01.08.2013

Pokalteilnehmer Fortuna Köln hofft auf die sportliche Renaissance

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Seite 2/3: »Als ich kam, gab es hier nicht mal einen Aktenordner«
Text:
Philip Sagioglou
Bild:
Imago

Die Fortuna war damals finanziell von Löring abhängig. Als der Patriarch 2001 schließlich Insolvenz anmelden musste, begann für den Klub eine abenteuerliche Odyssee bis an den Rand der Existenz. Während der Saison 2004/2005 mussten die Kölner – mittlerweile in der Oberliga gestrandet – ihre Mannschaft zurückziehen. Die Insolvenz konnte dank eines Spendenmarathons zwar in letzter Sekunde abgewendet werden, Kontakten des späteren Vorsitzenden Klaus Ulonska in die höchsten Ebenen der Politik und des Sports sei Dank. Dennoch stürzte der Zweite der ewigen Zweitliga-Tabelle bis in die Verbandsliga ab. »Als ich kam, gab es hier nicht mal einen Aktenordner«, erinnert sich Ulonska an die Zeit Mitte der Nuller-Jahre.

Wenig überraschend also, dass es drei Jahre später nur mit fremder Hilfe wieder aufwärts gehen konnte. Der VfL Leverkusen reichte einige Unterlagen zu spät beim Verband ein und erhielt keine Lizenz für die Oberliga. Die Fortuna feierte als Zweiter der Tabelle im Sommer 2008 den ersten Aufstieg nach 35 Jahren. Und unterwarf sich auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Identität dem Projekt »deinfussballclub.de«.

2012: Das Ende der gar nicht mehr so hippen Internetplattform

Die Fans sollten 40 Euro pro Jahr bezahlen und dafür über Aufstellung, Sponsoren und Transfers bestimmen dürfen. Es klang spannend. Doch es war eine Idee, so revolutionär, dass sie nur scheitern konnte. Und weil die Mitglieder letztlich zwar über die Wahl der Stadionwurst entschieden, nicht aber über substanziellere Dinge, war es im Januar 2012 wieder vorbei mit der doch gar nicht so hippen Internetplattform. Immerhin: Die Einnahmen stimmten und sechs Monate zuvor war zudem der Aufstieg in die Regionalliga gelungen. Wieder als Tabellenzweiter. Der Provinzklub Germania Windeck hatte damals als Spitzenreiter auf den Aufstieg verzichtet.

Nach der überraschenden Ankunft in der vierthöchsten deutschen Spielklasse übernahm Uwe Koschinat die Mannschaft. Ein Trainer, wie sie ihn sich in der Südstadt gewünscht hatten. Ein Mann mit Visionen, ein Mann der klaren Worte. Einer, der die Nähe zu den Fans sucht. Kurz nach seiner Ankunft verglich er den SC Fortuna mit dem FC St. Pauli. In der auf wenige hundert Mann geschrumpften, aber noch immer außerordentlich passionierten Fanszene, schlossen sie ihn auch deshalb schnell ins Herz.

Schon während der zweiten Regionalliga-Saison unter Koschinat spielte die Fortuna lange um die Meisterschaft mit, wurde im Frühjahr dieses Jahres schließlich Zweiter hinter den Sportfreunden Lotte, und trotz des finanzstarken Lokalrivalen FC Viktoria behauptete sie den Rang als Nummer zwei der Stadt. Hinter dem großen FC natürlich. Alles gut im Kölner Süden. Bis der »Kölner Stadt-Anzeiger« im April 2013 berichtete, dass sich die Investoren des Klubs vermutlich zurückziehen werden. Die Fortuna am Ende. Mal wieder. Es wäre ja auch zu schön gewesen.

 
 
 
 
 
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