Pfiffe gegen Özil: Fans gehen nach Länderspiel auf die Barrikaden

Busblockaden und Hausbesuche

Mit einem Pfeifkonzert quittierten die Zuschauer gestern Mesut Özils Leistung beim Länderspiel gegen Chile. Doch das war erst der Anfang einer nie da gewesenen Fanrevolte im Wohlfühlbiotop »Nationalmannschaft«. Ein Szenario.

imago

Klar, man hätte Mesut Özils schwache Leistung im Testspiel gegen Chile als Ausrutscher bewerten können. Vor dem Anpfiff wurde er schließlich noch unter tosendem Applaus zum dritten Mal in Folge zum »Nationalspieler des Jahres« gekürt. Eine Auszeichnung, die übrigens von den Fans vergeben wird. Zudem befindet sich der Mittelfeldmann derzeit in einem kleinen Leistungstief. Ist ja menschlich. Aber nun gut. Die Anhänger der Nationalmannschaft, seit jeher als Barometer der hiesigen Fanszene bekannt, hatten ein für alle Mal genug. Da hatte sich die Nationalmannschaft doch tatsächlich erdreistet, bei diesem bedeutungslosen Länderspiel lediglich Dienst nach Vorschrift zu leisten, andererseits strahlte Wunderkicker Mesut Özil in seinem mittlerweile 14. Pflichtspiel in diesem Jahr nicht alle zwei Minuten jene Magie aus, die er sonst immer so großspurig in seinem zahlreichen Interviews ankündigt. 


Fans dringen in Katakomben ein

Doch die Pfiffe der treuen Allesfahrer im Stuttgarter Stadion waren erst der Anfang, denn nach dem Abpfiff entlud sich die Wut der Fans im vollen Ausmaß. Unmittelbar nach Ende des Spiels packten zahlreiche Zuschauer ihre überdimensionalen schwarz-rot-geilen Filzhüte zornig in die mitgebrachten Sponsorenrucksäcke, statt wie gewohnt kesse Selfies von den Rängen zu schießen. Bereits zuvor hatten sie allenfalls missmutig die ausgelegten Fähnchen geschwenkt. Als Protestaktion hatte das ganze Stadion bereits 90 Minuten die LaOla-Welle verweigert. Augenzeugen berichten von traumatisierten Kindern, die sich von ihren hilflosen Eltern ihre mühsam aufgepinselten Landesflaggen von den Wangen rubbeln ließen. Doch damit nicht genug, denn eine 25 Mann starke Abordnung des ebenso landesweit gefürchteten wie der Polizei bekannten »Fanclub Nationalmannschaft« drang in die Katakomben des Stadions ein. Nachdem der aufgepeitschte Mob den Innenraum nach eventuell vergessenen Trikots der Nationalspieler abgesucht, sich ausgiebig fotografiert und mit Werbemitteln eines bekannten Softdrinkherstellers eingedeckt hatte, zog er schweigend weiter zur Busblockade vor die Kabine der Nationalelf. Mit teilweise wütend gemurmelten Parolen (»Oh wie ist das nicht mehr ganz so schön«, »Deutschland, Deutschland, Deutschland, Deutschland«, »Wo ist denn hier das Klo?«) zwangen sie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff  sowie die Stammspieler Marcell Jansen und Roman Weidenfeller zum klärenden Gespräch vor die Tür.



Randale auf dem Heimweg

Währenddessen meldete die Polizei Stuttgart massive Einsätze im Großbereich diverser Schnellrestaurants. Der Mangel an »Junior-Tüten« und Gratis-Plastikspielzeug brachte zahlreiche, ansonsten so geduldige Familienväter dazu, ihre vollgepackten Neunsitzer quer vor die Einfahrt des nächstbesten McDrive zu stellen. Gerüchten, nach denen drei stark alkoholisierte Fans dem ehemaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder in den Vorgarten uriniert haben sollen, wurden indes noch nicht bestätigt. 



Oliver Bierhoff fand im Angesicht der aufgebrachten Fanmassen deutliche Worte (»Jerome Boateng hat mir gerade gesagt, dass er es für eine Frechheit hält, dass...«). Im tosenden Applaus und unter lautstarken Rufen vereinzelter Anhänger (»Ja, genau!«, »Wer ist Jerome?«, »Poldi, Poldi, Poldi!«) ging der Rest seiner Aussage allerdings unter. Erst nach fünfeinhalb Stunden schaffte es Bierhoff mit Hilfe von Kinogutscheinen und ein paar Standardsätzen aus dem Krisenbaukasten die Busblockade vor dem Stuttgarter Stadion aufzulösen. Dass die Nationalspieler zu diesem Zeitpunkt bereits längst mit dem Shuttle-Service des DFB zum Flughafen chauffiert worden waren, ging in den allgemeinen Tumulten unter. Doch wir atmen auf, denn dieses deutliche Signal der Nationalmannschaftsanhänger zeigt: Die Fanmeilen können kommen.

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