23.10.2013

Ortsbesuch: Alex Ferguson präsentiert seine Autobiografie

Eine gute Show

Alex Ferguson hat in London seine Autobiografie veröffentlicht. Ein Buch über harte Schotten, die Haare von David Beckham und die geistige Gesundheit von Wayne Rooney. Ein Ortsbesuch.

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imago

Aus dieser Entfernung ist nicht mal zu erkennen, ob der Mann sein Kaugummi kaut. Der Saal im Institute of Directors, keine fünf Minuten vom Londoner Trafalgar Square entfernt, ist riesig. An den hohen Decken hängt goldverzierter Stuck, die samtenen Stühle versinken im hohen Teppich. Mehr als 150 Journalisten aus aller Welt sind gekommen, ganz hinten im Saal scheinen sich die TV-Kameras zu einem blinkenden Ungeheuer aus Kabeln und Objektiven vermengt zu haben, vorne drängeln sich die Fotografen wie eine Meute Hyänen um eine tote Antilope. Auf der Bühne sitzt Alex Ferguson, sein rotes Gesicht leuchtet bis in die letzten Reihen. Das hier ist seine Show. Der bekannteste Trainer der Welt präsentiert seine Autobiografie.

Alle nennen ihn »Sir Alex«

Schon auf dem Weg vom Flughafen in die City blickt er einem entgegen. Auf großen Plakaten wirbt sein Verlag für das Buch. Klarer Blick, die Lippen zu einem leichten süffisanten Lächeln verbogen, weißes Hemd, weinrote Krawatte. Alex Ferguson war 27 Jahre lang Trainer von Manchester United, er hat den Klub zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Vereine der Welt gemacht. Zweimal Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, 13 Mal englischer Meister, fünffacher FA-Cup-Sieger, elfmal englischer Trainer des Jahres, Träger unzähliger Titel und Ehrungen. Am 20. Juli 1999 schlug ihn die Queen zum Ritter. Auf der Pressekonferenz seiner Biografie nennt ihn niemand Alex Ferguson. Alle sagen »Sir Alex«. Einer wie er hat viel zu erzählen.

Die erste Frage kommt von einer chinesischen Journalistin. Sie habe im Vorfeld etwas Angst gehabt, so die Dame, ihm eine Frage zu stellen, wo er doch vor einiger Zeit eine andere Journalistin vor versammelter Menge zusammengeschissen hatte. »Good start«, knurrt Ferguson und der Saal lacht. Vermutlich ist jeder der hier anwesenden englischen Kollegen schon einmal von Sir Alex zusammengefaltet worden. »It´s a hard industry«, urteilt die Trainerlegende in seinen ersten einleitenden Sätzen der Biografie über die Medien. Und hart ist er auch. Immerhin: »Habe ich euch nicht in all den Jahren eine gute Show geboten?« Allerdings.

Viele Fragen werden gestellt, nur wenige haben direkt mit dem Buch zu tun. Im Vorfeld gab es Gerüchte, Ferguson habe die Fragen vorab autorisieren lassen wollen. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Journalisten nutzen die Gunst der Stunde, Pressetermine mit Sir Alex waren und sind rar. Also fragt der Mann aus Israel, wie Ferguson über seinen israelischen Kollegen Avram Grant denke, will die japanische Journalistin wissen, warum Shinji Kagawa zu United wechselte und möchten die Vertreter aus Australien eben über australischen Fußball sprechen. Ferguson antwortet, und, so weit man das bei seinem zerkauten schottischen Akzent beurteilen kann, auch meist wohlwollend.

 
 
 
 
 
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