»No Dice«: Britische Fußballfans im Berliner Exil

Wo kein Gras wächst

No Dice ist ein Magazin über Fußball in Berlin – auf Englisch. Ein Ire, ein Engländer und ein Schotte erschließen darin die Wunderwelten des lokalen Amateurkicks nicht nur für Landsleute. Sie locken Fußballtouristen aus aller Welt bis in die Bezirksliga II. 

Heft: #
147

Schade, der Berliner AK spielt heute nicht. Das Lokalderby gegen Viktoria 1889 in der Regionalliga Nordost ist wegen ein paar Zentimetern Schnee kurzfristig abgesagt worden. Na, dann geht es halt in eine der hinteren Ecken des Sportparks Poststadion, wo trotz des lausigen Wetters auf Kunstrasen gekickt wird.

Ian Stenhouse, Jacob Sweetman und Stephen Glennon (auf dem Foto von links nach rechts) trotten zu Platz 1, eine Mannschaft in blau-weiß gestreiften Trikots spielt dort gegen eine in schwarz-weißen: Union 06 gegen Blankenburg. »Bezirksliga III, top Match«, erklärt Sweetman und stellt sich dann vor den Fotoapparat von Stenhouse, der jetzt zur Videokamera wird. Ein kleiner Aufsager in die Kamera, in einem Take. Ziemlich professionell.

Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel

Bei den drei Dutzend Zuschauern löst das kein sonderliches Erstaunen aus, der Trainer von Blankenburg nickt ihnen zu. Man kennt sich. Seit zweieinhalb Jahren ziehen der Schotte Stenhouse, der Engländer Sweetman und der Ire Glennon über Berliner Amateurfußballplätze, um Stoff für das »No Dice Magazine« zu sammeln, der »No. 1 for Berlin Football«, wie es im Untertitel heißt. Benannt ist es nach dem erfundenen Podolski-Zitat des Comedians Jan Böhmermann, dass Fußball wie Schach, nur ohne Würfel sei.

Und »No Dice« ist allein deshalb schon die Nummer eins, weil es sonst niemanden gibt, der auf Englisch über Fußball in Berlin berichtet – von Hertha BSC bis zu den Grashoppers Tegel, die Freizeitligaspiele in der Einflugschneise des Flughafens austragen. »Die Klubs finden uns gut. Sie können es nicht fassen, dass da jemand an einem kalten Dienstagabend bei einem Kreisligaspiel herumsteht, um sie zu fotografieren oder über sie zu schreiben«, sagt Stenhouse.

»No Dice« kommt als Website daher, auf der es auch ausführliche Spielberichte als Videos gibt, und als Seite bei Facebook mit über 3000 Freunden selbst in Japan, den USA und Skandinavien. Außerdem erscheint ungefähr alle drei Monate ein gedrucktes Fanzine, hübsch gestaltet und mit vielen Fotos, durchgehend vierfarbig.

»Es geht um Themen, die ich in der Schule gehasst habe«

Das alles könnte man für doppelt bizarr halten, denn warum sollte man etwa was über den VfB Hermsdorf erfahren wollen, einen Sechstligisten aus dem Berliner Norden? Und das auch noch von einem Iren, der auf Englisch schreibt? Aber der fremde Blick auf einen Amateurklub ohne bemerkenswerte Vergangenheit, übertriebene Träume von der Zukunft, aber einen klaren Sinn für die Gegenwart, ist so reizvoll, dass man am liebsten gleich mal vorbeifahren würde.

»Beim Fußball in Berlin geht es fast immer um Themen, die ich in der Schule gehasst habe: Geschichte, Politik und Soziologie. Aber man kann den Fußball hier nicht ohne all das betrachten, und das fasziniert mich«, sagt Jacob Sweetman, 35. Der Schlagzeuger kam vor fast sieben Jahren nach Berlin, machte mit seiner Frau zusammen Musik, arbeitete in Plattenläden und erlag bald dem besonderen Reiz des lokalen Fußballs. Zuletzt hat es ihm besonders Sparta Lichtenberg angetan, seit der Weimarer Zeit ein Klub der Arbeiterbewegung, »der für ein romantisches Ideal steht«, wie Sweetman findet.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nichts akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!