27.02.2013

Paolo Di Canio beklaut Ex-Arbeitgeber Swindon Town

»Are we crazy?«

Wir kennen Paolo Di Canio als überzeugten Faschisten, Fairplay-Pokal-Gewinner und übles Raubein. Jetzt hat er seine erste Stelle als Trainer hingeschmissen und zur Strafe seinen Ex-Klub beklaut. Protokoll des gelebten Wahnsinns.

Text:
Bild:
Imago

Kein Zweifel: Paolo Di Canio war ein ziemlich guter Fußballer. Ein torgefährlicher Angreifer, ein Anführer, ein Leader, wie ihn sich all die Effenbergs heute für die deutsche Nationalmannschaft wünschen. Der Privatmann Di Canio bekannte sich mehrfach zu seiner Haltung als rechtsradikaler Faschist und weil für ihn die Politik auf dem Rasen nicht aufhörte, zeigte er dem in weiten Teilen ebenfalls faschistischen Anhang seines Ex-Klubs Lazio Rom gleich mehrfach den römischen Gruß. Ein Mann, so sympathisch wie Asbest.

West Hams Verantwortlichen war er zu sehr Faschist

2008 beendete Di Canio, der für seine politische Zurschaustellung lediglich mit ein paar tausend Euro Geldstrafe belangt wurde, seine Karriere als aktiver Spieler und wurde Trainer. Als bei seinem Ex-Klub West Ham United die Position an der Seitenlinie frei wurde, brachten die Gerüchteköche auch Di Canio ins Gespräch. Doch die Zusammenarbeit scheiterte – den Verantwortlichen des Londoner Klubs war die rechte Gesinnung ihres ehemaligen Angestellten nun nicht mehr geheuer.

Anders Viertligist Swindon Town. Dort drückte man beide Augen zu, dachte vielleicht auch an Di Canios Auszeichung mit dem FIFA Fairplay-Preis von 2001 (der Italiener hatte sich in einem Spiel für West Ham gegen den FC Everton geweigert, den Ball ins leere Tor zu schießen, weil sich Everton-Keeper Paul Gerrard zuvor verletzt hatte) und verpflichtete den gebürtigen Römer als neuen starken Mann. Und Di Canio zeigte erneut sein Talent als Motivator und Leader, gleich in seiner ersten Saison führte er Swindon als Tabellenführer in die League One, in die dritthöchste Spielklasse im englischen Fußball. Swindon und der Faschist, eine erstaunlich erfolgreiche Kombination. Selbstverständlich nicht ohne gewohnte Aussetzer des neuen Übungsleiters.

Am 11. August 2011, Di Canio war erst seit drei Monaten im Amt, ließ er seinen Frust über die 1:3-Niederlage in der 2. Runde des Carling-Cups an Swindon-Angreifer Leon Clarke aus. Schützling Clarke, mit den Personalentscheidungen des Trainers nicht einverstanden, hatte es doch tatsächlich gewagt, seinen Coach gleich nach dem Schlusspfiff mit seinen Vorwürfen zu konfrontieren. Di Canio, ganz verständnisvoller Mentor, nahm Clarke zunächst in einen liebevollen Nackengriff, versuchte seinem Mann die Maßnahmen offenbar in aller Ruhe im Kabinentrakt zu erläutern – und mischte den einige Zentimeter größeren und breiteren Clarke, den gierigen TV-Kameras vermeintlich entflohen, erstmal tüchtig auf. Schön für uns, dass die Kameras trotzdem einige Fausthiebe einfangen konnten.

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden