Aus Firmensicht sei die Zusammenarbeit perfekt: »Michael Ballack hat ein Fachwissen, da könnten sich wahrscheinlich sogar noch einige unserer Berater eine Scheibe von abschneiden«, sagt Schöllhammer. Als Beweis jonglieren die beiden Sauna-Freunde mit Temperaturmaximalwerten umher wie Mathefreaks mit Pi-Nachkommastellen. 90 Grad? Ideal. 110? Sehr, sehr hoch. »Aber nicht für Asiaten, dort betreiben sie das Saunieren ja extrem«, wirft Ballack ein. Und das Entmüdungsbecken? »Maximal elf Grad«, entgegnet Ballack mit dem gehobenen Zeigefinger eines Gastprofessors an der Sauna-Hochschule. Neben dem Ballack-Schwitzkasten steht heute zufälligerweise so ein Entmüdungsbecken. Es sieht aus wie ein Filmrequisit aus den Achtzigern, das eine Badewanne aus dem 22. Jahrhundert darstellen soll. »Hydrogalvanisches Bad« oder »Vitarium« nennt Schöllhammer es. Ballack nickt. Schöllhammer blickt expertig in die Runde. Der Rest schreibt mit: Hydrogalvanisch!
Das Saunieren als elementarer Bestandteil des Profifußballs
Welch elementare Rolle das Saunieren für den Profifußball spielen muss, wird spätestens deutlich, als Ballack den Blick in die Vergangenheit schweifen lässt. Seit er Profi ist, habe er kaum einen Spieler kennengelernt, der nicht gerne in die Sauna geht. Bei der Nationalmannschaft gab's den ein oder anderen Spezialisten: Didi Hamann und Jens Jeremies waren Ballacks größte Sauna-Kumpels. »Wenn man nicht aufgepasst hat, wurde da auch mal die Temperatur hochgedreht«, sagt Ballack und lacht. Manche lachen mit. Andere gucken auf die Uhr. Aber auch das Team rund ums Team sei dem Entspannen auf großen Turnieren nie abgeneigt gewesen. »Den Harald (Pressesprecher Stenger, d. Red.) hat man zum Beispiel abends nach Feierabend noch öfters in der Sauna gesehen.« Hamann, Jeremies, Stenger, Ballack in der Sauna. Ein Bild für die Fußballgötter. Sounds like 2002. Dank der Sauna ins Finale.
Als Ballack nach etwa 20 Minuten fertig ist, die Fotos geschossen, die Fragen beantwortet sind, drängt so langsam die Zeit. Ein lokales TV-Team möchte noch einen Beitrag mit ihm drehen, dazu geht es einen Stock weiter nach oben, wo es unter anderem eine Schneegrotte gibt. Ob die nach Kitzbühl-Initmus Franz Beckenbauer benannt ist, bleibt offen.
Eine Frage hätte ein Lokaljournalist noch. Was er denn von Schwäbisch Hall gesehen habe, möchte der eifrige Mann wissen. »Ihr habt hier breite Straßen«, sagt Ballack. »Das gibt es nicht überall.« Braucht man ja auch nicht, ist man geneigt zu denken. Ansonsten habe die Zeit zum Stadtbummel gefehlt, gesteht Ballack. Aber seine Sauna, die hat er gesehen.