Ode an Eilts

Dieter mit dem Bagger

11FREUNDE-Mann Dirk Gieselmann wollte in seiner Kindheit Baggerfahrer werden. Und Fußballer. Am besten beides. Weil sich das schnell als relativ unmöglich entpuppte, nahm sich das Nordlicht einen Mann fürs Grobe zum Vorbild: Dieter Eilts. Ode an Eilts Mike Krüger sang einst: »Wer baggert da so spät noch am Baggerloch? Es ist Bodo mit dem Bagger, und er baggert noch.« Ein schlimmer Ulk-Schlager, und doch lohnt es sich, über Baggerfahrer nachzudenken. Wenn ein Baggerfahrer in seinem Bagger sitzt, dann weiß er, dass die Passanten, die an ihm vorübergehen, als Kinder selbst Baggerfahrer werden wollten. Aber die meisten haben es nicht geschafft, sonst würden sie ja selbst in einem Bagger sitzen und nicht bloß an dem Baggerfahrer vorüber gehen.

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Der Baggerfahrer also kann sich sicher sein, dass die Passanten ihn bewundern, so versonnen schauen sie auf die Hebel, die Schaufel und den Sand. Der Baggerfahrer lächelt und baggert, baggert und lächelt. Eine gesunde Arroganz, in der Waage gehalten durch harte Arbeit, ein überschaubares Gehalt und sein Wissen: Wenn diese Leute keine Wasserleitungen bräuchten, hätte er nichts zu baggern. Er ist kein Weltstar, bloß ein kleiner Star der Straße, auf der er baggert. Die Passanten grüßen, der Baggerfahrer grüßt zurück.

Der Baggerfahrer lächelt und baggert

Auch Fußballer wissen, dass viele ihrer Fans als Kinder selbst Fußballer werden wollten. Doch anders als dem Baggerfahrer gibt ihnen die Tatsache, dass sie es geschafft haben, ein Gefühl der Exzellenz – als seien sie etwas Besonderes. Für die wahre Drecksarbeit sind sie sich alsbald zu schade. Sie kommen vom Platz, wie sie ihn betreten haben: Die Frisur sitzt. Zwischen ihnen und den Fans können dann Gräben entstehen, tiefer als jeder Baggerfahrer sie zustande bringen würde.

Man muss in der Tat lange suchen, bis man unter den Fußballern einen Baggerfahrer findet: selbstbewusst, gut in dem, was er tut – aber immer noch einer von uns. Einen Mann wie: Dieter Eilts. »Dieter Eilts«, das war auch Victor Skripniks Antwort, als ich neulich fragte, wer für ihn ein echter Typ sei. Der frühere »Beckham der Ukraine« und heutige Werder-Jugendtrainer erzählte: »Als ich in Bremen anfing, bin ich zum Training auf dem gefrorenen Schlackeplatz in langer Hose gekommen. Dieter Eilts kam in kurzer Hose und setzte gleich erstmal eine Grätsche an. Da bist du natürlich beeindruckt, wenn dir ein Europameister entgegen schliddert!«

»Es ist Dieter mit dem Bagger, und er baggert noch.«

»Wer baggert da so spät noch am Baggerloch? Es ist Dieter mit dem Bagger, und er baggert noch.« Männer wie Eilts und Mirko Votava und nach ihnen Frank Baumann und jetzt Philipp Bargfrede sind sich für nichts zu schade. Sie baggern den Schutt im defensiven Mittelfeld weg, machen sich schmutzig, sind sich für nichts zu schade. Das macht sie automatisch volksnah, sie schlagen die Brücke von einer Startruppe zu den Malochern auf den Stehplätzen. Coach Thomas Schaaf weiß das nur allzu genau. Schließlich wollte er als junger Mann Architekt werden. Auch dann wäre er ohne Baggerfahrer ziemlich aufgeschmissen gewesen.

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