Peer Steinbrück und Jürgen Trittin über das Spiel ihres Lebens

»Effenberg – arrogant ohne Anlauf«

Im Buch »Die 100 besten Spiele aller Zeiten« der 11FREUNDE-Kollegen Tim Jürgens und Philipp Köster werden nicht nur die besten Fußballpartien der Geschichte gewürdigt, es erinnern sich auch acht Prominente an ihr größtes Spiel. Hier schreiben Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Politiker Jürgen Trittin über das Spiel ihres Lebens. Peer Steinbrück und Jürgen Trittin über die Spiele ihres Lebens

Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD
Deutschland – England 3:2 n. V. (0:1, 2:2)
14.06.1970, Weltmeisterschaft, Viertelfinale
Stadion: Estadio Guanajuato, Leon

»Ich sah das Spiel in einem internationalen Studentenwohnheim in Kiel, wo ich in meinem ersten Semester studierte. Es ging international zu, meine Kommilitonen stammten aus ganz Europa, Lateinamerika und Afrika, die Sympathien vor dem Schwarz-Weiss-Fernseher waren entsprechend geteilt.

Ich hoffte auf eine Revanche für das WM-Finale 1966. Doch wieder schien es in die Hose zu gehen. Die Engländer führten bereits 2:0, als Alf Ramsey Bobby Charlton auswechselte. 

Danach kippte das Spiel sensationell. Ein Flachschuss von Beckenbauer zum 2:1, dann der Ausgleich durch das Hinterkopf-Tor von Uwe Seeler. Ein Treffer, wie ich ihn von meinen Besuchen beim HSV am Rothenbaum und dann im Volksparkstadion schon kannte.

Damals in Hamburg hiess der Flankengeber Charly Dörfel, in der Gluthitze von Leon war es nun Karl-Heinz Schnellinger. In der Verlängerung verdrehte dann Gerd Müller artistisch vor dem Tor den Fuss in der Luft und entschied das Spiel.

So viel Dramatik riss uns Studenten mit – und nach dem Abpfiff waren alle von einem Fussballthriller begeistert. Engländer waren meiner Erinnerung nach nicht dabei.«

Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen
FC Bayern München – SV Werder Bremen 5:6 n. E. (1:1, 1:1)
12.06.1999, DFB-Pokal, Finale
Stadion: Olympiastadion, Berlin

»Auf der Promitribüne war ich neben dem Bremer Bürgermeister der einzige Werder-Fan. Der Rest pro Bayern – von Stoiber bis Beckenbauer. Und dann geht Werder, das in der Saison gegen den Abstieg gespielt hat, mit dem ersten Angriff in Führung. Carsten Jancker gleicht für die Bayern aus. Es kommt zum Elfmeterschiessen. Frank Rost ist fast an jedem Bayern-Elfer dran – aber nur fast.



Der große Olli Kahn hält gegen Jens Todt. Dann kommt Effenberg. Er hat den Sieg auf dem Fuss, arrogant nimmt er fast keinen Anlauf – und hebt den Ball über das Tor. Auf der Promitribüne Schweigen. Bei den Bayern-Spielerfrauen blankes Entsetzen. Jetzt schiesst Rost selbst und verwandelt sicher – Werder ist vorn.

Dann tritt Lothar Matthäus an, seine allerletzte Aktion im Bayern-Trikot. Rost hält. Werder ist Pokalsieger. Bei den Spielerfrauen Tränen. Schlechte Stimmung beim DFB und bei Bayern, die sich noch steigert, als Karin Stoiber alle Werder-Spieler abbusserlt.«

Die Texte stammen aus dem Buch »Die 100 besten Spiele aller Zeiten« (Tim Jürgens und Philipp Köster), das kürzlich im Südwest Verlag erschienen ist. Mehr Infos und Bestellmöglichkeiten auf der Verlags-Homepage.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!