Ortsbesuch im Deutschen Fußballmuseum

Schöne heile Welt

Im Oktober 2015 wurde in Dortmund das Deutsche Fußballmuseum eröffnet. Seitdem musste es viel Kritik einstecken, die »Zeit« schrieb von einem »Provinzmuseum«. Ist es wirklich so schlimm?

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Irgendwie wirkt der Bau wie aus einer anderen Welt – mitten im Umfeld des kahlen und wahrlich nicht charmanten Dortmunder Hauptbahnhofs. Gerade stiefelt der ankommende Fahrgast aus der Empfangshalle, blickt er auch schon auf das Deutsche Fußballmuseum. Länglich, modern, freistehend, mit auffällig großem Vorplatz – das Museum wirkt eher wie eines dieser hochmodernen Kinos. Das soll er also sein, der neue »Ballfahrtsort« (DFB-Meldung) des deutschen Fußballs.

Zugegeben: Die Stimmung des Autors ist schon vor dem Besuch leicht gedrückt. Tickets können im Vorfeld nur online gekauft werden. Kurioserweise muss der Besucher einen Eintrittszeitraum von je einer Stunde auswählen. Heißt: Er darf das Museum nur zwischen zehn und elf Uhr, elf und zwölf, usw. betreten. Flexibilität und Spontanität adé! Eine Mitarbeiterin erklärt am Telefon: »Das hat bauliche Gründe.« Ein weiteres Ärgernis sind die horrenden Preise. Satte 15 Euro kostet der Eintritt für Erwachsene, ermäßigte Tickets gibt es für 12 Euro. In einigen Bundesligastadien zahlen Fans weniger für ihre Karten. Der teure Eintritt ins Museum schürt Erwartungen, die das Museum leider nicht wirklich halten kann. Aber der Reihe nach.

In ihrer Mitte: Die jubelnde Angela Merkel

Angekommen im Museum sticht direkt der riesige »Store« eines Sportartikel-Herstellers ins Auge. Hier gibt es alles, was das Nationalmannschafts-Fan-Herz begehrt. Trikots, Hosen, Stutzen, Kappen, Schals, Mützen, Fahnen, usw. Der Hartgesottene würde es Auswüchse der Kommerzialisierung nennen, der Realist wohl Marketingstrategie oder moderner Fußball. Im Vorfeld der EM 2016 kann sich die feiernde Meute hier vollausstatten. Immerhin etwas.

Über eine lange Rolltreppe geht es rein in die Ausstellung – vorbei an einem Wimmelbild der guten Laune. Der Besucher passiert Fans aus allen Teilen der Republik – sortiert von Süd nach Nord und Ost nach West. Begleitet wird die Fahrt von Fan-Gesängen und Schlachtrufen aus der Konserve. Am Ende der Rolltreppe leitet eine Horde wildgewordener Deutschland-Fans zur Ausstellung über. In ihrer Mitte: Die jubelnde Angela Merkel im roten WM-Sakko. Nun ja…

Das vierteilige Konzept des Museums ist zwar an die schönste Nebensache der Welt angelehnt, ist leider aber so neuartig wie Sepp Herbergers These vom runden Ball und der 90-minütigen Spieldauer. Die Unterteilung: Erste Halbzeit (DFB-Geschichte), Halbzeitpause (Trainer und Taktik), Zweite Halbzeit (Vereinsfußball) und Nachspielzeit (Bus der Nationalmannschaft und einige Bolzplätze).

Hier präsentiert der Verband seinen ganzen Stolz!

Teil eins der Ausstellung startet gleich mit dem ersten großen Triumph des deutschen Fußballs, dem Wunder von Bern. Zumindest hier stimmt die Inszenierung – auch wenn sie mit einer Menge Pathos daherkommt. Die 54er-Weltmeister stehen in Starschnitt-Größe um den WM-Final-Ball herum. Im minütlichen Abstand ertönt die Nationalhymne in Geigen-Version. Zumindest einige Museums-Besucher erleben hier ihren Höhepunkt: Sie zücken Smartphones und Kameras, drücken sie den Kumpels oder Familien-Mitgliedern in die Hand und posieren neben den WM-Helden wie Fritz Walter. Brust raus, Hände an die Oberschenkel gepresst, stillgestanden zur staatstragenden Hymne. »Den Fritz find ich geil«, krakeelt ein Mitt-Sechziger mit Bayern-München-Trikot.

Nach dem Wunder von Bern schließt sich der Hauptraum der »ersten Halbzeit« an. Die Aufteilung ist simpel: In der Mitte des Raumes werden die Titelgewinne 1974 und 1990, auf der rechten Seite die Historie des DFB und im linken Teil der Fußball in der DDR thematisiert. Höhepunkt des Ausstellungsteils ist eine kleine, runde Halle, die den WM-Gewinn 2014 der »Goldenen Generation« (DFB-Broschüre) thematisiert. Der Besucher merkt: Hier präsentiert der Verband seinen ganzen Stolz! Nicht umsonst heißt es in der begleitenden Broschüre: »Der 4. Titel ist der Höhepunkt dieser Inszenierung und leitet über in die Main-Show – das Herzstück des Deutschen Fußballmuseums.«

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