Noel Gallagher über Hools, Man City und Panini

»Musik ist mein Job, aber Fußball ist Magie«

Noel Gallagher, seines Zeichens Mastermind von Oasis, ist bekanntermaßen glühender Verehrer von Manchester City. Sein Klub wurde vom Underdog zu einem der reichsten Vereine der Welt. Hier erzählt er über Taxifahrer, Hools und die Wandlung des Fußballs.

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Spezial Nr. 4

1974 war ich zum ersten Mal selbst in Maine Road, City schlug Newcastle mit 5:1, und alles, was ich von diesem Spiel noch im Kopf habe, ist das Tor von Newcastle. Keine Ahnung, warum. Doch was mir viel stärker im Gedächtnis geblieben ist, war die Kippax, die Stehplatzkurve. Es war laut, es war groß, voller Farben. Als Kind ist man einfach fasziniert, so etwas zu sehen. Die Väter setzten die Kleinkinder unten ab und hauten sich oben die Biere rein. Das muss ein skurriler Anblick gewesen sein, wie wir alle mit unseren lustigen Mützen aufgereiht unten saßen.

Normalerweise gingen die meisten Leute mit irischen Wurzeln zu Manchester United, auch alle meine Cousins rannten da hin. Doch mein Vater hat mich zu City mitgenommen. Ich konnte von meinem Kinderzimmer aus die Flutlichtmasten von Maine Road sehen, zum Stadion liefen wir zu Fuß. Der Grundsatz zu dieser Zeit war einfach: »Support your local team«. Ich kann bis heute nicht verstehen, wie jemand sich einen Klub aussuchen kann, der hundert Kilometer entfernt spielt. Richard Ashcroft (Sänger von »The Verve«, die Red.) ist auch so ein Fall, der kommt aus Wigan und feuert United an. Mal ganz abgesehen davon, dass es sowieso ein Verbrechen ist, diesen seelenlosen Klub zu unterstützen – warum macht man so was? Ich komme aus Manchester, warum zur Hölle sollte ich für Chelsea oder so einen anderen Drecksverein sein?

»Froh, in ganzen Stücken zurück zu kommen«

In unserer Klasse hielt es sich die Waage zwischen United- und City-Fans. Wir haben zusammen auf dem Schulhof gekickt und Panini-Bilder getauscht. Zu dieser Zeit sind wir nicht aufeinander los gegangen, das kam erst später. In den Achtziger Jahren wurde es richtig heikel, zum Fußball zu gehen. Da war man froh, in ganzen Stücken nach Hause zu kommen. Gewalt war akzeptiert, ich erinnere mich, wie wir in der Bahn zu einem Abendspiel in Leeds saßen – Junge, da wusstest du, dass du was abbekommen wirst. Von den Hools, aber auch von der Polizei. So ist das mit jungen Leuten, den meisten hat das einen Kick gegeben. Wir sind damals auch mitgelaufen, doch ich kannte ein paar von der berüchtigten City-Hool-Gruppe »Guvnors« – und diese Jungs waren schon ganz anders drauf. Ums Spiel scherten die sich einen Dreck.

City verlor ja zu dieser Zeit ständig. Wir saßen teilweise fünf Stunden im Zug, obwohl wir wussten, dass wir verlieren. Warum machst du so etwas? Weil Fußball damals Teil deiner Identität war, es hat gezeigt, wer du bist. Vielleicht noch mehr als heute, wo jeder zum Fußball geht.

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