Ostvereine werden 50

Beginn der Tradition

Seltsames Massenjubiläum: Fast alle großen Ostvereine werden gerade 50 Jahre alt. Heute etwa der 1.FC Union Berlin und der FC Carl Zeiss Jena.

imago
Heft: #
170

Ein großer Spaß war es nicht, als am 20. Januar 1966 einer der populärsten Vereine der DDR gegründet wurde. Als man sich an jenem Mittwoch im Volkshaus der Carl-Zeiss-Stiftung in Jena traf, hielt der Genosse Berger eine Rede, die für alle Gäste eine Herausforderung war. Es war nämlich vor allem eine Begrüßungsorgie, denn im Auftrag des Deutschen Turn- und Sportbundes verlas Berger eine endlose Liste von Sportfreunden, Genossen und sogar Magnifizenzen. Irgendwann erklärte er dann feierlich: »Die Carl-Zeiss-Stiftung zu Jena gestattet auf Wunsch der Mitglieder des Fußball-Clubs Carl Zeiss Jena dem Fußball-Club die Führung und Benutzung des Namens Carl Zeiss und in seinem Emblem die des weltberühmten Warenzeichens Carl Zeiss Jena im Linsenrahmen.« Vereinsfarben wurden die Farben der Stadt: Blau-Gelb-Weiß.

Ein Klub war geboren, nur wirklich neu war er nicht. Schließlich gab es in Jena eine erfolgreiche Mannschaft, die 1963 sogar DDR-Meister geworden war, den SC Motor Jena. Doch die DDR-Sportfunktionäre hatten sich mal wieder was Neues überlegt. »Die DDR brauchte Erfolge im Fußball, und deshalb haben sie sich vom Gießkannenprinzip verabschiedet«, sagt René Wiese vom Zentrum für deutsche Sportgeschichte in Potsdam. Der Historiker gehört zu einer Arbeitsgruppe, die gerade im Auftrag des DFB die DDR-Fußballgeschichte erforscht.

Vereinsname via Zeitung gesucht

Mit dem Abschied vom Gießkannenprinzip meint er, dass die Fußballer zuvor unter dem Dach der Sportklubs nur eine von mehreren Sportarten gewesen waren. In eigenen Fußballklubs sollten die Kicker sich besser entwickeln, um auch international was zu reißen. Weil daher nicht nur für die Spieler von Motor Jena ein Klub gegründet wurde, gibt es nun eine Art von Massenjubiläum zum 50. Geburtstag. Denn zwischen Ende Dezember 1965 und Ende Januar 1966 wurden auch der 1. FC Magdeburg, der Chemnitzer und der Hallesche FC, Rot-Weiß Erfurt, Hansa Rostock, Energie Cottbus sowie BFC Dynamo und der 1. FC Union Berlin gegründet. Die Betriebssportgemeinschaften Wismut Aue und Chemie Leipzig waren von der Neugründungswelle nicht betroffen. Und für Dynamo Dresden gab es einen Sonderstatus, weil Stasichef Erich Mielke das so wollte.

Die Neugründungen, die eigentlich eher Ausgliederungen waren, brauchten natürlich neue Namen. Oft wurde aus einem SC einfach nur ein FC oder 1. FC, in Berlin war die Sache allerdings etwas komplizierter. Die Fußballer im TSC Berlin starteten via Berliner Zeitung einen Ideenwettbewerb, wie ihr neuer Klub heißen und wie sein Logo aussehen sollte. Erich Ellerau aus Berlin-Pankow gewann schließlich 300 Mark, er war unter all denen ausgelost worden, die 1. FC Union Berlin vorgeschlagen hatten. Eine naheliegende Lösung, angesichts der Vor-Vorgängerklubs Union 06 bzw. Union Oberschöneweide. Das Logo entwarf später ein Grafiker. Die rot-weißen Vereinsfarben behielt Union bei, während man sie in Jena, Magdeburg oder Halle änderte.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!