Ohnsorg-Theater in der BayArena

Warten auf Bernd Schneider

Für die neue 11FREUNDE-Ausgabe trafen sich die Redakteure Tim Jürgens und Jens Kirschneck mit Bernd Schneider zum Interview. Dazu muss man wissen: Für „Schnix“ kommen öffentliche Auftritte einem Gang zum Schafott gleich. Imago
Heft #70 09 / 2007
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Über den Fußballer Bernd Schneider weiß man, dass er nicht gerne Interviews gibt. Man könnte sogar sagen: Er hasst es wie die Pest. Es ist deshalb einigermaßen spannend, in welcher Tagesform der landläufig „Schnix“ genannte Kicker angetroffen wird. Sogar Bayers Pressesprecher Uli Dost, eine hagere Eminenz mit ins Gesicht montiertem Zigarillo-Stumpen, ist gespannt. Wenn Bernd Schneider freilich etwas noch mehr hasst als Interviews, dann ist es, fotografiert zu werden. Fotografin Mareike Foecking hat deshalb gleich mal zwei Assistentinnen mitgebracht, eine mehrere Quadratkilometer große Szenerie aufgebaut und so viele Lampen installiert, dass sie ganz Leverkusen in ein gleißendes Licht tauchen könnte. Anders gesagt: das ganz große Besteck. Noch anders: exakt die Kulisse, die einem kamerascheuen Zeitgenossen ein richtig gutes Gefühl gibt.

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Wir befinden uns in den Katakomben der BayArena, und Uli Dost hat gesagt, dass Schneider jetzt nach dem Training erst noch massiert werden müsse, uns dann aber zur Verfügung stehe. Wenig später passieren die Bayer-Profis auf dem Weg vom Trainingsplatz in die Kabine jene Stelle, wo wir unseren kleinen Abenteuerspielplatz aufgebaut haben. Während die meisten Kollegen scherzen, starrt Schneider angestrengt geradeaus. Erst als er schon fast durch die nächste Glastür ist, wirft er einen auffällig unauffälligen Blick auf das Szenario. Und in diesem Fall sagt ein Blick wirklich mehr als tausend Worte. Spontan denken wir: „Der kommt nicht wieder.“

Tut er wirklich nicht, zumindest nicht für die nächsten anderthalb Stunden. Ansonsten herrscht ein Kommen und Gehen, dass man sich vorkommt wie bei einer Verwechslungskomödie im Ohnsorg-Theater. Guten Tag, Herr Holzhäuser! Guten Tag, Herr Barbarez! Guten Tag, Herr Völler! Verteidiger Lukas Sinkiewitz geht vorbei und wirft ein schmissiges „Ich komm gleich!“ herüber. Scherzkeks, aber wo zum Teufel bleibt Schneider? Stattdessen Kießling, Rolfes, Ramelow, Skibbe, noch mal Barbarez und immer wieder Völler. Dann endlich erscheint Bernd Schneider. Rudi Völler ruft: „Was denn, was denn, nachmittags kein Training? Oder macht der Schneider schon wieder blau?“ Schneider lächelt ein wenig scheel, dann sagt er in unsere Richtung: „Na, los.“ Er sagt „Na, los“, nicht etwa „Na, los!“, ein Ausrufezeichen zu setzen wäre da echt nicht angemessen.

Dennoch lässt sich Bernd Schneider 45 Minuten lang fotografieren und 60 Minuten lang interviewen. Einige Fragen beantwortet er kurz, einige gar nicht, die meisten überraschend ausführlich. Pressesprecher Dost wird später sagen: „Der war ja richtig gut drauf!“ Nach einer Stunde Interview meint Schneider: „Eine Stunde war abgemacht, oder?“ „Ja“, sagen wir. „Schön“, sagt Schneider und geht.

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Das Gespräch mit Bernd Schneider findet Ihr in der neuen 11FREUNDE-Ausgabe.

Die Themen außerdem:

Verdammt in alle Ewigkeit? Warum die Bundesliga Angst vor Lothar Matthäus hat

Südafrika 2010 – Cup der letzten Hoffnung

„Ich bin eine Perle“ – Hans Meyer im Interview

Stadionposter Camp Nou

uvm.



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