Nach der Pause übernahm der HSV die Initiative. Fortan schafften sie es wesentlich besser, van der Vaarts Zurückfallen aufzufangen. Der kurz vor der Pause eingewechselte Per Skjelbred (für Arslan) ging öfter in den gegnerischen Zehnerraum. Er war wesentlich aktiver als sein Vorgänger und spielte mehr als doppelt so viele Pässe wie Arslan (34 zu 14). Auch Heung-Min Son fiel vermehrt zurück und bekam mehr Anbindung an das Spiel.
Die neuen Anspielstationen in der Offensive sorgten zwar kaum für mehr Pässe in den eigenen Zehnerraum, dafür bekam van der Vaart mehr Zeit am Ball. Die Nürnberger sicherten mit Balitsch, Cohen und Timo Gehbart den Raum vor der Viererkette ab, van der Vaart konnte am Mittelkreis nach Belieben schalten und walten. Diese Präsenz tat dem Hamburger Passspiel gut. Der HSV spielte nach der Pause mehr Pässe (301 zu 224) und konnte eine wesentlich höhere Passgenauigkeit verbuchen (83,33 Prozent zu 73,45 Prozent).
Der HSV kommt über links
Der Holländer verteilte die Bälle vornehmlich auf die linke Seite. Hier rückte Jansen weiterhin offensiv auf, wobei Aogo ihn vermehrt unterstützte. Richtig gefährlich kamen die Hamburger nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Chandler ins Spiel. Markus Feulner übernahm seine Position (65.). Dieser stand in einigen Situationen zu offensiv und konnte den Offensivdrang Jansens nicht so gut einschränken wie Chandler. So war er am Hamburger Führungstreffer maßgeblich beteiligt, als er zu weit entfernt von Jansen stand und dessen Pass auf Aogo nicht abfangen konnte. Aogos Flanke verwertete Artjoms Rudnevs per Kopf (70.).
Die Nürnberger sahen bis hierhin den gegnerischen Angriffsbemühungen aus der eigenen Hälfte zu. Erst nach dem Gegentor wachten sie aus ihrem Dornröschenschlaf. Ihre Außenverteidiger und Sechser rückten weiter auf und sorgten desöfteren für Überzahlsituationen auf den Flügeln. Unverständlicherweise schliefen die Hamburger just in dieser Phase selber ein. Das Dreiermittelfeld agierte weiterhin so hoch, als würde Nürnberg nur verteidigen, und half den eigenen Außenverteidigern auf dem Flügel nicht. Beim Ausgleichstreffer durch Tomas Pekhart nach einem Einwurf sah die komplette Viererkette nicht gut aus (75.).
Erst nach dem Gegentor fanden die Hamburger zu alter Stärke zurück. Angriff um Angriff rollte nun über die Flügel in Richtung Nürnberger Tor. Diese verteidigten nur noch, hatten jedoch auf der eigenen rechten Seite weiterhin Schwierigkeiten. Son vergab jedoch die zwei größten Chancen (77., 91.), es blieb beim 1:1. Der HSV hatte in der zweiten Halbzeit nur fünf schwache Minuten, dummerweise katapultierten diese Nürnberg genau nach dem eigenen Treffer zurück ins Spiel.