Ortsbesuch: Fußball-Sammelbörse in Bremen

Kein Bier mit Otto

Wenn Fußball die schönste Nebensache der Welt ist, sind Fußball-Sammlerbörsen die schönste Neben-Nebensache. Jörn Lange wühlte sich bei der 3. Bremer Fußball-Sammelbörse durch Autogrammkarten, Pins und Bildbände von Berti Vogts. Ortsbesuch: Fußball-Sammelbörse in Bremen

Wer jemals auf einer Sammlerbörse war – ganz gleich ob mit seinem Tonträger-, Kronkorken- oder Briefmarken-Fundus –, der hat ein ungefähres Bild von der dort anzutreffenden Klientel. Nicht umsonst spricht man von einem »Sammel-Tick«, denn der Sammler an sich, er ist meist spleenig, kauzig, eigenbrötlerisch. Ein Nerd, der stundenlang über die Objekte seiner Begierde fachsimpeln kann. Auch die Protagonisten auf Fußball-Sammlerbörsen bilden da keine Ausnahme.

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Am vergangenen Sonntag fand die dritte Bremer Fußball-Sammlerbörse statt, rund 15 Austeller boten im OstKurvenSaal des Weser-Stadions allerhand Nippes und Devotionalien feil. Josef hat sich auf Fußballanstecknadeln spezialisiert. Das Mitglied der »IG Fußball-Embleme in Europa e.V.« hat in den vergangen 30 Jahren weit über 5.000 Anstecker ergattert und ist dabei besonders stolz auf deren Vielfalt, denn gerade die Vereine aus den unteren Ligen wecken immer wieder den Ehrgeiz des passionierten Pin-Sammlers. Damit er nicht den Überblick verliert, heftet Josef die Fundstücke sauber in Alben ab, versieht sie mit einem aparten Schildchen des jeweiligen Vereins und sortiert sie nach Landkreisen. Ordnung ist das halbe Leben.
Wer ein solch außergewöhnliches Sammelsurium sein Eigen nennen darf, der erntet das Staunen der Laien und die Bewunderung der Fachleute. So auch heute: Stargast Dieter Eilts traut seinen Augen kaum, als ihm Josef den Anstecker seines ostfriesischen Jugendvereins SV Hage präsentiert. Das stolze Sammlerherz, es strahlt vor Genugtuung.

Berti in Badehose, Berti am Kanaren-Strand

Und sonst? Bücher, deren Titel allein schon Preise verdient hätten: Gerd Müllers »Tore entscheiden«, Helmut Schöns Klassiker »Immer am Ball«. Und auch wenn sich großformatige Bildbände über Berti Vogts eigentlich per se verbieten – in Bremen sind sie an jedem zweiten Ausstellungstisch zu finden. Berti in Badehose am Kanaren-Strand, Berti mit grimmigem Gesichtsausdruck unter feiernden Teamkollegen, Berti mit flottem Flitzer usw. usf. – eine Grenzerfahrung. Auch an Zeitschriftenmaterial mangelt es nicht. Gesammelte Ausgaben von »Der Fußballsport« (132 Seiten für nur 60 Pfennig!), oder das leider untergegangene Format »Halbzeit. Die neue Jugendzeitung«. Großer Sport.

Dazu qualitativ hochwertige Dartpfeile mit Vereinsprägung, Bronzestatuen, Schals, Trikots und natürlich Autogrammkarten von früher bis heute. Zwar ist es kein Geheimnis, dass die Bart- und Haupthaar-Mode der vergangen Jahrzehnte Perlen hervorgebracht hat, die jeglicher Beschreibung spotten. Dennoch: eine solche Verdichtung historischen Portrait-Materials treibt dem Betrachter zwangsläufig die Freudentränen ins Gesicht. Und wo gedrucktes Wort und Bild für Verzückung sorgen, darf der Hörgenuss natürlich nicht zu kurz kommen: Neben den berühmten Gassenhauern der DFB-Auswahl beeindrucken insbesondere diverse 7-Inches aus dem Underground. Besonderes Highlight: »Wir stehen auf grün und weiß« von »Die Goalgetters«.

(K)ein Bier auf Otto

Beim Verlassen des OstKurvenSaals dann die Entdeckung des Tages, zumindest für Werder-Fans: Ein 20-teiliges Bierdeckel-Set der Bremer Meistermannschaft von 1988. Auf grünweißen Hintergrund prangen die charismatischen Konterfeis hanseatischer Idole – Otto Rehhagel und Willi Lemke mit bierernstem, Frank Ordenewitz dafür mit bierseligem Blick. Das vielleicht unfunktionalste Fan-Accessoire aller Zeiten. Denn wer würde schon riskieren Ottos Konterfei mit einem Bierglas-Abdruck zu ruinieren?

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