19.06.2012

Philipp Köster erlebt die ganze EM in einem Zug

»Ob es Bier hier gibt?!«

Philipp Köster hat es ja selbst so gewollt: Er pendelt seit Beginn der Europameisterschaft quasi zwischen Berlin und Polen. Mit dem Zug. Ein Erfahrungsbericht zwischen betrunkenen Russen und singenden Iren.

Text:
Bild:
Imago

An bezahlbare Tickets für die Euro zu kommen, ist für Otto Normalfans bekanntermaßen ein schwieriges Unterfangen. Wer dennoch etwas von der elektrisierenden Stimmung des Turniers im Nachbarland mitbekommen will, greift zum Placebo und besteigt einfach den täglichen Berlin-Warschau-Express um 9.50 Uhr ab Ostbahnhof. Denn in den fünf Waggons, die jeden Tag zwischen den beiden Hauptstädten pendeln, gibt es ein verdichtetes Euro-Konzentrat.

Zu Beginn des Turniers waren es vor allem fröhliche Polen, die in den Abteilen ihre Träume von einem Siegeszug durchs Turnier mit reichlich Alkohol befeuerten. In den fünf Stunden nach Warschau zum Spiel gegen Russland leerte eine polnische Familie, die in Frankfurt/Oder zugestiegen war, vor meinen Augen eine große Kühltasche voller Bier und bis auf die mitgereiste Oma, die kurz nach Posen mit offenem Mund in den Bierhimmel wegdämmerte, gab es keinerlei Ausfallerscheinungen.

Stattdessen musste ich mit der Familie über die Auswirkungen der Euro-Krise debattieren und mich für Angela Merkels Sparpolitik rechtfertigen. Ich war froh, als wir Warschau erreichten.
Deutsche Fußballtouristen reisen dagegen mit leichtem Gepäck und kommunizieren mit der polnischen Servicekraft, die ihren Wagen durch die Reihen schiebt, gerne in schlichten Hauptsätzen: »Gibt´s Bier hier?« Wenn die Dame daraufhin bedauernd die Arme hebt, greift der deutsche Fan zum altbewährten Mittel bei Verständigungsschwierigkeiten. Er spricht einfach lauter: »Ob es Bier hier gibt?«

Was soll´s, ist doch Euro

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden