Neymar soll bei der Copa America der neue Pele werden

Der Thronfolger

Die brasilianische Presse hat den 19 Jahre alten Neymar längst in den Rang des Thronfolgers von »O Rei« Pelé gehoben. Bei der Copa America drohte der Angreifer den Beweis allerdings schuldig zu bleiben – bis gestern. Aus Buenos Aires berichtet Kai Behrmann. Neymar soll bei der Copa America der neue Pele werdenimago

Der Hang zum Exzentrischen liegt ihnen im Blut. Wer auch immer sich in der Vergangenheit das knallgelbe Trikot der brasilianischen Nationalelf überstreifte, er paarte fußballerische Extraklasse meist mit ebenso schrillem wie divenhaftem Auftreten. Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar, bildet da keine Ausnahme in der langen Tradition der Romarios, Ronaldos und Ronaldinhos.

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Derzeit sorgt der Offensivstar des FC Santos mit seinem wilden Irokesenkamm für Aufsehen bei der Copa América in Argentinien. Zunächst allerdings nur abseits des Platzes. Den Beweis seines sportlichen Ausnahmekönnens war Neymar in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Venezuela (0:0) und Paraguay (2:2) schuldig geblieben.

Pelé sagt: »Er ist besser als Messi.«

Dabei haben die Medien seiner Heimat den 19 Jahre alten Angreifer längst in den Rang des Thronfolgers von »O Rei« Pelé gehoben. Seite an Seite mit der brasilianischen Fußball-Legende zierte Neymar jüngst das Titelblatt der Zeitschrift »Placar«. Pelé selbst schürt die Hysterie um den Überflieger: »Er ist besser als Messi.«

Viel Druck für einen Teenager, den der enorme Vorschusslorbeer bei seinem ersten großen internationalen Turnier eher zu hemmen, denn zu beflügeln schien. Umso euphorischer fiel sein Jubel aus, als ihm am Mittwochabend in Cordoba gegen Ecuador gleich zwei Treffer gelangen. Am Ende sicherte sich Brasilien mit einem furiosen 4:2 (1:1) den Platz eins in der Gruppe B und korrigierte damit den schwachen Eindruck, den man zuvor bei der Südamerikameisterschaft hinterlassen hatte. Im Viertelfinale triff  der Titelverteidiger nun am Sonntag in La Plata auf Paraguay.

Die Sorge vor einer Ansammlung von Ich-AGs

Das Machtwort von Kapitän Lucio scheint zur rechten Zeit gekommen zu sein. Ohne den Namen Neymar zu nennen, hatte der Ex-Bayern Verteidiger vor dem Duell mit Ecuador gepoltert: »Jeder muss wissen, dass das Trikot und der Name darauf noch kein Spiel gewinnen. Auf Willen und Einsatz kommt es an!«

Einmal in Fahrt, wetterte Lucio weiter: »Das Wappen auf der Brust ist wichtiger als der Name auf dem Rücken. Wir vertreten eine Nation. Die Selección ist kein Schaufenster, um sich selbst ins Rampenlicht zu stellen.« Der 102-fache Auswahlspieler hatte die Gefahr erkannt, dass der fünffache Weltmeister in eine Ansammlung talentierter Ich-AGs zerfällt. »Jeder einzelne sollte sich hinterfragen, wenn er abends seinen Kopf aufs Kissen legt«, mahnte der Routinier. Nur so könne Brasilien als Mannschaft wachsen.

Selbst Trainer Mano Menezes hatte seinem Jungstar Neymar kürzlich Egoismus vorgeworfen: »Er muss lernen, den Kopf hochzunehmen und den Ball zu seinem Mitspieler zu passen.« Erstmals während seines kometenhaften Aufstiegs bekam Neymar, der den Pelé-Klub FC Santos vor wenigen Wochen zum ersten Sieg bei der Copa Libertadores seit 48 Jahren geführt hat, heftigen Gegenwind zu spüren. Gerade zur rechten Zeit hat er nicht nur mit seinen beiden Treffern, sondern auch mit einer mannschaftsdienlichen Leistung seine Lernfähigkeit bewiesen.

Menezes predigt derweil weiterhin Geduld. Das Projekt sei langfristig auf die WM 2014 angelegt, das Triple bei der Copa kein Muss. Auch Neymar nimmt er trotz Kritik in Schutz: »Er ist weder der neue König, noch ist er ein schlechter Spieler, weil er mal zwei schlechte Tage hat.« Nach einem Stotterstart scheint der Neuaufbau der brasilianischen Nationalelf langsam ins Rollen zu geraten.

Ronaldinho und Kaká fehlen

Vor einem Jahr war Menezes das Erbe des gescheiterten Carlos Dunga angetreten. Der Auftrag: Für die Titelkämpfe im eigenen Land eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Dafür hat Menezes das Personal kräftig durchgemischt. Im aktuellen Kader fehlen mit Ronaldinho und Kaká zwei Weltstars, die als Hauptschuldige für die beiden blamablen letzten WM-Turniere ausgemacht wurden.

Nun soll eine junge Garde um den international noch weitegehend unbekannten Neymar den fünffachen Weltmeister zu neuem Ruhm führen. Der von vielen Top-Klubs in Europa heiß umworbene Star des FC Santos ist dabei als Kandidat für die vakante Rolle des Strippenziehers in der Offensive fest vorgesehen.

400.000 Euro pro Monat, Porsche Panamera, Luxus-Penthouse

Bei Neymars Karriereplanung wird nichts dem Zufall überlassen. Die korrekte Garderobe wählt ein Stilberater für ihn aus, Ein Stylist kümmert sich um den perfekten Sitz der Frisur. Eine Privatlehrerin paukt mit ihm einmal pro Woche Englisch für den bevorstehenden Wechsel ins Ausland. Beraten wird Neymar von der Agentur »9nine«. Inhaber: Ronaldo.

Das monatliche Einkommen von Neymar wird auf gut 400.000 Euro beziffert. Neben einer zwei Millionen teuren Villa nennt Neymar ein luxuriöses Penthouse in Sao Paulo sein Eigen. In der Garage steht ein Porsche Panamera Turbo. Listenpreis: knapp 200.000 Euro. Eine Karriere auf der Überholspur.

Der Druck auf Neymar ist enorm. Ein Scheitern bei der Copa würden ihm seine Landsleute wohl noch verzeihen. In drei Jahre ist er aber zum Erfolg verdammt. Schon einmal hat Brasilien 1950 die Chance verstreichen lassen, im eigenen Land den Titel zu holen. Ein zweites Mal soll das nicht passieren.

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