Niall Quinn trägt Spendierhosen

Mit dem Taxi nach Sunderland

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So geschehen auch den Fans des AFC Sunderland, die nach dem Auswärtssieg gegen Cardiff die bewegendste Rückfahrt der Klubgeschichte erlebten.
Heft #66 05 / 2007
Heft: #
66
Normal 0 21 MicrosoftInternetExplorer4 /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin:0cm; mso-para-margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:10.0pt; font-family:"Times New Roman";}

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So geschehen auch den Fans des AFC Sunderland, die nach dem Auswärtssieg gegen Cardiff die bewegendste Rückfahrt der Klubgeschichte erlebten.

Man kann vom Flughafen Bristol nach Agadir fliegen, nach New York und nach Kuba. Am Abend des 31. März wollen hundert Fans des nor­denglischen Zweitligisten AFC Sunder­land allerdings nur nach Hause. Ihr Flug nach Newcastle geht um 21.25 Uhr. Die Wartezeit auf dem Flughafen vertreiben sich die Anhänger mit lautstarken Gesän­gen. Die Stimmung ist prächtig, beim Aus­wärtsspiel gegen Cardiff City hat Coach Roy Keane ein glückliches Händchen ge­habt, Joker Ross Wallace hatte kurz vor Schluss einen Konter zum 1:0-Auwärts­sieg in die Maschen gesetzt. Nun fehlt nur noch ein Punkt bis zum zweiten Platz, der den Wiederaufstieg in die Premier League bedeuten würde.

 

Der Geräuschpegel in der Wartehalle steigt weiter, als die Anhänger dessen ge­wahr werden, dass Vereinspräsident Ni­all Quinn und die anderen Offiziellen des Klubs mit der gleichen Maschine heim­fliegen werden. Die Fans lieben den Iren Quinn, der früher für Sunderland stürmte und seit 2006 den Klub führt. Quinn hat sich kaum gesetzt, da singen sie bereits das Lied, das Quinn seit Jahren verfolgt. Zur Melodie von »Here we go« heißt es da­rin: »Niall Quinn’s disco pants are the best. They go up from his arse to his chest.« Der Song erinnert an eine Episode bei Man­chester City. Quinn, ein ansonsten fried­licher Zeitgenosse, hatte sich 1992 in ei­ner Disko mit einem Mitspieler geprügelt. Nach dem Fight entledigte er sich seines blutigen und zerrissenen Shirts und tanzte nur in seine abgeschnittene Jeans geklei­det weiter. Einige City-Fans dichteten kur­zerhand ein paar Zeilen zu jener Szenerie. Nach dem Wechsel nach Sunderland griff ein Fanmagazin die Zeilen auf und dich­tete einen kompletten Song. Es wurde ein Hit, der in den UK-Charts bis auf Platz 59 kletterte. Und der Song begleitet Quinn auch über seine aktive Karriere hinaus, bis zum Flughafen Bristol.

 

Singend steigen die Fans in die Boing 737 der Fluggesellschaft Easyjet. Dem Pi­loten missfällt das, er mahnt die Anhänger über den Bordlautsprecher zur Ruhe. Die will partout nicht einkehren, der Pilot be­ordert Polizei ins Flugzeug. Angesichts des Datums und der Uhrzeit, es ist inzwischen 21 Uhr, glauben die Passagiere an einen Aprilscherz, als der Pilot den Staatsdienern die Anweisung gibt, die »betrunkenen und randalierenden Sunderlandfans« aufgrund ihres »ungebührlichen Verhaltens« aus dem Flugzeug zu weisen. Einer der angeb­lichen Rowdys ist behindert, auch er soll nicht mitfliegen. Verärgert versucht Quinn die Crew umzustimmen und erklärt, die Stimmung sei auf Grund des Sieges ledig­lich etwas ausgelassener. Der Pilot bleibt jedoch störrisch. Die Konsequenz: Das Flugzeug verpasst seinen Abflugskorri­dor. Ein späterer Flug an diesem Abend ist nicht mehr möglich. Die Anhänger, darun­ter Kinder und Rentner, müssen allesamt das Flugzeug verlassen. Nun stehen sie in der Wartehalle und wissen nicht weiter.Doch Chairman Quinn zögert nicht lange. Auf seine Kosten ordert er 14 Großraum­taxen für den Rückweg nach Sunderland, auch den »normalen« Passagieren bietet er die Fahrt an. Die Aktion wird ihn 12 000 € kosten, für Quinn eine Selbstverständlich­keit. »Wir brauchen die Fans. Das sind un­sere Leute.« Erst als wirklich alle Fans in einem Taxi sitzen, steigt Quinn als Letzterselbst in eines.

 

Um 6.30 Uhr kommen Quinn und die letztenFans in Sunderland an. Mit Tränen in den müden Augen sagt ein Anhänger voller Ehrfurcht: »Es muss ein Vermögen gekos­tet haben. Niall Quinn ist der anständigsteBursche im Fußball. Wir alle danken ihm aus tiefstem Herzen.« Quinn selbst ist noch immer verärgert über die Fluggesellschaft: »Wir weisen die Darstellung von Easyjet über das Verhalten unser Fans vehement zurück. Aber wir sind froh, dass alle wie­der sicher in Sunderland sind. Irgendwie war die Rückfahrt aus Cardiff wohl auch die bewegendste und ereignisreichs­te unserer Klubgeschichte. Und die drei Punkte haben wir ja auch mit nach Hause genommen.«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!