Paolo Guerrero in Brasilien

Der große Krieger

Wenn es drauf ankommt, dann ist er meistens da: Auf großer internationaler Bühne läuft Paolo Guerrero regelmäßig zu Höchstform auf. Erst kürzlich schoss der ehemalige Bundesliga-Profi den brasilianischen Klub Corinthians zum Titel bei der Klub-WM.

Im Vorfeld des Finales der Klub-WM in Japan gegen Champions-League-Gewinner FC Chelsea hatte Paolo Guerrero hellseherische Fähigkeiten bewiesen. »Ich habe geträumt, dass wir gewinnen und ich das Siegtor erziele«, verriet der Peruaner, der im Juli für rund fünf Millionen Euro vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zum brasilianischen Spitzenklub Corinthians gewechselt war.
 
Die Stadionuhr in Yokohama zeigte die 69. Minute an, als ein abgefälschter Schuss zur Bogenlampe wurde und genau auf dem Kopf von Guerrero landete. Chelseas Torhüter Petr Cech war bereits geschlagen. Auch die drei Spieler in blauen Trikots auf der Linie konnten nichts mehr ausrichten. Aus vier Metern nickte Guerrero ein, drehte jubelnd und ließ sich von den rund 30.000 mitgereisten Fans feiern. Sein Traum war Realität geworden.
 
Einmal mehr hat Guerrero mit diesem Husarenstück bewiesen, dass er ein Mann für die speziellen Momente ist. Bereits vor gut einem Jahr war er bei der Copa América in Argentinien zu großer Form aufgelaufen. Durch die Blessuren der Bundesliga-Legionäre von Claudio Pizarro und Jefferson Farfán war Guerrero plötzlich zum Anführer der peruanischen Nationalmannschaft aufgerückt.
 
Nachdem die Peruaner die WM-Ausscheidung für Südafrika als Gruppenletzter beendet hatten, waren die Erwartungen im Vorfeld äußerst gering. Am Ende überraschte der Außenseiter jedoch alle Experten und wurde sensationell Dritter bei der 43. Auflage des ältesten Nationenturniers der Welt.
 
Auch aus persönlicher Sicht konnte Guerrero die Copa als Erfolg verbuchen. Auf seiner Lieblingsposition als »Nummer 9« in vorderster Spitze nutzte er Pizarros Pech, um seiner wechselhaften Beziehung zur Nationalelf eine positive Wendung zu geben. Mit insgesamt fünf Treffern schloss er das Turnier nicht nur als Torschützenkönig ab, sondern stieg in seiner Heimat auch zum Nationalhelden auf.
 
Das war nicht immer so. Lange Zeit hatte man in Peru mit dem ebenso talentierten wie exzentrischen Angreifer gehadert. Im Anschluss an die Partie gegen Ekuador im Rahmen der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika beispielsweise drohte Guerrero einem wütenden Anhänger Prügel an. Dieser hatte den 28 Jahre alten Offensivspezialisten zuvor als homosexuell bezeichnet.

Sechs Spiele Sperre
 
Nur wenige Tage später sah Guerrero beim 0:6 gegen Uruguay bereits nach 37 Minuten die Gelb-Rote Karte. Auf dem Weg in die Kabine beleidigte er den Unparteiischen so schwer, dass er anschließend für sechs Spiele vom Weltverband Fifa gesperrt wurde.
 
Angesichts der starken Auftritte im Nationaldress und jüngst bei der Klub-WM werden sich nicht wenige HSV-Anhänger fragen, warum Guerrero mit der Raute auf der Brust so selten sein Können unter Beweis gestellt hat. Auch an der Elbe glänzte der Peruaner meist nur zu besonderen Anlässen. So beispielsweise im Uefa-Cup 2008/2009, als er mit seinen insgesamt vier Treffern großen Anteil am Erreichen des Halbfinals hatte.
 
Wenn es im tristen Bundesliga-Alltag jedoch gegen die vermeintlich kleinen Klubs ging, zeigte Guerrero nur selten, warum er mit einem Jahressalär von rund 4,5 Euro zwischenzeitlich Top-Verdiener bei den Hanseaten war. Unterm Strich sorgte er während seiner sechs Jahre beim HSV eher abseits des Rasen für Furore, denn durch konstant gute Leistungen. In Erinnerung blieben allerlei Skandale wie der Flaschenwurf auf einen Fan oder das brutale Foul an Stuttgarts Keeper Ulreich.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!