Papst Franziskus und seine Liebe zum CA San Lorenzo

Die rechte Hand Gottes

Seit am 13. März der weiße Rauch über der Sixtinischen Kapelle emporstieg, erlebt der Fußballklub San Lorenzo einen Medienhype ungeahnten Ausmaßes. Der Grund: Papst Franziskus ist glühender Anhänger. Unser Autor Kai Behrmann hat sich in Buneos Aires auf seine Spuren begeben.

Kai Behrmann

Dass die argentinische Nationalmannschaft einen ganz guten Draht zum Mann im Himmel pflegt, ist spätestens seit dem 22. Juni 1986 allgemein bekannt. Mit der Hand lupfte der 1,65 Meter kleine Diego Maradona damals den Ball im Luftduell über Englands 20 Zentimeter größeren Keeper Peter Shilton ins Tor.
 
Über 110.000 Zuschauer im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt sowie Millionen Menschen weltweit vor dem Fernseher hatten die Schummelei gesehen. Nur der tunesische Schiedsrichter Ali Ben Naceur nicht. Er entschied auf Tor. Hinterher sprach Maradona von der »Hand Gottes«, die im Spiel gewesen sei. Argentinien gewann das Viertelfinale gegen England und wurde später Weltmeister.
 
Auf ähnlichen Beistand von oben hofft seit kurzem auch der argentinische Erstligist Club Atlético San Lorenzo de Almagro. Denn der neue Papst Franziskus ist nicht nur Argentinier, sondern gleichzeitig glühender Anhänger des Vereins, der aufgrund seiner Gründungsgeschichte durch einen Priester im Volksmund »die Heiligen« (»Los Santos«) gerufen wird. Mit River Plate, Boca Juniors, Independiente und Racing bildet San Lorenzo die »großen Fünf« im argentinischen Fußball.

Sogar aus China haben Journalisten angerufen

Das überraschende Ergebnis der Papstwahl in Rom bescherte San Lorenzo einen nie zuvor dagewesenen Medienrummel. Als der Name Jorge Bergoglio an die Öffentlichkeit drang, brach der Internetauftritt aufgrund der vielen Zugriffe zwischenzeitlich zusammen. Die Facebook-Seite verzeichnete mit 700.000 Besuchern rund doppelt so viele wie an gewöhnlichen Tagen. Das Telefon in der Presseabteilung hörte nicht mehr auf zu klingeln. »Sogar aus China haben sie uns angerufen«, berichtet Klubpräsident Matías Lammens.
 
Bis vor kurzem war der US-Schauspieler Viggo Mortensen der international wohl bekannteste Botschafter von San Lorenzo. Als Kind hatte der Darsteller des Aragorn in der Verfilmung von Tolkiens Trilogie »Herr der Ringe« einige Jahre in Argentinien gelebt und dort seine Leidenschaft für die »Blau-Roten« entdeckt. Einmal jubelte Mortensen bei einem Tor derart lautstark und gestenreich in der Wartehalle des Flughafens von Washington D.C., dass er um ein Haar in Polizeigewahrsam genommen wurde.

Im alten Arbeitszimmer hing ein Bild des Stadions
 
Ähnlich öffentlich zur Schau gestellte Gefühlsausbrüche sind von Papst Franziskus zwar nicht zu erwarten. Den Klub trägt er aber ebenfalls seit frühster Jugend tief im Herzen. Bergoglio wuchs im Arbeiterviertel Flores auf - in unmittelbarer Nähe zur damaligen Spielstätte von San Lorenzo. Als kleiner Knirps jubelte er dort an der Seite seines Vaters der legendären Meistermannschaft von 1946 zu.
 
In seinem Arbeitszimmer in Buenos Aires hing zuletzt ein Bild des alten Stadions von San Lorenzo, aus dem der Verein 1979 während der Militärdiktatur in Argentinien vertrieben worden war. Zu den weiteren Fan-Devotionalien des ehemaligen Erzbischofs von Buenos Aires zählen ein Stück der ehemaligen Holztribüne sowie ein Trikot.
 
Seit dem 12. März 2008 ist Bergoglio zudem offizielles Vereinsmitglied. Jenem Jahr, in dem San Lorenzo sein 100-jähriges Bestehen feierte. Sein Ausweis trägt die Nummer 88.235. Pünktlich, so sagen sie bei San Lorenzo, überweise er monatlich seine 110 Pesos Beitrag.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!