Ortsbesuch: Libanons historischer Sieg gegen den Iran

»Heute ist ein Nationalheld geboren«

Der Nationalmannschaft des Libanon ist dem 1:0-Sieg gegen den Iran Historisches gelungen, denn plötzlich ist die Mannschaft des deutschen Trainers Theo Bücker der WM 2014 in Brasilien einen großen Schritt näher gekommen. Eine Teilnahme wäre mehr als eine Sensation.

Björn Zimprich

Noch vor einem Jahr galt Basketball als der beliebteste Sport des Landes. Aber dann kehrte der deutsche Trainer Theo Bücker zurück zum Amt des Nationaltrainers und verwandelte das Land in wenigen Wochen in einen Hexenkessel. Es ist das erste Mal, dass sich der Libanon in der letzten und entscheidenden Qualifikationsrunde einer Weltmeisterschaft befindet.  Nachdem die Mannschaft 2011 erst 6:0 gegen Korea verlor, marschierte sie danach fast lässig in die letzte Runde auf dem Weg nach Brasilien. Im Januar kam dann der Schock: Spielmacher und Kapitän Roda Antar (ehemalig 1.FC Köln) verletzte sich während eines Spiels in der chinesischen Liga und fiel für die ersten drei Spiele aus. Keines konnte das Team gewinnen, klebte mit nur einem Punkt als Gruppenletzter in der Tabelle. »Es ist schwer zu sagen, ob die Spiele anders verlaufen wären, wenn ich auf dem Platz gewesen wäre. Ich weiß nur, dass ich jetzt alles geben werde, damit wir siegen werden«, sagte Roda Antar kurz vor dem Spiel in einem Interview zu 11FREUNDE. Der 31-Jährige schwärmt indes von der Leistung Bückers. »Was er in unserem Land erreicht hat, ist unglaublich. Wir haben eine richtig gute Mannschaft zusammen bekommen.«

Vor dem Stadion feiern die Fans bereits vor dem Anpfiff. Ali ist sich sicher, dass Rodas Fehlen der Grund für das bisherige Scheitern war. »Mit Roda Antar ist das Team 200 Prozent besser«, sagt der 21-Jährige aus Sur, dem Süden des Landes. Seinen Kopf ziert ein Hut in den Farben des Libanons, eine Flagge hängt um seine Schultern. Seit Wochen fiebert er mit seinen Cousins dem Spiel entgegen. Dennoch wird es schwierig gegen das Team Melli aus dem Iran zu bestehen. Der Iran gehört zu den Schwergewichten im Asiatischen Fußball, konnte sich bereits dreimal für eine WM qualifizieren, zuletzt 2006.

Das ewige Duell: Amateure gegen hochbezahlte Profis

Die Spieler des Libanons haben aber auch mit Problemen zu kämpfen, die ihre Gegner nicht kennen. Der heimische Fußball sei nicht professionell genug, um davon gut Leben zu können. Viele Spieler haben noch einen anderen Beruf, um Geld zu verdienen. Es gibt kaum vernünftige Plätze zum trainieren. Gerade in der Phase vor dem wichtigen Spiel gegen den Iran, war der Rasen im Sports City Stadion in Beirut plötzlich von einem Pilz befallen. Das Training musste in Saida, einer knappen Autostunden von Beirut, oder auf Kunstrasenplätzen stattfinden. Der Rasen ist mittlerweile notdürftig geflickt, professionell kann man das dennoch nicht nennen. Es ist aber das einzige Stadion im ganzen Land, das den Sicherheitsbestimmungen der Fifa genügen würde. Irans Trainer Carlos Queiroz zeigte Unverständnis: »Ich verstehe nicht, warum wir bei einem so wichtigen Spiel auf einem schlechten Rasen spielen müssen, wenn es einen bessern gibt.« Schlimmer erachtete der Portugiese, der einst Real Madrid und die portugiesische Nationalmannschaft trainierte, allerdings die Uhrzeit. Um 17 Uhr Ortszeit ist Anpfiff. »Wenn sich die Spieler um vier aufwärmen, sind sie doch bis zum Anpfiff K.o. Die Uhrzeit macht das ganze Spiel kaputt, verringert die Leistung der Spieler, die Schnelligkeit des Spiels.«

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