07.06.2014

Park Chu-young: Südkoreas gefallener Held ist wieder da

Comeback des Genies

Er war nicht mal 20, als er in seiner Heimat zum neuen Megastar gehypt wurde. Dann wechselte Park Chu-young in die beste Liga der Welt – und stürzte von seinem Sockel. Jetzt ist er wieder da. Und soll Südkorea bei der WM zu neuen Erfolgen führen.

Text:
John Duerden
Bild:
imago

Es ist gar nicht so lange her, da war es üblich, dass ost-asiatische Länder ihren Fußball-Nachwuchs nach Brasilien entsandten, um dort ein wenig Samba-DNA aufzunehmen. Kazu Miura war erst 15, als er 1982 nach Südamerika ging – erstaunlicherweise spielt der Mann heute immer noch in Japans zweiter Liga. Ihm folgten der Chinese Li Weifeng (der 2002/2003 immerhin ein Spiel für den FC Everton absolvierte). Und schließlich der Südkoreaner Park Chu-young.

Ein IQ von knapp unter 160

2005 kehrte der inzwischen 20-jährige Offensivmann in seine Heimat zurück und heuerte beim FC Seoul an – obwohl ihn die Pohang Steelers jahrelang finanziell unterstützt hatten. Was selbstverständlich einige seiner Landsleute verärgerte. Aber dafür seine Karriere in die richtigen Bahnen lenkte. Der Angreifer, gegenwärtig beim FC Arsenal unter Vertrag und an den FC Watford ausgeliehen, spricht wenig und hat einen IQ knapp unter 160. Er ist ein Genie – vor allem darin, das zu machen, was seine Mitmenschen nicht von ihm erwarten.

Die Rückkehr nach Brasilien, knapp ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner fußballerischen Ausbildung am Zuckerhut, ist für Chu-young vor allem eine Gelegenheit. Die Gelegenheit, auch dem Rest der Welt zu beweisen, was viele in Südkorea längst wissen: Dass er ein fantastischer Fußballer ist. Und die Chance, die vergangenen drei Jahre vergessen zu machen, in denen er bei seinen Stationen Arsenal und Watford auf ganze sieben Premier-League-Minuten kam. Zwischenzeitlich spielte Chu-young zwar eine passable Saison für Celta Vigo, aber der Makel, es in der in seiner Heimat anerkanntesten Liga nicht geschafft zu haben, haftet an ihm wie Pech und Schwefel.

Ein Anruf von Arsene Wenger

Vielleicht hilft ihm dabei die Erinnerung an die WM vor vier Jahren. Damals stand der 1,82-Meter-Mann beim AS Monaco unter Vertrag und hatte sich in der französischen Liga bereits einen Namen gemacht, ehe er beim Weltturnier auch dem Rest der Planeten zeigte, was er so alles kann. Unvergessen ist sein direkt verwandelter Freistoß zum 2:2 im entscheidenden Gruppenspiel gegen Nigeria, der seiner Auswahl das Tor zum Achtelfinale öffnete. Nach dem Ausscheiden gegen Uruguay (1:2) kehrte Chu-young zurück nach Monaco und spielte eine starke Saison (12 Tore), die ihm schließlich ein Angebot vom frisch gebackenen Meister OSC Lille einbrachte. Lediglich ein Anruf von Arsene Wenger hinderte ihn an der Unterschrift. Der Trainer vom FC Arsenal wollte den Südkoreaner unbedingt haben. Und der ließ sich nicht zweimal bitten. Seine Fans in der Heimat nahmen das mit Erstaunen zur Kenntnis, jubelten aber über den spektakulären Wechsel ihres Landsmannes. Es war das letzte Mal, dass sich die südkoreanischen Fußballfans einig waren über Park Chu-young.

 
 
 
 
 
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