Paul Breitner übers Saufen

»Ein Scheißverein ist das«

Happy Birthday, Paul Breitner! Zu seinem 60. Geburtstag lassen wir den Jubilar einfach vorlesen: Aus seinem Buch zur WM 1982. Paul Breitner über wilde Saufabende mit dem FC Bayern darüber und wie Uli Hoeneß beinahe besoffen im Pool ertrank. Paul Breitner übers Saufenimago

Unseren ersten Meistertitel holten wir mit Bayern München 1972. Das war ein richtiges Finale. Denn alles hing von unserem letzten Punktspiel ab. Wir machten unser erstes Meisterschaftsspiel im neuen Müchner Olympiastadion. Unser Gegner war Schalke, in der Tabelle nur einen Punkt zurück. 5:1 haben wir gewonnen.

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Es gab keinen Empfang, keine großen Reden. Aber das mag ich sowieso nicht. Ich halte nichts vom Herumreichen der Pokale und Trophäen. Wir Spieler haben für uns allein gefeiert, denn am nächsten Tag mussten wir zu Freundschaftsspielen nach Persien.

Um zehn Uhr sollte das Flugzeug starten. Verspätung. Eine Stunde, zwei Stunden. Am Ende waren es zehn. »Macht nichts«, sagten wir uns, »trinken wir noch einen.« Wir haben reichlich getrunken. Weil der Flug auch noch über Istanbul ging, waren wir schließlich erst morgens um sechs Uhr in Teheran. Ohne rechte Nachtruhe, bei fast 40 Grad Hitze, dazu mit unserem mächtigen Alkoholpegel, mußten wir um 17 Uhr unser erstes Spiel machen.

Volltrunken über Istanbul

Mein Gott, war das ein Match! Nach acht Minuten lagen wir 0:3 hinten. Das 0:1 habe ich überhaupt nicht mitbekommen, beim 0:2 verteilte ich gerade im Torraum Eisstücke an die Kollegen.

Plötzlich hat der Franz Beckenbauer herumgeplärrt und geschimpft. Er machte uns klar, er sähe es als persönliche Blamage an, wenn wir gegen diese Gurkentruppe verlieren würden. So haben wir uns in der Gluthitze offensichtlich nüchtern gespielt. Am Ende gewannen wir 5:3.

Ein Jahr später standen wir schon vier Spieltage vor Ende der Serie als Meister fest. In unserem Klub hatte man sich offensichtlich schon ein bißchen zu sehr an die Siege gewöhnt. Nach dem entscheidenden Spiel wurde kein Wort geredet. Es gab keinen Glückwunsch, nicht einmal einen Schluck auf den Titel. Als ich vom Duschen kam, waren die meisten Spieler schon verschwunden. Nur Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Trainer Udo Lattek und ich waren noch da. Wir waren böse und haben geflucht. In dieser Situation fiel auch der Spruch: »Ein Scheißverein ist das. Nicht einmal feiern kann man hier.«

»Uli hechtete in den Swimmingpool und wäre fast ertrunken«

Aber wir haben dann gefeiert. Und wie. Wir orderten beim Stadion-Restaurant ein paar Flaschen Schampus und zogen uns ins Entmüdungsbecken zurück. Dort entstanden dann auch die Nacktfotos von Franz Beckenbauer und uns, die später so viel Wirbel machten.

Fast hätte unsere kleine Meisterfeier noch schlimmere Folgen gehabt. Denn Uli Hoeneß war kaum zu Hause, da meinte er, sich nüchtern schwimmen zu müssen. Er hechtete in den Swimmingpool und wäre fast ertrunken. Sein Hauswirt ihn rausgefischt...

Aus: Paul Breitner, Fussball-Weltmeisterschaft 1982, Ullstein, 1982. ISBN: 3 550 07706 8

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