Paskowskys Mutterland

Der Troublemaker

Der Brite Stephen Bywater ist der etwas andere Fußball-Profi. Er übergießt seine Kollegen gerne mal mit Alkohol, hält in Live-Sendungen Vorträge über das weibliche Genital und macht Kunst mit Gummipuppen. Matthias Paskowsky stellt ihn vor. Paskowskys Mutterland
Heft#109 12/2010
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Stephen Bywater ist Stammtorhüter von Derby County und gilt auf der Insel als »Troublemaker«. Da wären zunächst die Interviews. Bywater hat sich durch viele extrovertierte Auftritte eine äußerst ambivalente Reputation erarbeitet. Interessanterweise waren es in den meisten Fällen Interviews, in denen er gar nicht zu den Befragten gehörte. Der erklärte Kampfsportfreund zeigte sich von diesem Umstand allerdings oft völlig unbeeindruckt.

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Im Gegenteil, er vermochte es immer wieder, den Befragungen von Mannschaftskollegen seinen Stempel aufzudrücken. Giles Barnes unterbrach er mit der lautstark vorgetragenen Anregung, doch mal das Geschlechtsteil herauszuholen. Robbie Savage übergoss er vor laufender »Sky Sports«-Kamera mit einem Drink. Die Kollegen von Rupert Murdochs Bezahlfernsehen packen mittlerweile vermutlich das Equipment ein, wenn Bywaters stattliche Silhouette den Horizont verdunkelt. Immerhin war »Sky Sports«-Frontfrau Clare Tomlinson mal zwei Monate krankgeschrieben, weil sie in einem besonders verwegenen oder unfassbar umnachteten Moment zugestimmt hatte, Bywater zu »Goals on Sunday« ins Studio einzuladen.

Eine kleine Anekdote über das »C-Wort«

Der nutzte prompt die Gelegenheit, um im Rahmen einer kleinen Anekdote das sogenannte »C-Word« zu buchstabieren, das gemeinhin als abfällige Umschreibung für das primäre weibliche Geschlechtsorgan Verwendung findet. Tomlinson rang anschließend mit Stresssymptomen. Lange war unklar, ob sie überhaupt vor die Kamera zurückkehren würde. Bywater hingegen setzte seine Karriere unbeschwert fort. Bei seiner Faszination für Geschlechtsorgane ist es keine Überraschung, dass er kürzlich mit der Eröffnung einer »erotischen Kunstausstellung« in seinem Garten erneut ins öffentliche Rampenlicht geriet. Ein mit Graffiti beschmierter Pferdeanhänger, ein bekrakeltes Dixi-Klo, ein paar alte Matratzen und eine aufblasbare Gummipuppe versetzten die Bewohner seiner kleinen Heimatgemeinde in Derbyshire in Aufruhr. »Viele Menschen haben ein Hobby und meines ist die Kunst«, verteidigte sich der unverstandene Künstler zunächst gegen die Vorwürfe. Wenig später entschuldigte er sich jedoch bei den Derby-County-Fans und seinen Nachbarn und stellte die Exponate bei Ebay ein.

Troublemaker oder Spinner, das Etikett ist egal. Wir müssen Stephen Bywater dankbar sein. Schließlich drückt er sich aus, öffentlich und auf seine eigene Art und Weise, ohne vorher einen Agenten oder die Presseabteilung anzurufen. In Zeiten immer restriktiverer Medienpolitik bei den Vereinen ist das erfrischend. Mit Argusaugen wachen die Verantwortlichen darüber, dass keine ungefilterten Informationen mehr in die Öffentlichkeit gelangen. Natürlich ist das nicht immer zu verhindern. Aber das Bemühen ist allgegenwärtig. Und den meisten Spielern ist das sehr recht. Unter dem Vorwand der sogenannten Professionalität und dem Verweis auf die Unverfrorenheit der »Medien« wird abgeschirmt und gegünstelt, was das Zeug hält. In bester Gutsherrenmanier weigert sich Alex Ferguson seit nunmehr sechs Jahren, mit der »BBC« zu sprechen, weil der Sender seinerzeit die Transfergeschäfte seines Sohnes Jason kritisch unter die Lupe genommen hatte. Dieser Tage will die Premier League über ein Bußgeld für Sir Alex entscheiden.

Wann folgt »Footieleaks«?

Die Wirkung der zunehmenden Verkapselung ist deutlich spürbar: Viele Interviews und Pressekonferenzen verkommen zu banalen Plappereien. Und wenn es einmal kritisch oder gar unangenehm wird, folgt sofort der suchende Blick zum stets anwesenden Presseoffizier. Da darf es keinen überraschen, dass Stephen Bywater unter diesen Umständen als Troublemaker gilt. Wenn beide Lager immer weiter auseinanderdriften und Spekulation auf einmal zum Handwerk gehört, kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis nach »Wikileaks« auch »Footieleaks« den Weg ins Netz findet.

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