dass der 1. FC Köln in fünf Jahren reif für die Champions League sein kann…

…wenn Podolski dem Druck gewachsen ist.

Wir werden alles dafür tun, dass er in ein stimmiges Umfeld kommt und sich wohl fühlt. Und dass er dann auch Verantwortung zeigen kann. Das wird ihm persönlich gut tun. Dass er ein solches Umfeld braucht, ist nicht zu verurteilen. Im Gegenteil: Das ist ausschließlich positiv zu sehen. Dieses Umfeld hätte er in Manchester, in Hamburg oder in Barcelona nicht gehabt. Das hat er nur in Köln.

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