Ortsbesuch: Finale der »Virtuellen Bundesliga« in München

Kleine Fanta ohne Eis

EA Sports lud zum Finale der »Virtuellen Bundesliga« von FIFA13. Mit dabei: Frank Buschmann, Esther Sedlaczek und ein ganzer Saal voller Couchpotatoes – den Autor dieses Artikels eingeschlossen.

Schweißtropfen stehen auf seiner Stirn. Die Augen treten aus den Höhlen. Die Stimme röchelt, bricht, kreischt, kollabiert. »DAS GIIIIBT ES NIIIICHT!« Frank Buschmann, die Welt kennt ihn als »Buschi«, ist fix und alle. Was ist los? Kommentiert Buschi das WM-Finale, die Geburt seines Sohnes oder den Ausbruch des Dritten Weltkriegs? Nein, es ist ein Vorrundenspiel beim Finale der »Virtuellen Bundesliga« von FIFA13. Zwei 17-Jährige sitzen, den Rücken fachmännisch gekrümmt, auf einem Sofa und lassen den HSV und Freiburg gegeneinander antreten. Auf dem Bildschirm. Tor für den HSV. Frank Buschmann zündet die Rakete, rast zum Mond und umkreist dreimal die Sonne. Wenn die ganze Welt so begeisterungsfähig wäre wie Buschi, wir müssten uns in den Armen liegen, wenn die Vollmilch im Sonderangebot wäre, müssten eine Party feiern, wenn wir zehn Cent auf dem Gehsteig finden würden.

»Nun nimm mal den Stock aus dem Hintern!«

Sind wir aber nicht. Während also Buschi eine Euphoriegranate nach der anderen zündet (»Dem spendiere ich ´ne kleine Fanta ohne Eis!«), sitzt der Rest der Runde in diesem Münchener Veranstaltungsraum konzentriert vor den Monitoren und sucht den besten virtuellen Teamplayer des Landes. Schon die komplette Bundesligaspielzeit feilen diese Jungs, es sind tatsächlich nur Jungs, an ihren Mannschaften. Die besten 64 sind heute da. Am Ende heißt der Sieger Kevin Assia, er hat den HSV wieder zu Glanz und Gloria geführt. Buschi brüllt in sein Headset: »Nun nimm mal den Stock aus dem Hintern, Junge, du bist Meister!«

Dann kommt der Endgegner für jeden heranwachsenden Jugendlichen. Moderatorin Esther Sedlaczek. Die sieht so unverschämt gut aus und dürfte für so viele unverschämte Tagträume sorgen, dass es erstaunlich ist, dass die von ihr interviewten Jungs überhaupt einen Ton rauskriegen. Normalerweise fechten die hier Anwesenden ihre virtuellen Duelle in der Heimeligkeit der heimischen Kinder- und Wohnzimmer aus, heute brüllt der Buschi von rechts und von links schwebt auch schon die Esther heran. Aber, hey, das hier ist die große Bühne. Die Veranstalter von EA Sports haben sich nicht lumpen lassen.

Buschi trinkt ein Weizen. Geräuschlos

Das gilt dann auch für die folgende After-Show-Party. Da ist Endgegner Sedlaczek schon längst weg, sehr zur Enttäuschung der männlichen Anwesenden, die sich doch extra in Rekordzeit Mut angetrunken haben. Was wiederum dazu führt, dass einige frisch in die Volljährigkeit entlassene Teilnehmer zu späterer Stunde das ein oder andere promillegeschwängerte Eigentor schießen. Buschi steht ganz in der Nähe und trinkt ein Weißbier. Merkwürdig: Er schreit dabei gar nicht.

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