11.08.2013

Paul Scharner und der HSV – eine seltsame Beziehung

Kriegsspiele

Seite 2/3: Scharner, die Ideallösung
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Doch die Fans liebten ihn, denn Scharner war ein Anführer, so dachten sie. Und sie glaubten auch, dass er Schmerzen wegdenken könne, denn er ging rabiat und robust in die Zweikämpfe wie kein anderer Spieler, den sie kannten. Ein Paul Scharner, da waren sie sich sicher, macht keine Gefangenen. Denn er hatte Ziele. Eines lautete: »Ich will mit Manchester United Champions-League-Sieger werden.«

»Ziele sind da, um zu scheitern!«
 
Vielleicht verschob sich in diesem Moment der Blick für die Realität. Zweifelsohne spielte Scharner gut, er wurde in die Jahrhundertmannschaft von Brann Bergen gewählt, wo er 2004/05 gekickt hatte, er war Fanliebling in Wigan und durfte in der Nationalmannschaft immer mal wieder ran, zumindest dann, wenn er es sich nicht mal wieder mit einem Bundestrainer verscherzt hatte, weil »ein Paul Scharner nicht alles mit sich machen lässt«. Aber Manchester United? Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn Scharner ManUniteds Trainer Alex Ferguson, dessen Credo »Macht und Kontrolle« lautete, eine Einwechslung verweigert hätte. Später sagte Scharner: »Ziele sind da, um zu scheitern.« Er blieb in Wigan. Da lief es ja.
 
Im Gegensatz zur Nationalmannschaft. Die nämlich schien Angst vor ihm zu haben. Scharner, der Mann mit der seltsamen Brillengestell und dem Eisbärenfell, war dem ÖFB zu speziell. Zwischen August 2006 und August 2008 machte er kein einziges Länderspiel, was sehr tragisch war, denn so verpasste der vielleicht bekannteste österreichische Fußballer jener Zeit die EM im eigenen Land. »Wenn man in Österreich der Norm nicht entspricht, wird man schief angesehen«, sagte er.

»Groß, kopfballstark, stabil«
 
Im Frühjahr 2012 – Scharner spielte mittlerweile bei West Bromwich Albion – klingelte das Telefon: eine deutsche Nummer. In Hamburg waren die Haare, Felle und Normen nebensächlich. Fink schwärmte über den neuen Defensivmann: »Groß, kopfballstark, stabil – und mit Routine.« Er sei ein »positiv Verrückter«, der akribisch trainiere. Kurzum: die »Ideallösung«.
 
Doch dann ging alles schief. Scharner überwarf sich vor Saisonstart mal wieder mit einem österreichischen Nationaltrainer. Weil Marcel Koller ihn nur als »Back-Up« für die WM einsetzen wollte, nannte Scharner ihn ein »weichgeklopftes Schnitzel«. Er wurde lebenslänglich aus der Nationalelf verbannt. In einem Interview mit der Hamburger Morgenpost sagte er: »Ein Paul Scharner ist in Österreich nicht willkommen.«

 
 
 
 
 
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