26.03.2014

Ortsbesuch: Meister werden mit dem FC Bayern

»...ist scheißegal«

Der FC Bayern München reiste als alter Deutscher Meister nach Berlin und kehrt als neuer nach München zurück. Der Weg zum ersten Titel 2014 sprengt sämtliche Rekorde. Die Euphorie nach dem Erfolg hielt sich hingegen in Grenzen. Ein Ortsbesuch im Olympiastadion.

Text:
Anton Zirk
Bild:
imago

Flutlicht, ausverkauftes Haus und fantastische Stimmung. Eigentlich war für den perfekten Fußballabend im Olympiastadion alles vorbereitet. Wäre da nicht diese unsägliche Münchner Dominanz, die seit Monaten jeden besonderen Moment mit grauer Normalität überzieht.

Schon auf dem Weg zum Stadion will sich niemand so recht für den ebenso beeindruckenden wie unausweichlichen Titelgewinn der Bayern interessieren. An einen Sieg der Hertha glaubt auch zu diesem Zeitpunkt keiner mehr. Selbst Nick, Herthaner, zehn Jahre alt, gibt sich keinen Illusionen hin: »Den Bayern die Party versauen? Dit kannste verjessen.«

Verübeln kann es ihm keiner. Gastgeschenke waren zuletzt schließlich keine große Stärke des FC Bayern. Nach dem Spiel steht eine Serie von 19 Siegen Folge zu Buche. Ein Grund zum Trübsalblasen ist das für Nick und die übrigen Berliner in der S-Bahn aber nicht: »Wenn keiner gegen die Münchner gewinnt, spielt es am Ende sowieso keine Rolle mehr.« Kurz gesagt: »Es ist uns völlig egal.«

Und im Stadion? Die Berlin-Fans schenken dem Abend nach dem 2:0 durch Mario Götze ihre ganz eigene Hymne. Auf die Melodie des Dante-Hits »... und Pokal auch« grölen sie wieder und wieder »Ihr gewinnt Meisterschaft, und den Europacup und den Pokal. Ist scheißegal.« In der Wortwahl überspitzt, zeigt der Gesang doch auf erschreckende Weise, wie gelangweilt alles und jeder außerhalb des blau-roten Universums zu sein scheint. Gleichzeitig zollen sie dem FC Bayern den verdienten Respekt, wird doch nicht mal in Schmähgesängen noch die Unbesiegbarkeit der Münchner in Frage gestellt.

Der FC Bayern reagiert so, wie es sich für den frühesten deutschen Meister aller Zeiten gehört. Nämlich gar nicht. Die Hertha wird seriös abgefrühstückt. Pep Guardiola gestikuliert trotzdem bei jedem Stockfehler seiner Passmaschinen so wild, als stände nicht der Zeitpunkt sondern die 24. Meisterschaft an sich in Frage.

 
 
 
 
 
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